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Der Literaturverein veranstaltet Lesungen in Duisburg

Lesungen in Duisburg : Der Literaturverein meldet sich zurück

Neun höchst unterschiedliche, aber durchweg attraktive Lesungen wird es von September bis Februar 2022 in der Zentralbibliothek geben. Wegen Corona sind jeweils nur 76 Zuhörer erlaubt.

Nach dem langen Lockdown wagt der Verein für Literatur wieder einen Neubeginn. Neun höchst unterschiedliche, aber durchweg attraktive Lesungen sind von September bis Februar 2022 in der Zentralbibliothek geplant. Am Dienstag stellten Volksbank-Chef Thomas Diederichs als Vorsitzender des Literaturvereins und Bibliotheksdirektor Jan-Pieter Barbian als dessen Geschäftsführer das Programm vor. Einige Lesungen, die für die vorige Saison geplant waren aber wegen der Pandemie abgesagt werden mussten, werden nun nachgeholt.

Der Schauspieler und Regisseur Rupert Seidl präsentiert (bei Seidl bloß von „lesen“ zu sprechen, wäre zu wenig) als Auftakt Hans Magnus Enzensberger eigenwillige und sehr intelligente Auseinandersetzung mit der bekanntesten Schiffskatastrophe der Welt: „Der Untergang der Titanic.“ Enzensberger legt in seinem Buch, das auch für die Bühne adaptiert wurde, den Focus auf die sozialen Aspekte. Bezeichnend ist, so Barbian bei der Vorstellung des Titanic-Abends, dass am 15. April 1912 sämtliche Passagiere der vierten Klasse ums Leben kamen, während Passagiere der besseren Kategorien häufig gerettet wurden.

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Eine literarische Entdeckung kann man 24. September erleben. Die Schauspieler Carsten Bender und Walter Gödden stellen Werke der hierzulande nahezu unbekannten jüdischen Autorin Jenny Aloni (1917 bis 1993) vor, die von Fachleuten für die bedeutendste deutschsprachige Schriftstellerin ihrer Generation in Israel gehalten wird. Wohlgemerkt: Jenny Aloni schrieb ihre Lyrik und Prosa auf Deutsch, obwohl sie in Israel lebte und obwohl viele Mitglieder ihrer Familie von den Nazis ermordet wurden. Der Abend steht unter dem Motto: „Um zu erleben, was Geschichte ist, muss man Jude sein.“ Die Lesung findet im Rahmen des Festjahrs „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ statt.

 Am 8. Oktober holt Christian Brückner seine Celan-Rezitation nach.
Am 8. Oktober holt Christian Brückner seine Celan-Rezitation nach. Foto: Literaturverein

Gleich zwei geplante Lesungen mit Frank Goosen mussten in den vergangenen Monaten wegen Corona abgesagt werden. Doch diesmal sollte es klappen. Goosen liest am 28. September aus seinem jüngsten Buch „Sweet Dreams – Rücksturz in die Achtziger“. Goosen blickt da mit viel Humor, bisweilen auch Erstaunen, auf die achtziger Jahre zurück.

Am 8. Oktober holt Christian Brückner seine Celan-Rezitation nach, die für 2020 geplant war, dem Jahr, als man an den 100. Geburtstag beziehungsweise den 50. Todestag des bedeutenden deutschen Lyrikers dachte. Brückner ist ein Kenner des vielschichtigen Werks von Paul Celan; viele seiner Gedichte hat er auf CD eingesprochen und sie allein durch seinen Vortrag interpretiert und verständlicher gemacht.

 Dr. Jan-Pieter Barbian (l.) und Thomas Diederichs vom Literaturverein freuen sich, dass die Lesungen beginnen.
Dr. Jan-Pieter Barbian (l.) und Thomas Diederichs vom Literaturverein freuen sich, dass die Lesungen beginnen. Foto: Peter Klucken

Volker Hage, 1949 in Hamburg geboren, war einer der bekanntesten Literaturkritiker Deutschlands. Erst im Alter von 56 Jahren begann er, Romane zu schreiben. Und das mit Erfolg. Am 21. Oktober stellt er seinen biografischen Roman „Des Lebens fünfter Akt“, vor, bei dem es um die letzten Lebensjahre von Arthur Schnitzler (1862 bis 1931) geht. Der 21. Oktober ist der 90. Todestag von Schnitzer.

John von Düffel wird immer wieder gern in Duisburg gesehen und gehört. Am 24. November liest er aus seinem jüngsten, während der Corona-Pandemie geschriebenen Buch vor. „Die Wütenden und die Schuldigen“ heißt der Roman, eine komplexe Familiengeschichte aus unserer Gegenwart.

 Rupert Seidl präsentiert Hans Magnus Enzensbergers  „Der Untergang der Titanic.“
Rupert Seidl präsentiert Hans Magnus Enzensbergers  „Der Untergang der Titanic.“ Foto: Dieker, Klaus (kdi)

Am 11. Dezember holt Suzanne von Borsody ihre für 2020 geplante Weihnachtslesung nach. Auf dem Programm steht Elke Heidenreichs Geschichte „Erika oder Der verborgene Sinn des Lebens“. Die Lesung, die ausnahmsweise schon um 18 Uhr beginnt (statt wie sonst um 20 Uhr), wird vom „Ensemble del Arte“ musikalisch begleitet.

Elisabeth Edl zählt zu den herausragenden Übersetzerinnen aus dem Französischen. Am 17. Januar stellt sie persönlich ihre Übersetzungen des Literaturnobelpreisträgers des Jahres 2014, Patrick Modiano (Jahrgang 1945), vor. Außerdem liest sie aus ihren jüngsten Übersetzungen von Gustave Flaubert (1821 bis 1880).

Heiter klingt das Literaturprogramm am 14. Februar 2022, dem Valentinstag, aus. Jan Weiler holt seine für Februar 2021 geplante Lesung „Die Ältern“ nach. Gemeint ist, dass die Eltern 52 Jahre alt sind, sich wie 32 fühlen, aber von ihren Kindern wie 92-Jährige behandelt werden.