Duisburg: Der bislang beste GMD-Kandidat

Duisburg: Der bislang beste GMD-Kandidat

Gastdirigent im jüngsten, zehnten Philharmonischen Konzert in der gut gefüllten Philharmonie Mercatorhalle war der junge Israeli Benjamin Shwartz. Boris Giltburg beendete seine Saison als "Artist in Residence" (Gastkünstler).

Der Pianist Boris Giltburg, geboren 1984 in Moskau und aufgewachsen in Israel, beendete mit diesem Auftritt seine Saison 2017/18 als Duisburgs "Artist in Residence" (Gastkünstler). Auf dem Programm stand sein Leib- und Magenstück, das beliebte und teils elegisch-pathetische, teils humoristische Konzert für Klavier und Orchester Nr. 2 c-Moll op. 18 (1900/01) von Sergej Rachmaninow. Er bewältigte die enormen virtuosen und ausdrucksvollen Anforderungen dieser Komposition, er spielte sie weitgehend klar und doch mitreißend. Da lässt sich nur über Details diskutieren, zum Beispiel beim Zusammenspiel mit dem Orchester.

Der junge Israeli Benjamin Shwartz gilt als heißer Kandidat für die Duisburger GMD-Nachfolge - Philharmoniker-Intendant Prof. Dr. Alfred Wendel bezeichnete ihn gegenüber der Presse gar als einen Favoriten. Klug rahmte der Gastdirigent jetzt mit zwei filigranen und brillanten Werken, mit denen ein Orchester und eben ein Dirigent zeigen können, was sie draufhaben. Zudem haben beide Verbindungen zum zweiten Rachmaninow-Konzert: Die Uraufführung des Scherzo fantastique op. 3 "Der Bienenflug" (1907/08) von Igor Strawinsky dirigierte gleichfalls Alexander Siloti, Béla Bartók überwand mit seinem ebenfalls beliebten Konzert für Orchester Sz 116 (1943) gleichfalls eine Schaffenskrise. "Der Bienenflug" zeigt noch Anklänge an Richard Wagner, Claude Debussy und Paul Dukas sowie an Strawinskys Lehrer, den "Hummelflug"-Komponisten Nikolai Rimski-Korsakow, ist aber zugleich eines seiner ersten durchaus persönlichen Werke.

Instrumentiert ist es ohne schweres Blech, dafür mit Celesta und nicht weniger als drei Harfen. Das Konzert für Orchester ist dagegen ein Klassiker der Moderne. Benjamin Shwartz entlockte den Duisburger Philharmonikern einen Farbenrausch. Schade nur, dass er bei Strawinsky und Rachmaninow noch nicht jedes Motiv verdeutlichen und mit seiner Planung der Lautstärke-Relationen überzeugen konnte. Der Abend erreichte sein eigentliches Niveau ohnehin erst mit der fast perfekten Bartók-Aufführung. Leider wirkte ausgerechnet der emotionale Kern der Komposition, der Mitteil im zentralen Satz "Elegia", nicht so bedrohlich wie vom Komponisten beabsichtigt. Immerhin haben wir hier den bislang besten jener Gastdirigenten erlebt, die sich um den Posten als Duisburger GMD ab September 2019 bewerben.

  • Duisburg : Gastkünstler stellt sich im Kammerkonzert vor

Boris Giltburg kommt in der kommenden Spielzeit 2019/19 noch einmal wieder und spielt in einem "Kammerkonzert Extra" sämtliche 24 Préludes von Rachmaninow.

Und der nächste heiße GMD-Kandidat dirigiert das nächste, elfte Philharmonische Konzert am 6. und 7. Juni, jeweils um 20 Uhr. Der in Duisburg geborene Weltklassegeiger Frank Peter Zimmermann ist der Solist in der Kammermusik Nr. 4 für Violine und größeres Kammerorchester op. 36 Nr. 3 von Paul Hindemith und der Fantasie für Violine und Orchester C-Dur op. 131 von Robert Schumann, der Schweizer Christoph-Mathias Mueller rahmt mit der Fantasie f-Moll D 940 von Franz Schubert in der Orchesterfassung von Felix Mottl und der Sinfonie Nr. 104 D-Dur von Joseph Haydn.

Karten gibt es am einfachsten im Internet unter karten@theater-duisburg.de per Mail.

(hod)