Unsere Woche: Der Schrecken hat zwei Seiten

Unsere Woche: Der Schrecken hat zwei Seiten

Vor 30 Jahren hielt die Geiselnahme von Gladbeck die Republik drei Tage lang in Atem. Drei Menschen kamen ums Leben. Das Fernsehen übertrug zum Teil live das Geschehen, das so tragisch endete. In dieser Woche sendete das Fernsehen einen zweiteiligen dokumentarischen Spielfilm über das Geiseldrama. Bekanntlich wurden einige Szenen vor zwei Jahren in der Duisburger Fußgängerzone an der Münzstraße gedreht, deren leerstehende Ladenlokale zu Filmkulissen wurden. Damals zeigte sich die Stadtspitze froh darüber, Duisburg als Filmstadt vermarkten zu können. Angesichts der Furchtbarkeit des Filmstoffs eine zweifelhafte Freude, obgleich der Film gewiss sehenswert ist.

"Nie wieder Krieg?" heißt das Motto der diesjährigen Akzente, die nun Halbzeit haben. Da verdienen die Akteure und Organisatoren größtes Lob. Im Stadttheater ist ein beachtliches Schauspieltreffen zu erleben, wobei in diesem Jahr nicht nur die Gastspiele bedeutender deutschsprachiger Bühnen Akzente-Beiträge liefern, sondern auch Eigenproduktionen unseres Stadttheaters. Das Thema selber ist natürlich keines, das Freude bereiten soll. Das Fragezeichen hinter der pazifistischen Losung, das obendrein auch noch wie eine Bombe aussieht, zeigt den Ernst des Anliegens. Bei dem Auftaktstück der Akzente, der Bühnenfassung des berühmten Antikriegsromans von Remarque "Im Westen nichts Neues", zeigte sich besonders deutlich der Zwiespalt: Der Inhalt des Schauspiels ist erschütternd, die Umsetzung auf der Bühne verdient größtes Lob. Auch hier hat der Schrecken zwei Seiten.

peter.klucken@rheinische-post.de

(RP)