Duisburg: Die Baerler Elefanten sind los

Duisburg : Die Baerler Elefanten sind los

Aufatmen in Baerl: Die Kita der evangelischen Kirche hat jetzt eine vierte Gruppe. Sie bietet 23 Dreijährigen im familiären Stadtteil einen Platz. Nur die Finanzen sind für den Pfarrer ein Ärgernis.

Löwe, Bär und Maulwurf sind nicht mehr alleine. Seit gestern haben sie offiziell einen Elefanten an ihrer Seite. Das imposante Tier gibt der neuen Kindergartengruppe ein Gesicht, die seit August unter dem Dach der evangelischen Kirche dafür sorgt, dass der bei Familien beliebte Stadtteil Baerl mit seiner Infrastruktur nicht mehr ganz so weit hinterher hinkt.

Das Zuzugsgebiet im Nordwesten der Stadt hat in dieser Hinsicht Probleme. Insgesamt 34 "Ü3-Kinder" hatten im vergangenen Jahr keine Chance, einen Platz in einer Einrichtung in ihrem Stadtteil zu bekommen. "Diese Entwicklung war schon 2014 absehbar", sagt Pfarrer Andreas Klumb. Dafür musste man kein Hellseher sein, denn die heute Dreijährigen waren damals schon auf der Welt.

Als die Kirche ihre Kita an der Schulstraße damals modernisierte, um sie für die Betreuung der kleinsten Baerler zu rüsten, da war die Erweiterung auf vier Gruppen schon einmal Thema. Allerdings, so der Pfarrer, war die Stadt damals nicht bereit, das Projekt finanziell mit zu stemmen. "Wir als Kirche waren aber schon mit unseren drei Gruppen am Limit."

Bis 2017 schlummerten die Architektenpläne für die Modernisierung des alten Gemeindesaales im benachbarten Backsteinbau in der Schublade. Bis die Lage letztlich so drängend wurde, dass es neue Gespräche zwischen Kirche und Stadt über eine vierte Gruppe gab. "Wir machen das mit der Trägerschaft, aber es darf uns kein Geld kosten", formuliert Andreas Klumb die Bedingung der Kirche damals. Gesagt, beschlossen, getan: Gestern zeigten die Elefanten ihr neues Haus, in dem sogar noch zwei Plätze frei sind. Es ist alles andere als grau. Für 200.000 Euro wurde der Gemeindesaal zum farbenfrohen Kinderreich mit Blick ins Grüne. Vier zusätzliche Erzieher gesellen sich nun zum Team, das Christiane Sengpiel managt. Die neue Gruppe ist für die Kita-Leiterin auch eine sportliche Herausforderung, denn sie muss nun zwischen zwei Gebäuden hin- und herflitzen, wenn sie alle 79 Kinder im Blick haben möchte.

"Ich bin sehr froh über die neue Gruppe, dafür haben wir lange politisch gekämpft", sagt die Baerler SPD-Ratsfrau Edeltraud Klabuhn. In den unbeschwerten Jubel mag Pfarrer Andreas Klumb nicht so recht miteinstimmen. Bei ihm hat sich im Laufe der Renovierung zum lachenden auch ein weinendes Auge gesellt. Denn das Finanzthema ist dann doch anders gelaufen, als die Kirche erwartet hatte.

Zwar fördert das Land NRW die Sanierung - aber die Kirche als Träger muss zehn Prozent Eigenanteil zahlen. Und die von der Stadt versprochene Übernahme der Pauschale zur Finanzierung der Betriebskosten reicht vorne und hinten nicht, da das seit langem kritisierte Kinderbildungsgesetz (Kibiz) laut Klumb mit völlig unrealistischen Zahlen kalkuliert. "Das wurde vorher alles anders kommuniziert", ärgert sich der Pfarrer. Eine Stellungnahme der Stadt gab es gestern nicht. Bildungsdezernent Thomas Krützberg hatte seine Teilnahme an der Elefantenfeier aus terminlichen Gründen kurzfristig abgesagt.

(RP)