Duisburg: Die Göttin auf dem Sonnenwagen

Duisburg: Die Göttin auf dem Sonnenwagen

Im Wilhelm-Lehmbruck-Museum ist in diesen Wochen die Ausstellung "Alberto Giacometti – die Frau auf dem Wagen. Triumph und Tod" zu sehen. In einer Serie begleitet die RP diese international bedeutsame Schau, die bereits rund 18 000 Besucher ins Museum führte. Autor ist der Kurator der Giacometti-Ausstellung und stellvertretende Museumsdirektor, Dr. Gottlieb Leinz.

Ein " klirrender" rollender Medizinwagen im Hospital, wo Alberto Giacometti nach seinem Autounfall 1938 in Paris eingeliefert worden war, habe ihm die Inspiration für diesen zweirädrigen "Wagen" gegeben. Bereits 1947 habe er dessen Aussehen deutlich vor Augen gehabt, ehe er diesen 1950 realisierte. Er skizziert diesen Wagen mit den kreuzförmig gefügten Speichen zweier Räder, die auf Holzklötzen unbeweglich stehen müssen und eine wie üblich frontal ausgerichtete und grazile Frau mit angehobenen Armen emporheben.

Beschreibung und Skizzen, die im Originalmanuskript in der Ausstellung ausliegen, schickte Giacometti seinem Galeristen Pierre Matisse nach New York, wo die soeben fertiggestellte Bronze erstmals ausgestellt werden soll. Bevor sie auf die lange Reise geht, bemalt er sie an Kopf und Hals, Bauch und Fuß. Noch während der Ausstellung wurde dieses kapitale Hauptwerk Giacomettis sofort vom Museum of Modern Art erworben. Eben diese legendäre erste Fassung aus dem MoMA ist in Duisburg aus nächster Nähe und ohne (sonst übliche) Vitrine zu sehen, erstmals überhaupt außerhalb der USA. Thematisierte Giacometti in der ersten "Frau auf dem Wagen" eine ägyptische Göttin auf der Fahrt ins Jenseits, so erhöht er nun in dieser Fassung die golden aufglänzende Göttin als mythische Erscheinung.

Die auf Zehenspitzen von ihrem Sockel abhebende Frau verkörpert eine dem Himmel zustrebende Sonnenscheibe, wie sie im ausgestellten prähistorischen "Sonnenwagen von Trundholm" (den Giacometti im Original kannte) als kosmisches Urbild aus Sonnenscheibe und Heiligem Pferd erscheint.

Info Dr. Gottlieb Leinz führt Karfreitag, ab 18 Uhr, durch die Giacometti-Ausstellung. Das Museum ist auch am Karfeiertag bis 20 Uhr geöffnet. Am Ostersonntag finden vier öffentliche Führungen statt: 11.30 Uhr, 12.30 Uhr, 15 Uhr und 16 Uhr.

(RP)