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Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten: Die 70er Jahre: Stadt im Disco-Fieber

Rp-Serie Duisburger Geschichte Und Geschichten : Die 70er Jahre: Stadt im Disco-Fieber

Der Scotch Club an der Claubergstraße gehörte einst zu den Flaggschiffen der Duisburger Disco-Szene. Der Club ist allerdings längst Geschichte. Anlass für eine Reise in die Disco-Zeit der 70er Jahre.

Scotch-Club - so hieß die angesagte Disco, sie befand sich auf der Claubergstraße 10 in der Innenstadt. Die Gründerfamilie Terjung hatte den Scotch-Club in den 60er Jahren eröffnet, Anfang der 70er Jahre übernahm Dieter Gertges den Betrieb. Aber der Scotch war natürlich nicht alles. Ganz in der Nähe gab es das Bistro, die "EX-discotheque", "Espresso", "Display" und Cafe Corso. Swierzy und Victorian Pub waren am frühen Morgen nach dem Discobesuch Treffpunkt der Nachtschwärmer. Das Angebot der Bars auf der Hohe Straße reichte von der "Golden Door Bar", dem "Mon Bijou" bis zum "Desiree". Die illustren Namen der Lokale lassen sich beliebig erweitern. Dass das Duisburger Nachtleben einmal so vielfältig war, kann man fast gar nicht glauben: Bis auf das "Old Daddy" - heute "Kultkeller" - existiert keine der alten "Locations" mehr.

Auf Soul-Musik mit Tuchfühlung folgten die 70er mit musikalischen Gegensätzen. Von Disco über Hardrock bis Rap und Punk wurden in diesem bunten Jahrzehnt die Weichen für heutige Musikrichtungen gestellt. Das Lebensgefühl der 70er Jahre spiegelte sich in Musik und Mode wider. Es war die Zeit der jungen Frauen, die im höher rückenden Saum oder hot pants Aufsehen erregten und selbstbewusst die Tanzfläche eroberten. Sie wollten richtig abtanzen nach der Musik, die man damals und auch heute gerne hörte: Abba, Bee Gees, Stevie Wonder, Lionel Richie, Diana Ross & The Supremes oder auch AC/DC, Deep Purple, Black Sabbath. Während in den 70er junge Frauen häufig darauf warten mussten, dass man zum Tanzen aufgefordert wurde, ging es im Scotch Club schon richtig emanzipiert zu: Wer Lust hatte zu tanzen, ging einfach auf den Dancefloor. Ein Schuss Selbstinszenierung gehörte einfach dazu.

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Der Eintritt im Scotch Club war frei, aber es herrschte Verzehrzwang und ein Long-Drink war für Lehrlinge oder Studenten ein teures Vergnügen. Es gab aber auch die besser Betuchten. Wer es sich leisten konnte oder seinen Status demonstrieren wollte, der hatte bei der Bedienung auf der Empore eine Flasche "Jackie", Wodka oder Asbach deponiert.

Die Disco-Betreiber ließen sich etwas einfallen, um Besucher zu locken. Jüngere, männliche Besucher mit Schlaghosen erfreuten sich an busenfreien Gogo Girls, die gelegentlich im Scotch auftraten. Insgesamt ging es aber im Scotch eher gesittet zu. Das Scotch-Publikum gehörte zu den "Hedonisten mit konservativer Ausrichtung", erklärt schmunzelnd ein ehemaliger Soziologiestudent. Disco gehörte zum Mainstream, aber es gab parallel dazu eine Gegenkultur. Die pflegte ein linkes Politikverständnis und setzte sich mit "Trau' keinem über 30" von den Etablierten ab. "Alternative" oder die aufkommende Punk-Bewegung bevorzugten das 1974 eröffnete Eschhaus auf der Niederstraße. Kurz darauf, 1975, eröffnete der Finkenkrug, der eher das studentische Kneipenpublikum anzog. Dagegen war die Disco-Szene eher unpolitisch. Wer in den Scotch Club, ins EX oder ins Bistro ging, wollte sich vergnügen und keine ideologischen Gespräche führen. Jede Szene blieb unter sich.

Die Türsteher des Scotch Club hatten einen strengen Blick bei der Besucherauswahl. Turnschuhe und Pullover waren damals noch ein echtes K.-o.-Kriterium. Es galt der Szene-Spruch: "Sage mir, in welche Disco du gehst und ich sage dir, wer du bist". "Eine aufregende Zeit", meint ein Zeitzeuge im Rückblick. Der heute 67-Jährige jobbte damals im Scotch, um sein Studium zu finanzieren. Motown- und Philly-Sound gehörten zu den angesagten Musikrichtungen. Stroboskop-Lightshows rückten das tanzende Publikum bei "She's crazy like a fool" in magische Lichtblitze. Verstärker- und Mischpulttechnik, Lichtorgel und wummernde Bass-Lautsprecher waren "State of the art", erinnert er sich. Zwischendurch gab es Tanzpausen, in denen der DJ eine Leinwand herabließ und Woody Woodpecker- und Disney-Zeichentrickfilme in englischer Sprache zeigte. Ein echter Renner!

Dann kam es zu einer Zwangspause. Der Betreiber des Scotch Club, Dieter Gertges, investierte nach einem Brand im Jahre 1973, der die komplette Inneneinrichtung des Scotch Club in Schutt und Asche gelegt hatte. Eine lohnende Investition. Die Disco-Branche boomte. 1974 feierten rund 200 Gäste die Neueröffnung mit den Sounds der 70er. "Die beste Musik aus einem goldenen Jahrzehnt", so schwärmen viele ältere Duisburger im Rückblick. Früher war alles besser - besonders die Gelenke.

(RP)