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Streit um Grabstein der Hells Angels: Der tote Junge und die Rocker

Streit um Grabstein der Hells Angels : Der tote Junge und die Rocker

Dominic Taibe starb viel zu früh – mit 17. Als der Junge Hilfe brauchte, gaben sich die Hells Angels als Samariter aus. Jetzt streiten die Mutter und die Kirche darüber, ob der von den Rockern gestiftete Grabstein bleiben darf.

Dominic Taibe starb viel zu früh — mit 17. Als der Junge Hilfe brauchte, gaben sich die Hells Angels als Samariter aus. Jetzt streiten die Mutter und die Kirche darüber, ob der von den Rockern gestiftete Grabstein bleiben darf.

Der Stein, um den sich alles dreht, wirft einen harten Schatten auf Doninics Grab. Die Luft flimmert leicht, die Blumen lechzen in der Mittagshitze nach Wasser. Doch heute wird niemand kommen, um sie zu gießen. Und gestern war auch niemand da. Der Stein und alles, was damit zusammenhängt, hat viel kaputt gemacht. Dominics Mutter, die sonst täglich am Grab ihres Sohnes vorbeischaut, hält Abstand. Ihr wächst die Geschichte mit dem Grabstein über den Kopf. Zumindest das eint Monika Taibe noch mit der Kirchengemeinde St. Michael.

Selo und Dadas trugen den Sarg

Als Dominic starb, im Februar, trugen zwei starke Männer den Sarg. Selo und Dadas werden sie genannt, sie sind Mitglieder der berüchtigten Hells Angels. Dominic kannte die beiden. Ihm gegenüber sind sie stets als Freunde aufgetreten, als Beschützer und hilfsbereite Kumpel. Dominics Onkel, Michael Jülich, spielt mit einigen Rockern in einer Fußballmannschaft. Daher wussten die Höllenengel auch gut darüber Bescheid, wie schlecht es dem Jungen geht.

Dominics Leidensgeschichte reicht bis in seine früheste Kindheit zurück. Schon als Baby litt er unter Ermüdungszuständen, mit fünf wurde er erstmals auf Leukämie untersucht. Doch die richtige Diagnose blieb aus, und Dominic schleppte sich mit dauerhaften Erschöpfungszuständen, Krankheiten und schließlich rätselhaften Hautflecken durchs Leben. Erst im vergangenen Jahr entschlüsselten die Ärzte die Symptome. Dominic hat das Pearsonsyndrom — eine seltene Erbkrankheit, die der Leukämie sehr ähnelt.

Rocker ließen sich typisieren

Als die Therapie immer kostspieliger wird, springen die Hells Angels mit 1200 Euro zur Seite. Als die Familie nach einem Knochenmarkspender sucht, lassen sich die Höllenengel typisieren. "Die haben alles für den Jungen gemacht", sagt Michael Jülich. Das Schlechte der Engel, die kriminelle Seite, über die immer alle reden, ist für Dominics Familie vielleicht nicht greifbar, zumindest aber nicht wichtig. Anderes zählt. Etwa die Geste der Rocker, die den Grabstein spenden wollen.

Den Entwurf des Steins habe sie dem Friedhofsverwalter gezeigt, versichert Monika Taibe. Wörtlich habe der zu ihr gesagt, "dafür brauchen sie keine Genehmigung". Auf Nachfrage will sich der Verwalter nicht äußern, ein echter Vorwurf ist ihm aber auch nicht zu machen. Wer verbindet mit dem Kürzel "Affa" sofort die Hells Angels?

Rechtliche Prüfung

Unschön wird die Geschichte allerdings vor gut zwei Wochen. Nachdem sich eine Besucherin bei der Friedhofsverwaltung über den Schriftzug beschwerte, griff die Verwaltung offenbar zunächst zum Telefonhörer und dann zum Farbeimer. "Im Gespräch haben wir uns noch über eine Umänderung geeinigt. Einen Tag später war der Grabstein schon mit schwarzer Farbe überpinselt", erzählt Taibe. Sie hat die Verwaltung im Verdacht und Anzeige gestellt. Gleichzeitig sucht die Kirchengemeinde nach dem Schulterschluss mit dem Bistum, hat eine rechtliche Prüfung des Grabsteins erbeten.

Ob und wann es eine Lösung gibt, ist derzeit nicht zu beantworten. Monika Taibe wird erst einmal in den Urlaub fahren, "den Kopf durchpusten", wie sie sagt. Dominics Grab wird noch ein bisschen warten müssen.

(RP)