Duisburg: Der teure Ort von Ruhe und Harmonie

Duisburg : Der teure Ort von Ruhe und Harmonie

Der Chinagarten zählt zu den Attraktionen im Duisburger Zoo, auch wenn er sich zurzeit nicht in einem optimalen Zustand befindet. Eine Sanierung wäre wünschenswert, ist aber kaum zu finanzieren.

Seit mehr als 25 Jahren ist der Chinesische Garten ein Ort der Ruhe im sonst eher lebendigen Tierpark am Kaiserberg. Seine Entstehung hat er der Städtepartnerschaft zwischen Duisburg und Wuhan zu verdanken. Angelegt wurde er im Yin-Stil als Wasser- und Hügellandschaft. Ob Gebäude, Pflanzen, Wege oder Wasserfläche — alles folgt einem bestimmten Sinn. So gibt es dort beispielsweise eine Treppe mit unterschiedlich hohen Stufen. Sie symbolisieren den Weg des Menschen durch sein Leben — von ganz mühelos in der Jugend bis beschwerlich im Alter.

Erste Sanierung zwei Jahre nach der Eröffnung kostete 300.000 Mark

Wenn der Zoo darauf verzichtet hat, in diesem Jahr das silberne Garten-Jubiläum zu feiern, dann, weil er nicht wirklich vorzeigbar ist. Das Grün kann aus finanziellen Gründen schon lange nicht mehr so intensiv gepflegt werden, wie es nötig wäre. Und etliche Gebäude oder Gebäudeteile sind sanierungsbedürftig — sei es, weil der Zahn der Zeit an ihnen genagt hat, sei es, weil die damals ausgewählten Baumaterialien nicht fachgerecht verarbeitet wurden. Dieses Problem stellte sich schon zwei Jahre nach der Eröffnung. Damals muste die Stadt rund 300.000 Mark in die Sanierung des Geschenkes stecken.

Die Stadtspitze, die selbst im Zoo-Aufsichtsrat sitzt, kennt die aktuellen Probleme nur zu gut. Aber angesichts der angespannten Haushaltslage Sanierungskosten in vielleicht siebenstelligem Bereich zu übernehmen, kann sie nicht verantworten.

Vor wenigen Wochen reiste eine Delegation aus Duisburg in die chinesische Partnerstadt und brachte wie berichtet die erfreuliche Nachricht mit, dass die Stadt Wuhan helfen will. In welchen Rahmen und mit welchen Summen — das ist allerdings völlig offen. Denkbar wäre es beispielsweise, dass der Zoo Duisburg dem in Wuhan neue Tiere zur Verfügung stellt und im Gegenzug der Garten saniert wird. Allerdings ist aus der damals vereinbarten Zusammenarbeit der beiden Tiergärten nie etwas geworden.

Internationale Kooperationen sind schwierig

Ein Grund dafür ist vermutlich, dass Wuhan nicht Mitglied der weltweiten Zoogemeinschaft WAZA ist, was eine internationale Kooperation erschwert. Darüber hinaus kann der Zoo Duisburg nicht einfach Tiere abgeben. Darüber entscheiden die jeweiligen Zuchtbuchführer, die einem solchen Transfer nur zustimmen, wenn für die Tiere am neuen Ort optimale Pflege- und Haltungsbedingungen bestehen. Interesse hätten die dortigen Tierparkbetreiber sicherlich an der einen oder anderen Art.

Fossas und Pinselohrschweine beispielsweise haben die Wuhaner nicht. Auch Riesenotter, Fischkatzen, Varis, Gibbons und Davidhirsche würden den Bestand des Wuhaner Zoos bereichern.

Im Chinagarten am Kaiserberg müsste beispielsweise der (Folien-) Teich "entschlammt" werden, wobei keiner derzeit weiß, ob die Folie hält, wenn das Wasser abgelassen wird. Zudem steht die Frage im Raum, ob es nicht Sinne macht, den heute 2000 Quadratmeter großen Wasseranteil zu verkleinern. So ließe sich Fläche gewinnen, um neben den bereits vorhandenen weitere Tierarten dort zu zeigen.

Bitten unsere Stadtverantwortlichen ihre Wuhaner Partner, den Garten im Zoo auf deren Kosten "aufzuwerten" oder gar neu aufzubauen, werden sie wohl die unangenehme Frage beantworten müssen, warum Duisburg die Anlage derart hat verkommen lassen und vielleicht auch, wie sie künftig mit diesem Ort der Ruhe und Harmonie umgehen wollen.

(RP)
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