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Duisburg: Der Wunschkandidat

Duisburg : Der Wunschkandidat

Giordano Bellincampi, dirigiert in dieser Woche den Saisonauftakt der Philharmonischen Konzerte. Am 1. September des nächsten Jahres wird der in Dänemark aufgewachsene Römer Nachfolger von Jonathan Darlington.

Das schwarzweiße Pressebild, das bislang von Giordano Bellincampi in Umlauf war, zeigt einen ziemlich ernst blickenden Mann. Die Aufnahme täuscht: Montag beim ersten Pressegespräch mit dem zukünftigen Duisburger Generalmusikdirektor (GMD) konnte man einen humorvollen, menschenfreundlichen und offenen Menschen erleben, der gewiss das Zeug hat, wie sein Vorgänger Jonathan Darlington Sympathieträger für die Duisburger Philharmoniker zu werden. Am Mittwoch und Donnerstag, 7. und 8. September, wird Giordano Bellincampi die beiden Auftaktkonzerte der neuen Saison dirigieren.

War selber Orchestermusiker

Das Programm ist anspruchsvoll, an der Schnittstelle zwischen Romantik und Moderne angesiedelt: Claude Debussy (Prélude à l'après-midi d'un faune), Samuel Barber (Konzert für Violine und Orchester op. 14), Anton Webern (Sechs Stücke für großes Orchester op. 6; Fassung von 1928) und Robert Schumann (Sinfonie Nr. 4 d-Moll op. 120).

Das Programm stand schon fest, als noch nicht feststand, dass Giordano Bellincampi am 1. September 2012 Generalmusikdirektor der Duisburger Philharmoniker wird. Allerdings habe da schon die berechtigte Hoffnung bestanden, dass es der 1965 in Rom geborene, seit 1976 jedoch in Dänemark lebende Vollblutmusiker wird. "Giordano Bellincampi war der Wunschkandidat des Orchesters", versicherte am Montag Intendant Dr. Alfred Wendel.

Die Philharmoniker hatten den Dirigenten bei Produktionen der Rheinoper kennengelernt: "Cavalleria Rusticana/ Pagliacci" und "La Bohème". Weshalb ihn das Orchester unbedingt als Generalmusikdirektor haben wollte, könne er nicht sagen, antwortete Bellincampi gestern schmunzelnd auf eine entsprechende Frage. Aber er habe auch die Empfindung, dass die Chemie zwischen den Orchestermusikern und ihm stimme.

Ein Grund für die gegenseitige Sympathie könnte sein, dass Giordano Bellincampi selber Orchestermusiker war, bevor er sich ganz aufs Dirigieren konzentrierte. Schon als 19-Jähriger spielte er als Posaunist im Royal Danish Orchestra. Sein Debüt als Dirigent im Jahr 1994 war so erfolgreich, dass er schon bald in dieser Funktion ausgebucht war. "Seit fast 15 Jahren steht meine Posaune nun im Schlafzimmer", gestand Bellincampi.

Noch GMD in Århus

Als künftiger Generalmusikdirektor möchte er einen ähnlichen Spagat wie Jonathan Darlington wagen und Altes und Neues verbinden. Von einem Orchester verlangt er, dass es "in der Lage ist, eine Sinfonie von Brahms gut zu spielen".

Für neuere Werke sollten Türen, Ohren, Herz und Verstand geöffnet werden. Er haben großen Respekt vor dem Publikum, "aber noch größeren Respekt vor Robert Schumann, dessen Werk zunächst "wie tot" als Partitur auf dem Pult liegt, dann jedoch im Beisein von rund 3000 Menschen am Mittwoch und Donnerstag "lebendig" werden soll.

Giordano Bellincampi ist noch bis zum Jahr 2013 Generalmusikdirektor der Dänischen Nationaloper Århus; eine Funktion, die er auch noch in seinem ersten Duisburger GMD-Jahr haben wird. Privat lebt er mit seiner Ehefrau (eine Lehrerin), seinen beiden Töchtern (23 und 16 Jahre alt) und seinem Sohn (20) in Kopenhagen.

Seine Kinder liebten zwar Musik, wollen sie aber nicht zu ihrem Beruf machen, verriet Bellincampi, der sich mit den Jahren immer mehr als Italiener denn als Däne fühlt. Bellincampi wuchs zweisprachig auf und spricht recht gut Deutsch.

(RP/rl)