Duisburg Der Junge mit göttlichem Geigenton

Duisburg · Wie gut, wenn man jedes Jahr gleich Erfreuliches berichten kann. Das Open Air Sommer-Proms-Konzert der Duisburger Philharmoniker ist schon eine schöne Tradition geworden, mehr noch: ein spaßiges Ritual. Fast überflüssig zu betonen, dass auch die diesjährige Ausgabe, diesmal im Rahmen der Kanu-Weltmeisterschaft und zu Beginn statt am Ende der Spielzeit, ein Riesen-Erfolg war. Obwohl erstmals Eintritt genommen wurde, blieb auf der Kanu-WM-Plaza zwischen Regattabahn und MSV-Arena wieder kein Platz frei.

Und wir können uns nur wiederholen: Tausende von Menschen feierten auch diesmal „ihr“ Orchester, auch solche, die man sonst nicht in den Philharmonischen Konzerten sieht. Die Musiker griffen keineswegs zum groben Pinsel, sondern gaben wie immer ihr Bestes. Wohltönend und punktgenau, also einfach erstklassig dirigiert sowie launig moderiert von dem amtierenden Hagener Generalmusikdirektor Antony Hermus. Der Holländer („Was lachen Sie??“) widmete die Aufführung der Ouvertüre zu Wagners Oper „Der fliegende Holländer“ ausdrücklich „den Holländern, die bei der Kanu-WM dabei sind“.

Als Holländer in Deutschland habe man es nicht immer leicht, meinte Hermus. Da müsse man sich oft Witze anhören wie den folgenden: „Was passiert in Deutschland, wenn man dreimal durch die Führerscheinprüfung fällt? Dann wird das Nummernschild gelb.“ Den Straußschen Donau-Walzer sagte er an mit den Worten: „Wie bei meinem Landsgenossen André, vom Johann. Für Kenner: in D-Dur, für Nicht-Kenner: auch.“

Zur Kenntnis genommen wurde außerdem die Uraufführung einer schmalzigen Duisburg-Hymne von Frank Graczyk, gesungen von Benny Martell, Duisburgs verhindertem Superstar. Da gab es weit mehr Beifall für David Garrett, den jungen Solisten mit der Baseball-Kappe und dem göttlichen Geigenton – ob in der wahrhaft klassischen Beethoven-Romanze F-Dur, den irre virtuosen „Zigeunerweisen“ von Sarasate oder seinem eigenen Arrangement der Vorzeige-Rockballade „Nothing else matters“ der Metal- und Trash Metal-Band Metallica. Zumal der Deutsch-Amerikaner angenehm bescheiden herüberkam.

Obligatorisch für ein Proms-Konzert schließlich die Zugabe: Elgars Marsch „Pomp and circumstance No. 1“, wobei zum sanglichen Mittelteil („Land of hope and glory“) die scherzhafte Schlagzeuger-Fraktion der Philharmoniker die Kanu-Strohhüte aufsetzte und Wunderkerzen schwenkte.

(RP)