Duisburg: Die eigene Persönlichkeit nach vorn boxen

Duisburg: Die eigene Persönlichkeit nach vorn boxen

An der GHS Beim Knevelshof findet ein Sportunterricht der anderen Art statt: Gemeinsam mit einem echten Experten wird geboxt.

Shuajb ist ganz bei der Sache, der Blick konzentriert, fokussiert, die Hände dick gepolstert. Es geht hier um was, das sieht nicht nur Shuajb so. Sondern auch seine Klassenkameraden. Seit Beginn des neuen Schuljahres ist für zwei der insgesamt vier 9er-Klassen der GHS Beim Knevelshof der Sportunterricht einfach mal anders. Ganz anders. Es dreht sich nicht mehr alles nur um Bälle und Tore, hängt nicht an Recks und Kletterwänden. 30 Fäuste für ein Boxtraining!

Einmal eng geschnürt, lässt es sich viel besser gegen die Matten boxen. Foto: Fabian Strauch

In Zusammenarbeit mit der Willicher Boxschule Kai Burchardt Boxing for personality ist das Training zu einem festen Bestandteil des Sportstundenplans geworden. Keine gewöhnliche Art, die Sportstunden zu verbringen. "Das stimmt", sagt Andrea Heinen-Scheider, Sozialpädagogin an der Hauptschule. Aber: "Fußball spielen sie so häufig", nicht nur in der Schule. Das klassische Boxtraining - nicht Anti-Aggressions-Training - ist selten zu finden in deutschen Lehrplänen. Da kam das Angebot von Kai Burchardt gerade recht. Das Boxtraining als eine AG anzubieten, kam nicht in Frage: "Wir wollten, dass wirklich alle Schüler, also alle vier 9er-Klassen, in den Genuss kommen", weiß Andrea Heinen-Scheider. Denn: "Es gibt so viele Sachen, die damit einhergehen." Disziplin, Ausdauer, Stärkung der Konzentrationsfähigkeit - "all das sind Dinge, die unsere Schüler brauchen." Viel wichtiger noch: "Die Jungs fühlen sich hier ernst genommen", fügt die Sozialpädagogin hinzu.

Einer, der ganz bestimmt damit zu tun hat, ist Markus Lefen. Der Boxtrainer kommt seit ein paar Wochen immer freitags in die Turnhalle an der Hitzestraße, um mit den Jugendlichen zu boxen. "Jeder wird da abgeholt, wo er ist", sagt er. Der 40-Jährige ist eine Respektsperson. Wenn er spricht, ist es in der Halle ganz still. Die Jungs hängen an seinen Lippen, an seinen Fäusten. Wollen alles wissen. "Eigentlich ist Boxen eine Sportart wie jede andere auch", erklärt Lefen dann. Aber hier ist das Ziel, die Gemeinschaft zu stärken. "Ihr seid ein Team", das macht er Shuajb und den anderen schnell klar. Davon ab geht es auch um das eigene Körpergefühl, um die Selbstwahrnehmung.

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Patrick hat derweil die Boxhandschuhe angezogen. Sein Vater hat früher geboxt, seine Onkel auch. Er will nach dem Training in der Schule mit dem Thai-Boxen in der Freizeit beginnen. So viel steht für ihn fest. "Ich mache das vor allem, um meine Koordination zu schulen", sagt er und muss dann auch gleich wieder los. Markus Lefen ruft zur nächsten Runde. Die Letzte, das Auspowern vor den großen blauen Matten. Hier wird getrippelt und geboxt, was die Matte hält. Dazwischen gibt es Liegestütze.

Die Zeit ist um. Die nächsten dürfen. Shuajb, Patrick und die anderen machen jetzt noch eine Unterrichtsstunde mit dem normalen Sportunterricht weiter. Die anderen Jungs sind dran. Und bald auch die Mädels. Die dürfen auch mal ran, rein in die blauen und roten Handschuhe, allerdings getrennt von den Jungen.

(RP)
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