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Duisburg: Der "Ruhr-Stein" des Anstoßes

Duisburg : Der "Ruhr-Stein" des Anstoßes

Der Künstler Frank Breidenbruch will gemeinsam mit dem Verein für Jugendhilfe und engagierten jungen Menschen eine Brunnen-Skulptur für Homberg verwirklichen.

Am Anfang stand eine Zufallsbekanntschaft: Ralf Maurer, Gründer und Chef des Vereins für Jugendhilfe und Soziales, saß eines Sonntags vor seinem Ladenlokal in der Sonne, als der Künstler Frank Breidenbruch des Weges kam. Den Wuppertaler Bildhauer hatte seine angeknackste Gesundheit und eine Behandlung im St. Johannes-Stift nach Homberg verschlagen. Die beiden Männer kamen ins Gespräch. Sie verstanden sich, fanden einen gemeinsamen Nenner - am nächsten Tag schaute der Künstler nochmal im Jugendtreff an der Augustastraße vorbei.

Inzwischen ist Frank Breidenbruch in Italien - aber die Zeit reichte aus, um ein Projekt auszuhecken. "Ruhr-Stein" heißt es, ist angesiedelt zwischen Kultur und Sozialarbeit. Gemeinsam mit Jugendlichen, die der Verein betreut, soll im Rahmen eines kostenlosen Bildhauerkurses eine Brunnen-Skulptur entstehen. Jetzt hoffen Maurer und Breidenbruch auf die Unterstützung der Politik.

In einigen Tagen kehrt Breidenbruch aus der Toskana zurück, wo er aktuell arbeitet und will dann wieder nach Homberg kommen. Er lud sogar ein paar junge Leute nach Italien ein, berichtet Maurer. "Also die Jungs sind total happy."

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Auch bei anderen im Viertel stieß die Idee von der selbstgemachten Kunst im öffentlichen Raum auf offene Ohren. So erklärte sich der Steinmetz-Betrieb Ralf Pauschert bereit, Material zur Verfügung zu stellen. "Das Projekt dient der Veränderung des Homberger Stadtbildes und der daraus resultierenden Veränderung des sozialen Verhaltens", lässt sich Bildhauer Breidenbruch zitieren. Maurer sagt es anders. "Der fand unsere Arbeit einfach gut." Aktionsraum wird ein Gelände schräg gegenüber des Ladenlokals an der Augustastraße sein. Auch hierfür fanden die jungen Künstler in spe Unterstützung. Bis das Grundstück bebaut wird, hat ihnen die Immobilienfirma erlaubt, dort zu werkeln.

Im Raum steht die Idee eines Brunnens in Form einer Hand, durch die Wasser fließt, berichtet Maurer. Jetzt hofft er, dass auch die örtliche Politik mit am Strang zieht und den jungen Leuten bestenfalls einen Platz für das Kunstwerk zur Verfügung stellen wird. Eine Anfrage an Hombergs Bezirksbürgermeister Hans-Joachim Paschmann ist auf dem Wege.

Die Skulptur soll aus Speckstein entstehen. Da der zum Üben aber zu teuer ist, werden die jungen Leute zunächst Kalk- und Sandsteine bearbeiten. Wenn alles klappt, startet der Workshop in zwei, drei Wochen - mitmachen können drei Gruppen von jeweils vier Teilnehmern, also zwölf Jugendliche. Vereinsziel ist es, junge Leute, die auf die schiefe Bahn geraten sind, wieder auf den rechten Weg zu bringen, fasst Maurer zusammen, "eine Aufgabe wie diese kann dazu beitragen."

Vor rund einem Jahr ging er mit seinem Hilfsangebot an den Start - inzwischen haben sich er und sein Team einige Akzeptanz im Viertel erarbeitet. Das Ladenlokal an der Augustastraße 56 ist offen für alle - in den kalten Nächten des vergangenen Winters nahm Maurer auch Obdachlose dort auf.

Er versteht sein Angebot inzwischen als Stadtteilbüro, "bei uns ist jeder willkommen." Junge Leute kommen, wenn sie Ärger mit der Arge oder anderen Ämtern haben - oder auch nur, um einen Kaffee zu trinken und ein bisschen zu reden. Zu "zehn bis 15", schätzt Maurer, hat der Verein dauerhaft Kontakt. Bürger melden sich, wenn sie Hilfe bei kleineren Aufgaben in Haus oder Garten brauchen - dann vermittelt Maurer jemanden; einige Jugendliche leisten bei ihm Sozialstunden ab. Sie übernehmen auch gemeinnützige Arbeiten. Der Verein bietet Unterstützung bei Behördengängen und Arztbesuchen, er hilft beim Ausfüllen von Formularen und Anträgen. Mittlerweile werden auch immer mehr Rentner an der Augustastraße vorstellig, erzählt Maurer. Neu ist die Zusammenarbeit mit einem Rechtsanwalt, der alle 14 Tage vor Ort berät.

Ganz besonders aber freut sich Maurer über die Hilfsbereitschaft der Homberger. Ein Ehepaar in der Nachbarschaft bringt regelmäßig Essen für alle vorbei, ein italienischer Gastronom kocht mit den Jugendlichen. Für Maurer die schönste Anerkennung.

(RP)