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Duisburg: Datenklau bei Popstars

Duisburg : Datenklau bei Popstars

Der Prozess gegen einen 18-jährigen Duisburger und einen 23-jährigen Mann aus Wesel wegen Computer-Hacking bei internationalen Popstars beginnt am kommenden Donnerstag. Der 18-Jährige soll rückfällig geworden sein.

Die "Opfer" lesen sich wie das Who is who der aktuellen Pop-Charts: Lady Gaga, Justin Timberlake, Leona Lewis, Mariah Carey, Kelly Clarkson oder Kesha. Den beiden Hackern wird vorgeworfen, in 130 Fällen gegen das Urheberrechtsgesetz verstoßen zu haben, 98 Mal wird ihnen das Ausspähen von Daten zur Last gelegt.

Den beiden Angeklagten gelang es, Computer der Musikindustrie zu knacken und an E-Mail- und Datenzugänge zu gelangen. Der Download-Markt mit Musik im Internet ist ein Riesengeschäft, denn mit bisher unveröffentlichten Songs von Stars wie Lady Gaga lässt sich im Internet offensichtlich viel Geld verdienen: Mehr als 15 000 Euro sollen die beiden nach Angaben der Staatsanwaltschaft kassiert haben. Sie verkauften die Lieder oder boten sie gegen Gebühren zum Download an. Wenn sich das Jugendschöffengericht des Amtsgericht am Donnerstag mit den Vorfällen beschäftigt, ist ein bundesweites Medieninteresse sicher. Die prominenten "Opfer" der Hacker sorgen für große Aufmerksamkeit. Der Prozess selbst wird aber wohl bei weitem nicht so spektakulär wie allgemein erwartet.

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Ein Verhandlungstag

"Es ist zunächst nur ein Verhandlungstag angesetzt", erklärte gestern Dr. Rolf Rausch, Pressesprecher des Duisburger Amtsgerichts. So werden auch keine internationalen Stars wie Mariah Carey oder Lady Gaga über die Gerichtsflure stolzieren: Lediglich ein Polizeibeamter soll im Zeugenstand vernommen werden. Dabei wäre Lady Gaga durchaus nicht zum ersten Mal in Duisburg: Im Mai 2010 war der Paradiesvogel der Popmusik für eine Fotosession mit dem renommierten Fotografen Wolfgang Tillmans im Wilhelm Lehmbruck Museum. Tillmans fertigte damals Porträts von Lady Gaga für Ausstellungen sowie ein Buch. Abends sang sie dann bei einem Auftritt in der Oberhausener König Pilsener Arena. Der Verteidiger des Duisburgers, Anwalt Burkhard Benecken, hatte zunächst erklärt, sein Mandant wolle sich im Gericht persönlich bei den Stars entschuldigen.

Eine große Öffentlichkeit scheint den Angeklagten durchaus recht zu sein: Mit einem privaten freizügigen Foto von Kesha, das sich einer der Angeklagten illegal von einem privaten PC heruntergeladen hatte, sollte die Sängerin erpresst werden. Der Täter verlangte kein Geld. Stattdessen sollte die Künstlerin Sympathiewerbung für einen "DJ Stolen" betreiben. Inzwischen steht der 18-jährige Duisburger in Verdacht, wieder illegal im Netz unterwegs gewesen zu sein. Die Polizei beschlagnahmte bei ihm ein Laptop und ein Handy, wie Detlef Nowotsch, Sprecher der Duisburger Staatsanwaltschaft, gestern bestätigte. Der 18-Jährige gilt strafrechtlich als Heranwachsender, für den Weseler gilt das normale Strafrecht. Den Angeklagten droht eine Höchststrafe von fünf Jahren Haft.

(RP)