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Duisburg: Die Kunden gehen

Duisburg : Die Kunden gehen

Die Bettensteuer hat fatale Folgen für Duisburgs Hotels. Denn die Firmen kündigen ihre Übernachtungskontingente.

Marcus Busch ist überzeugter Duisburger. Darum hat er vor wenigen Jahren mehr als zwei Millionen Euro investiert, um die beiden Häuser HotelConti und Ferrotel an der Düsseldorfer Straße auf attraktives Niveau zu bringen. Er hat keine großen Konzern hinter sich, sondern er ist Privatunternehmer. Die Investitionssumme muss er selbst erwirtschaften. Doch die im vorigen Jahr von SPD, Linken und Grünen im Rat beschlossene Bettensteuer verhagelt ihm zunehmend das Geschäft.

Pro Nacht muss der Gast hier zusätzlich fünf Prozent des Übernachtungspreises für die Stadtkasse zahlen. Und damit fünf Prozent mehr für eine vergleichbare Leistung wie in Düsseldorf, Oberhausen, Mülheim, Essen oder am Niederrhein. Die Mehrkosten schlagen vor allem bei den Firmenkunden von Marcus Busch offenbar so spürbar zu Buche, dass diese dem Duisburger Hotelier nicht länger die Treue halten. Gerade erst sind zwei Duisburger Unternehmen, dessen Gäste und Kunden traditionell in seinen Häusern nächtigten, abgesprungen. Sie schlafen jetzt in Oberhausen bzw. in einem Hotel am Niederrhein. Marcus Busch rechnet am Jahresende mit einem spürbaren Umsatzrückgang. "Wenn ich könnte, würde ich meine Hotels auf Rollen setzen und die Stadt verlassen", sagt er.

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Vergebens hatte er die politisch Handelnden zu einer Abkehr von ihrem Plan bewegen wollen. Busch kann über das Argument nur den Kopf schütteln, dass Hoteliers die Abgabe verschmerzten könnten, weil sie weniger Mehrwertsteuer bezahlen müssten. "Da zeugt von absoluter Unkenntnis", sagt er. Eine Firma interessierte ausschließlich der Nettopreis, und der sei in Duisburg wegen der Sonderabgabe nun mal höher als anderswo. "Wir haben hier eh schon genug Standortnachteile zu verkraften, da ist es für mich völlig schleierhaft, wie man annehmen kann, dass Reisende in Duisburg übernachten, wenn es ein paar Kilometer hinter der Stadtgrenze auch preiswerter geht." Die Crew für das Musical "Rocky Horror Show", die im Theater am Marientor probt, habe man nicht hierher holen können. Sie sei nach Oberhausen gegangen und käme dort unterm Strich trotz des nötigen Busshuttles immer noch preiswerter davon.

Die Konsequenzen aus dem Rückgang will Busch nicht seine Mitarbeiter ausbaden lassen. "Aber ich habe diesmal einen Auszubildenden weniger einstellen können", sagt er. Denn seine bald 40 Angestellten sollen möglichst sichere Arbeitsplätze haben. Er hofft, dass die laufenden Klagen gegen die Übernachtungsabgabe von Erfolg gekrönt sein werden. Seine Gäste finden in ihren Zimmern Hinweise, wer dahinter steckt, dass für sie die Nacht teurer geworden ist und wo sie ihre Ansprüche anmelden können, wenn sie die Übernachtungsabgabe erstattet haben wollen – vorausgesetzt die Gerichte entscheiden entsprechend.

(RP)