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Duisburg: "Der Butt" von Grass als Symbol des Patriarchats

Duisburg : "Der Butt" von Grass als Symbol des Patriarchats

Genau am 90. Geburtstag des Literatur-Nobelpreisträgers Günter Grass (1927-2015) erinnerte der Verein für Literatur jetzt in der Zentralbibliothek an den "Butt", Grass' zweitbekanntesten Roman nach der "Blechtrommel", erschienen vor 40 Jahren. Auf über 700 Seiten entfaltet der Autor darin ein Panorama der Weltgeschichte an der Weichselmündung, wo seine Geburtsstadt Danzig liegt, von der Jungsteinzeit bis zu dem blutig niedergeschlagenen Streik auf der Danziger Lenin-Werft 1970. In neun "Büchern" (Kapiteln), entsprechend den neun Monaten einer Schwangerschaft, wird anhand des Grimmschen Märchens "Vom Fischer un syner Fru" die vom männlichen Geist und patriarchalischer Macht bestimmte Entwicklung der Menschheit neu aufgerollt und vor ein feministisches Tribunal gebracht. Der Butt als Berater hatte die Welt an den Abgrund geführt. Es geht auch um Sinnlichkeit, vor allem ums Essen - der berühmte Anfang des Romans lautet wie folgt: "Ilsebill salzte nach. Bevor gezeugt wurde, gab es Hammelschulter zu Bohnen und Birnen". Der bewährte Führer durch ein Meisterwerk der Weltliteratur war hier Hanjo Kesting, geboren 1943 und aufgewachsen in Duisburg, langjähriger Leiter der Hauptredaktion "Kulturelles Wort" beim NDR und inzwischen Vorsitzender der Günter Grass-Medienstiftung in Bremen. Er schlug Verständnis-Schneisen durch den komplexen Aufbau des Romans. Nach zwei pausenlosen Stunden war es dann aber auch genug. Wobei sich Kesting sinnvoll und nahtlos abwechselte mit dem 1954 in Hannover geborenen Schauspieler Markus Boysen, der den saftigsten Passagen kurzweilige Klangfarben verlieh. Besonders deutlich wurde wieder einmal, wie Grass den verschiedenen Geschichtsepochen charakteristische Stilelemente gab, nicht ohne den einen oder anderen augenzwinkernden Anachronismus, vor allem bevorzugte er die Zeit des Dreißigjährigen Krieges.

Als nächste Veranstaltung vom Verein für Literatur liest Iris Radisch am Mittwoch, 25. Oktober, um 20 Uhr, in der Zentralbibliothek aus ihrem neuen Buch "Warum die Franzosen so gute Bücher schreiben". Der Eintritt kostet sieben Euro, im Vorverkauf sechs Euro.

(hod)