Duisburg Der Maßschneider für Rahmen

Duisburg · Jörg Liestmann feiert am kommenden Samstag das 20-jährige Bestehen seiner Rahmenwerkstatt. Der Vergoldermeister und Rahmenmacher kann sich an viel aus den vergangenen zwei Jahrzehnten erinnern.

Vor 20 Jahren eröffnete Jörg Liestmann in Huckingen an der Düsseldorfer Landstraße 390 seine Rahmenmachwerkstatt. Seitdem hat sich viel verändert, so der 50-Jährige, der am kommenden Samstag, 4. September, das 20-jährige Bestehen der Werkstatt mit einer Vernissage feiern wird. "Damals war alles schon ein wenig anders als heute", erinnert sich der Vergoldermeister und Rahmenmacher.

Rund um das Haus waren noch Felder angelegt, der Blick auf das Land war frei. Heute stehen dort Einfamilienhäuser, die Siedlung Angebogen ist dort in den vergangenen zwei Jahrzehnten entstanden. Aber auch das Arbeiten hat sich für Liestmann verändert. "Damals gab es Zeiten, da habe ich überlegen müssen, ob ich für mein Kind Babynahrung oder Leisten für die Bilderrahmen kaufen kann. Heute ist das zum Glück anders."

Beruf ist Berufung

Einen Kundenstamm von rund 100 Auftraggebern, die immer mal wieder die heimelige Werkstatt mit angeschlossener Galerie besuchen (diese existiert seit 2008), sichert dem Kunsthandwerker sein Einkommen. Und diese treuen Kunden sind auch der Grund, warum der Rahmenmacher seinen Beruf als Berufung sieht. "Viele sind einfach überrascht, wenn sie ihr Bild abholen und meinen, dass sei gar nicht dasselbe Bild. Dann muss ich sie erst einmal aufklären, dass es sich nur um die richtige Präsentation handelt", so Liestmann schmunzelnd. Und genau diese richtige Präsentation mache ihm seitdem er diesen Beruf vor rund 30 Jahren ergriffen habe, "unheimlich viel Spaß".

Doch zu seinen Kunden würden nicht nur die alteingesessenen Kunstliebhaber gehören. "Auch HKM-Mitarbeiter kommen vorbei, um beispielsweise ihre Familienfotos rahmen zu lassen." Aber auch ein Bild des Hundes oder ein Kinderbild hat Liestman schon gerahmt. Einige Rahmen gehen ihm bis heute nicht aus dem Kopf. So auch der, den er als Ersatz für ein Rokoko -Bild des Malers Jean-Honoré Fragonard angefertigt hat. Dafür hat er sein eigenes Meisterstück kopiert. "Damals wurde das Gemälde von der Kunsthalle Hamburg nach Venedig ausgeliehen. Der alte Rahmen war aber schon ziemlich marode. Damit er nicht kaputt geht, habe ich einen neuen Rahmen angefertigt", berichtet der Vergoldermeister. Doch als das Bild nach Hamburg zurück kam, enbrannte eine Diskussion, welcher Rahmen jetzt zum Bild besser passen würde. Die Museumsleitung entschied sich. beide Rahmen zu nutzen. Seitdem ziert in Hamburg der Originalrahmen das Bild, Liestmanns Rahmen steht davor auf einem Sockel. So kann auch der Rahmen als Kunstwerk angeshen werden.

Liestmann vergleicht sich aber selber nicht gerne mit einem Künstler oder einem Instrumentbauer, sondern vielmehr als Maßschneider für Bilder. "Was ich mache, ist Kunsthandwerk", so sagt er.

(RP)