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Interview: Die individuell passende Aus- und Weiterbildung finden

Interview : Die individuell passende Aus- und Weiterbildung finden

Welche Ausbildungsmöglichkeiten gibt es? Und welche ist für mich die richtige? Diese Fragen kennt jeder junge Mensch. Denis Buss, Leiter der Studien- und Berufsberatung bei der Einstieg GmbH, bietet Hilfe bei der Orientierung.

Jeden Tag unterstützen er und sein Team junge Erwachsene dabei, sich für den optimalen Weg zu entscheiden. Seit November 2014 ist Denis Buss' Team auch wieder mit der Informationsoffensive "Berufliche Bildung - Praktisch unschlagbar", die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie ins Leben gerufen wurde, unterwegs, um in ganz Deutschland auf Messen, in Schulen und in Betrieben Interessierte über die Möglichkeiten der beruflichen Bildung zu informieren.

Herr Buss, Sie und Ihr Team begleiten junge Menschen bei den wichtigsten Fragen des Lebens, nämlich denen nach der Lebens- und Berufsgestaltung. Welche Fragen stellen sich junge Menschen in diesem Zusammenhang?

Buss Viele junge Menschen wissen nicht, was sie beruflich machen wollen. Sie interessiert zuerst einmal: Was für Angebote gibt es und wie kriege ich diese mit meinen Stärken zusammen? Andere wiederum haben sich schon für eine ungefähre Richtung entschieden. Sie wollen vor allem in ihrer Entscheidung bestärkt werden. Ihre wichtigste Frage ist daher: Wie erlange ich hundertprozentige Sicherheit?

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Was für Vorstellungen und Ängste beeinflussen die Berufswahl junger Menschen?

Buss Viele junge Menschen haben klischeehafte Vorstellungen von Berufen. Bei der Berufsorientierung müssen wir daher schon einmal die eine oder andere Vorstellung geraderücken und eine Art Realitätscheck mit den Schülern machen. Die Ängste wiederum sind meist jene, die auch Eltern kennen: Wie sie auch, wollen die Schüler Sicherheit erlangen und gut verdienen, haben Angst vor Arbeitslosigkeit. Vor allem aber möchten sie einen Beruf ausüben, der ihnen Spaß macht, wissen aber nicht, wie und wo sie diesen finden.

Was versuchen Sie, jungen Menschen bei der Berufsorientierung mit auf den Weg zu geben?

Buss Für Jugendliche spielen bei der Berufswahl nicht nur rationale Argumente eine Rolle. Emotionale Aspekte wie etwa das Thema Sicherheit beeinflussen die Suche ebenfalls stark. In unseren Gesprächen bestärken wir daher in erster Linie die Person, so dass sie mit Selbstvertrauen in die Berufsorientierung startet.

Mit der Informationsoffensive "Berufliche Bildung - praktisch unschlagbar" sind Sie vor allem auf Karrieremessen präsent. Welche Angebote können Jugendliche darüber

hinaus nutzen, um sich über ihre beruflichen Möglichkeiten zu informieren?

Buss Das Thema Berufsorientierung ist ja so ein bisschen miefig und muffig: Eigentlich haben junge Leute keine große Lust, sich damit zu beschäftigen. Schicke Online-Tests helfen hier, denn sie holen die Jugendlichen genau in ihrer Lebenswelt ab. Für die erste Orientierung ist ein Online-Test ein tolles Tool. Jugendliche können damit ihre eigenen Interessen und Stärken herausarbeiten. Berufsvideos, die den Arbeitsalltag zeigen, eignen sich ebenfalls gut zur Orientierung. Mit ihnen kann man sich ein sehr konkretes Bild vom Arbeitsalltag in dem angestrebten Beruf machen.

Was sind die größten Vorurteile bei jungen Menschen, wenn es um das Thema betriebliche Ausbildung geht?

Buss Das größte Vorurteil ist, dass eine betriebliche Ausbildung nur eingeschränkte Aufstiegschancen bereithält. Wir zeigen Jugendlichen, dass diese Sichtweise nicht richtig ist und sie ihre Karrierepläne zum Beispiel durch Weiterbildungsmöglichkeiten weiter vorantreiben können.

Es gibt ja immer mehr Abiturienten, aber gleichzeitig auch nicht genügend Studienplätze. Wird die betriebliche Ausbildung deswegen mittlerweile auch stärker von Abiturienten nachgefragt?

BUss Wir haben den Eindruck, dass das Thema betriebliche Ausbildung einen immer größeren Stellenwert bekommt und der Einsatz von Initiativen wie der Informationsoffensive "Berufliche Bildung - praktisch unschlagbar" Früchte trägt. Abiturienten haben eine bessere Vorstellung davon, was eine betriebliche Ausbildung ist. Für sie ist vor allem das Thema betriebliche Ausbildung in Verbindung mit Zusatzqualifikationen interessant. Immer mehr Jugendliche betrachten eine Ausbildung als das Sprungbrett für ihre Karriere.

Was sollte jeder Schulabgänger bei seiner persönlichen Berufswahl beachten?

Buss Junge Leute sollten das Thema Berufsorientierung ernst nehmen, sich aber auch nicht unter Druck setzen lassen. Das versuchen auch wir in unserer Arbeit zu vermitteln. Sie sollten der Berufswahl selbstbewusst entgegentreten und sich sagen: Ich kann eine ganze Menge - was sind das für Dinge, die ich kann? Und wie kann ich mich selbst motivieren? Wenn erst einmal das Selbstbewusstsein und die Lust am Thema da sind, kommt alles andere automatisch.

(RP)