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Duisburg: Der letzte Arbeitstag in der Bezirksbibliothek

Duisburg : Der letzte Arbeitstag in der Bezirksbibliothek

Knapp 17 Jahre lang leitete Wolfgang Eilers die Bezirksbibliothek Rheinhausen und baute sie zu einem kulturellen Zentrum aus. Heute verabschiedet sich der 62-Jährige von seinen Mitarbeitern.

Wer an eine Bibliothek denkt, hat vor allem eines vor Augen: Bücher. Vielleicht auch noch ein paar DVDs, Hörspiele oder Musik-CDs. Das alles bekommt man selbstverständlich in der Bezirksbibliothek Rheinhausen. Aber die meisten Menschen im Stadtteil verbinden mit dem Haus an der Händelstraße noch etwas ganz anderes: Ausstellungen, Lesungen — und Konzerte.

Pop, Rock, Swing, Jazz, Klezmer, Latin — Künstler verschiedenster Richtungen gaben sich hier in den vergangenen Jahren die Klinke in die Hand. Weil Wolfgang Eilers viel getan hat, was in seiner "Jobbeschreibung" so bestimmt nicht steht. Er hat die Bibliothek zu einem kulturellen Zentrum ausgebaut. Das werden wohl die meisten Rheinhauser mit dem 62-Jährigen verbinden, der sich heute nach knapp 17 Jahren als Leiter der Bezirksbibliothek in die passive Phase der Altersteilzeit verabschiedet.

Dabei will Eilers gar nicht, dass die Menschen sich nur an die vielen kulturellen Veranstaltungen zurückerinnern, wenn sie künftig seinen Namen hören. "Ich habe von Anfang an versucht, das Haus auch inhaltlich weiterzuentwickeln. Die Bibliothek sieht heute ganz anders aus", sagt er.

Unter seiner Leitung wurde die Erwachsenenbibliothek komplett erneuert, der Jugendbereich neu konzipiert, ein Schülercenter integriert. Dieser Medienbereich mit unterrichtsbegleitendem Material für Schüler war der erste seiner Art in Duisburg und wurde nach erfolgreicher Pilotphase in Rheinhausen auch in anderen Stadtteilbibliotheken eingerichtet. Genauso wie das System der Selbstverbuchung, das Eilers als Erster einführte. "Die anfängliche Skepsis der Kunden verflog schnell, als sie die Vorteile für sich entdeckten", erinnert sich Eilers: "Keine langen Schlangen mehr bei der Ausleihe. Zudem ist das Ganze anonymer. Die Leute schätzen das. Das zeigt sich an den deutlich gestiegenen Ausleihzahlen."

Eilers etablierte in Rheinhausen zudem das aus Landesmitteln mitfinanzierte Seniorenprojekt "Generation 60 plus". "Wir wollten keinen abgeschotteten Seniorenbereich einrichten, sondern vielmehr die gesamte Bibliothek seniorengerecht gestalten", so der 62-Jährige. Er und seine Mitarbeiter verbesserten die Aufenthaltsqualität, schafften viele Bücher in Großdruck an und zu Themen, die Senioren besonders interessieren; und sie sorgten dafür, dass sich vor allem ältere Menschen im Haus besser orientieren können.

Eilers erinnert sich aber auch an Neuerungen, die erst mal nicht so gut ankamen. So sorgte er etwa für Unmut, als er die Romane nach Genres sortieren ließ. Oder als er bestimmte, dass Taschenbücher und gebundene Ausgaben zusammengelegt werden. "Damit habe ich mich anfangs nicht sehr beliebt gemacht", sagt Eilers lächelnd. "Das war man so nicht gewohnt. Da gab es schon einige Beschwerden."

Nichtsdestotrotz: Zurückblickend kann Wolfgang Eilers, der mit Sicherheit in der Duisburger Bibliothekswelt schon viel herumgekommen ist, mit Bestimmtheit sagen: "In Rheinhausen habe ich mich am wohlsten gefühlt. Die Möglichkeiten, die dieses Haus bietet, hat man sonst nirgendwo."

Und wie sieht er seine Zukunft? "Ich war bis zum Schluss sehr eingespannt hier. Da hatte ich noch gar nicht die Zeit, mir viel zu überlegen." Nur so viel: Im Januar macht er Urlaub auf Lanzarote. Überhaupt will er mit seiner Frau viel verreisen. Und er möchte mehr lesen und öfter mal ins Kino gehen. Und dann warten zu Hause in Mülheim noch tausende Dias darauf, digitalisiert zu werden. "Untätig will ich auf keinen Fall sein", so der 62-Jährige. "Das kann ich gar nicht. Ich brauche eine sinnvolle Beschäftigung."

(RP/rl)