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Designer-Outlet-Center in Duisburg: Fragen und Antworten

Bauprojekt auf Loveparade-Gelände : Fragen und Antworten zum Designer-Outlet-Center

Duisburg plant ein riesiges Designer-Outlet-Center (DOC) - und das auf dem Gelände der Loveparade-Katastrophe. Der Duisburger Rat entscheidet am Mittwoch, ob für das Einkaufszentrum der Bebauungsplan geändert wird. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Projekt.

Wo soll das Einkaufszentrum genau hinkommen? Das Designer-Outlet-Center (DOC) soll auf einem 30 Hektar großen Areal neben dem Hauptbahnhof entstehen. Es handelt sich um das ehemalige Güterbahnhofgelände südlich der Koloniestraße. Genau hier fand 2010 die Loveparade statt, bei der 21 Menschen bei einer Massenpanik starben.

Wem gehört das Areal? Besitzer des Grundstücks ist Kurt Krieger. Der Berliner Unternehmer ist in der Region vor allem durch seine Höffner-Möbelhäuser in Düsseldorf und Neuss bekannt geworden.

Was soll gebaut werden und welche Waren werden angeboten? Das Zentrum ist nicht im Stil eines Warenhauses geplant, sondern soll "Village"-Charakter haben, also aus einzelnen Häuschen und Plätzen bestehen, so, wie man es aus dem Factory-Outlet-Center in Roermond kennt. Nach Angaben der Stadt soll es das größte Designer-Outlet-Center Deutschlands werden. Geplant ist ein Branchenmix mit bis zu 175 einzelnen Läden. Im Angebot stehen sollen: Bekleidung, Schuhe, Lederwaren, Sportartikel, Glas, Porzellan, Keramik, Hausrat, Wohnungseinrichtungsbedarf, Uhren, Schmuck, Spielwaren, Haus-, Bett- und Tischwäsche. Bei diesen Waren soll es sich um Auslaufmodelle, Restposten und Überproduktionen handeln.

Was muss noch geschehen, damit das Projekt umgesetzt werden kann? Der Duisburger Rat muss einer Änderung des Bebauungsplans zustimmen. Denn als Krieger vor einigen Jahren das Grundstück kaufte, wollte er dort eigentlich ein Möbelzentrum bauen. Doch von diesen Plänen ist der Unternehmer mittlerweile abgerückt und plant stattdessen das DOC. In einem Brief an Duisburgs Oberbürgermeister Sören Link erwähnt er, dass er mit ihm auf der Immobilienmesse Expo-Real in München entsprechende Gespräche geführt habe. Den Mitgliedern des Rates werden am Mittwoch bei einer Sondersitzung dieser Brief vorliegen. Sie werden sich zu dem Antrag Kriegers äußeren, das Bebauungsplanverfahren entsprechend zu ändern.

Als Betreiber des DOC soll das Unternehmen Neinver aus Zweibrücken in Rheinland-Pfalz Interesse bekundet haben. Der Spezialist für Outlet Center betreibt unter anderem auch das "the styles"-Outletcenter in Zweibrücken. Sollte der Rat dem Vorhaben zustimmen — was allgemein erwartet wird — werden anschließend auch die Träger öffentlicher Belange, etwa das Landesumweltamt, die Industrie-Handelskammer und der Einzelhandelsverband, gehört. Im Rahmen eines regionalen Moderationsverfahrens werden unter anderem auch die Nachbarstädte gehört, von denen zum Teil Widerstand zu erwarten ist, weil sie negative Auswirkungen auf ihren eigenen innerstädtischen Handel befürchten.

Was sagen Befürworter und Gegner des Projekts? Das Projekt ist umstritten. Abgesehen von CDU- und SPD-Fraktion, die die Mehrheit haben, wird das Projekt - rund zwei Kilometer Fußweg von der Innenstadt entfernt, von den übrigen im Rat kritisch gesehen. Die Stimmen gegen das Projekt sind zuletzt lauter geworden. Die Kritiker gehen davon, dass ein großes Einkaufszentrum in Innenstadtnähe eine zu große Konkurrenz für die Geschäfte in der City ist. Dieser Annahme zufolge würde die Innenstadt auf Dauer einen Niedergang erleiden. Auch die Industrie- und Handelskammer und der Einzelhandelsverband Niederrhein haben sich schon entsprechend geäußert. Die Kritiker befürchten außerdem, dass Nachbarstädte gegen das Projekt mobil machen könnten. Befürworter bezweifeln, dass das DOC den Innenstadthandel in dem Ausmaße in Gefahr bringt, wie es die Kritiker behaupten. Wer sich in der Innenstadt umschaue, finde viele leerstehende Ladenlokale und Ein-Euro-Shops, hingegen kaum noch niedergesessene Einzelhändler, für die ein DOC vielleicht Konkurrenz sei. Vielmehr sieht man die Chance, die unattraktive Brachfläche am Hauptbahnhof wieder in ein Vorzeigeobjekt der Stadt zu verwandeln. Zudem möchte man sich Investoren nicht verschließen, denn die stünden in Duisburg nicht gerade Schlange.

Wird die Gedenkstätte an der Unterführung in das DOC integriert? Das ist noch völlig unklar. Konkrete Pläne wird es erst geben, wenn das Projekt alle Hürden übersprungen hat.

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