Duisburg Die Finder-Kinder

Duisburg · Zum 57. Mal hat die Polizei gestern eine Weihnachtsfeier für Jungen und Mädchen ausgerichtet, die gefundene Wertgegenstände auf der Wache abgegeben haben.

Aufgeregt betrachtet Leon das pinke Portemonnaie. Es liegt da im Gebüsch, zwischen Laub, Gräsern und Abfall. "Leute, ich hab was gefunden", ruft der Neunjährige seinen Freunden zu. Die Kinder heben die Geldbörse vorsichtig auf, durchsuchen sie nach Ausweis oder Führerschein. "Dann können wir den Besitzer nämlich schnell finden", erklärt Leon.

Doch alles, was sie entdecken, sind ein paar Centstücke. Und das Foto einer Frau. "Mit braunen Haaren", sagt Leon. Das Portemonnaie einfach im Gebüsch liegen zu lassen, das kam für die Freunde aus Walsum nicht in Frage. Es einfach einzustecken schon gar nicht. "Also sind wir zu unseren Fahrrädern gelaufen und haben es auf die nächste Polizeiwache gebracht", erzählt Leon auf der Weihnachtsfeier im Polizeipräsidium stolz.

Kuchen und Theater

Als die Einladung zu dem 90-minütigen Festakt bei Leons Eltern eintrudelte, hätte sein Vater beinahe einen Herzinfarkt bekommen, sagt der mittlerweile Zehnjährige: "Als er den Brief mit dem Polizeistempel sah, wurde er ganz blass." Statt der Vorladung zu einem Verhör erwartet die Kleinen jedoch eine Belohnung für ihre Aufrichtigkeit. Mit Teilchen, Keksen und einem Rahmenprogramm aus Musik und Theater danken ihnen die Beamten.

Polizeioberkommissarin Susanne Herrmann begrüßt die Kleinen bei Kerzenschein und lässt sie an der festlich gedeckten Tafel Platz nehmen. Sie finde es "supergut, was ihr gemacht habt", lobt Herrmann und geht mit dem Mikrofon durch die Reihen, um zu erfahren, was genau die ehrlichen Finder in diesem Jahr bei der Polizeiwache oder im Fundbüro abgegeben haben. Handys, Autoschlüssel und Fahrzeugscheine gehören zu den meist genannten Funden.

Anerkennendes Raunen

Dann kommen die Kinder zu Wort, die Geldbörsen gefunden haben. "Bei mir war es ein Portemonnaie mit Karten und Geld", sagt ein Junge. "Und wie viel Geld war da drin?", hakt Herrmann nach. "130 Euro", antwortet der Junge. Ein Raunen geht durch die Menge. Ein vereinzeltes anerkennendes "Wow!" ist zu hören. 130 Euro — was man dafür alles hätte kaufen können. Auch Leon hebt nun die Hand. "Und was hast du gefunden?", fragt Herrmann und hält ihm das Mikrofon hin. Leon berichtet von dem Fund im Gebüsch. Doch die Anderen geben sich damit nicht zufrieden. "Wie viel Geld war denn drin?", wollen sie wissen. Leon hebt beinahe entschuldigend die Schultern. "Nur ein paar Cent", sagt er kleinlaut. "Aber es ist doch trotzdem wichtig, dass ihr es abgegeben habt", lobt Herrmann.

Die meisten "Wow"s hätte wohl der junge Finder eingeheimst, der einen freilaufenden Hund aufgelesen und beim Polizeirevier abgegeben hatte. "Aber er konnte nicht zur Feier kommen", erklärt die Polizeioberkommissarin. Überhaupt habe die Anzahl der Kinder, die Wertgegenstände bei Polizei oder Fundbüro abgeben, in den vergangenen Jahren leicht abgenommen, so Herrmann. Der Wert der Fundsachen jedoch sei immer wieder erstaunlich hoch. "Geldbeträge von bis zu 300 Euro waren schon dabei. Dass Kinder mit so viel Geld trotzdem ohne Umwege zur Polizei gehen oder ihren Eltern Bescheid geben, ist lobenswert", sagt die Beamtin. Teilweise würden die abgegebenen Sachen auch bei der Aufklärung von Kriminalfällen helfen. Etwa dann, wenn Diebesgut gefunden werde oder Taschen, die Räuber nach dem Durchsuchen achtlos ins nächste Gebüsch geworfen hätten.

Zeitlos schick

Für manch einen der jungen Finder hat sich durch die Erfahrung mit der Polizei sogar ein Berufswunsch entwickelt. "Ich werde später auch Polizist", ist sich der achtjährige Nils sicher, der gemeinsam mit seinem Bruder Lars (9) Anfang des Jahres ein Handy gefunden und es bei der Polizei abgegeben hatte. Zur Untermauerung seines Berufswunsches trägt er bei der Weihnachtsfeier ein grünes Polizei-T-Shirt. Das kommentiert Susanne Herrmann scherzend mit Worten, die auch von Karl Lagerfeld hätten stammen können: "Grün ist out. Das wird bei uns nicht mehr getragen." Die Ehrlichkeit der jungen Finder jedoch ist zeitlos schick.

(RP)