Duisburg: Deutsch-amerikanischer Liebes-Dichter

Duisburg: Deutsch-amerikanischer Liebes-Dichter

Noch selten, aber immer öfter gibt es Lesungen von mehrsprachigen Autoren. Ein besonders interessantes Beispiel gab jetzt in der Zentralbibliothek der 1982 in Boston, Massachusetts als Sohn einer deutschen Mutter und eines amerikanischen Vaters geborene Paul-Henri Campbell.

Sein Vorname verweist zudem auf den französischen Kulturkreis, denn die Vorfahren seines Vaters kamen aus Montréal.

Sowohl sein jüngstes, erstes Prosawerk "meinwahnstraße" als auch seine überwiegend in englischer Sprache verfassten Gedichte weisen ihn als einen jener wahren Dichter aus, bei denen auch die Prosa von tiefster Poesie durchdrungen ist, die in Campbells eigenen Worten aus der Realität "Hieroglyphen und Mythen" macht. Sprachmächtig in zwei Sprachen, verblüfft er durch immer treffenden Ausdruck.

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Wie in aller großen Literatur geht es dabei um Liebe und Tod, vor allem um die Liebe wie sie zwischen Menschen gewonnen, verspielt, verdoppelt, verdreifacht, erneuert oder zum ersten Mal entdeckt wird. Bewundernswert erscheint dabei die tragikomische Balance, denn das größte Geschenk, das ein Mensch einem anderen machen kann, kann bekanntlich auch kläglich scheitern.

Das zeigte sich hier in Ausschnitten aus den acht Erzählungen aus "meinwahnstraße", sei es die brillante Kafka-Parodie "Die Prozedur" über medizinische Willkür oder jener sanft erschütternde Bericht von dem Mann, dessen Frau nach einem Unfall im Krankenhaus stirbt, der entdeckt, dass sie ihn seit langem betrogen hat, was die Beziehung nachträglich verändert, denn eigentlich liebte er viel mehr eine viel früher gleichfalls verstorbene andere Frau, der er die Ehe versprochen hatte. Oder in dem eindeutig zweideutigen erotischen Gedicht an eine 60-Watt-Glühbirne.

(hod)