Kommentar: Die Kurve nicht gekriegt

Kommentar : Die Kurve nicht gekriegt

Das Riesenprojekt am Duisburger Innenhafen, wegen seiner bogenförmigen Anlage "The Curve" (Die Kurve) genannt, wird ab sofort gestoppt - allerdings nur vorerst. Eine entsprechende Erklärung gab die Stadt gestern ab.

Obwohl sich die Autoren der Erklärung um jene Nüchternheit bemühen, die städtischen Presseerklärungen nun einmal eigen ist, lässt sich der Bauskandal mit Worten nicht verschleiern.

Da hat sich die seinerzeit zuständige Innenhafen Entwicklungsgesellschaft offenbar über die Expertise der Gutachter hinweggesetzt und den Boden, auf dem gebaut werden sollte, nicht wie erforderlich verdichtet. Vielmehr wurde kurzerhand Abfallmaterial aus dem Bergbau ins Areal geschüttet, frei nach dem Motto: Nach uns das Drängewasser, was in einem Hafengebiet auch Nicht-Fachleute nicht überraschen dürfte. Man kann verstehen, dass den Planern, die ein neues städtisches Filetgrundstück potenten Investoren anbieten möchten, die Entscheidung schwerfällt, zuzugeben, dass man die Kurve nicht kriegt. Es dürfte gewissenhaften Ratsleuten aber auch schwerfallen, in der nichtöffentlichen Ratssitzung ihr Okay für weitere 3,5 Millionen Euro für die Entwicklung eines wässrigen Grundstücks zu genehmigen.

Einerseits wirkt die schon gebaute Betonkurve wie ein Mahnmal fürs Scheitern, wenn an diesem Ort nicht weitergebaut wird, andererseits sollte man von den Erfahrungen beim Erweiterungsbau für das Museum Küppersmühle, bei dem das städtische Wohnungsbauunternehmen Gebag fast Pleite ging, gelernt haben. Nur wenn man sicher sein kann, dass "The Curve" auf festen Boden gebaut werden kann, darf es weitergehen. Ansonsten ist es besser, jetzt die Reißleine zu ziehen, damit die Kosten nicht ins Uferlose steigen. Peter Klucken

(RP)
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