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Duisburg: Das Zuhause der Zukunft

Duisburg : Das Zuhause der Zukunft

Das Haus der Zukunft

Nur eine Fernbedienung mit der man Lichtverhältnisse, Fernseher, Temperatur und auch die Neigung der Matratze einstellen kann - so könnte künftig der Alltag in deutschen Häusern aussehen. Interessierte können sich davon schon jetzt ein Bild in Duisburg machen.

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum ist eine europaweit einzigartige Innovationswerkstatt. Auf 800 Quadratmetern erforschen Wissenschaftler, wie moderne Technik das Leben der Menschen im Alter vereinfachen kann.

Leise versinken die Schritte im sandfarbenen Teppich. Vor der Fensterfront reckt sich eine lilafarbene Orchidee der Sonne entgegen. Plötzlich, wie von Geisterhand bewegt, geht das Licht in der 60 Quadratmeter großen Musterwohnung an. Ein Surren. Die Matratze des Betts fährt hoch. Im Badezimmer hängt wie ein überdimensionales iPhone ein schwarzer Spiegel. Bunte Applikationen erscheinen. Sie erinnern beispielsweise an die fällige Pillenration — Oliver Stefan Lazar hat alles über sein iPad gesteuert. Der Informatiker kann damit die Haustechnik bedienen und beispielsweise Licht- und Temperaturverhältnisse festlegen.

Die Zukunft des Wohnens im Alter — im Forsthausweg ist sie bereits Realität. Die Wohnung ist Teil eines sogenannten "Anwendungslabors" des Fraunhofer-inHaus-Zentrums, einer europaweit einzigartigen Innovationswerkstatt. Hier arbeiten Wissenschaftler an neuartigen Raumkonzepten und Baumaterialien, intelligenter Gebäudetechnik sowie elektronischen Assistenzsystemen, die Anwender testen und mitgestalten. Seit sechs Jahren erforscht das Team, wie die Technik das Leben der Menschen unterstützen kann.

Unter anderem will es herausfinden, wie der wachsenden Bevölkerungsgruppe älterer Menschen gerecht zu werden ist: "Im Grunde sind das Labore, in denen jemand leben und bestimmte Dinge ausprobieren kann", erläutert Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus von der inHaus-Leitung. Im Bereich "Senior Life & Care" geht es speziell um die Seniorenbetreuung und Pflege. So wurden in dem bis Ende September dauernden Projekt "Zuhause Daheim" fünf Duisburger Wohnungen technisch aufgerüstet.

40 sollen es insgesamt werden. Die Kosten der Ausstattung mit Sensoren und Computern inklusive Installation betragen rund 2500 Euro. "Das ist eine Summe, die sich nicht nur Millionäre leisten können. Wir sind an einer Lösung für alle interessiert", sagt Lazar. Die Idee hinter der Nachrüstung: "Die Elektronik hat die Aufgabe, Einschränkungen zu kompensieren", so Grinewitschus. Hilfe soll dann, wenn sie nötig ist, durch einen Pflegedienst geleistet werden.

Es gehe darum, das subjektive Sicherheitsgefühl zu steigern und damit die Lebensqualität zu verbessern. In den Wohnungen werden durch Sensoren Messdaten erzeugt, die ausgewertet und über eine gesicherte Datenleitung der Pflegeleitzentrale übermittelt werden. Im Notfall, wenn beispielsweise eine gehbehinderte Person nicht mehr die Badewanne verlassen kann oder jemand seine Medikamente vergessen hat, leuchtet auf dem Monitor des Pflegedienstes, der alle Adressen im Blick hat, ein rotes Signal auf. Ein Helfer wird geschickt. Das System aktualisiert sich alle 15 Sekunden. "Die Klienten sind damit zufrieden und fühlen sich nicht wie bei Big Brother", sagt Lazar.

Während der derzeitigen Erprobungsphase arbeitet das Wissenschaftlerteam eng mit dem Sozialwerk St. Georg und dem Duisburger Pflegedienst Alpha zusammen. Durch die Auswertung der Erfahrungen, die die 40 Haushalte machen werden, sollen langfristig die Arbeitsprozesse in der ambulanten Pflege optimiert werden.

"Es geht uns letztlich um ein intelligentes Zusammenspiel pfiffiger Lösungen, die wir begreifbar machen wollen", betont Grinewitschus. Nach dem Ende des Projektes geht es weiter. Dann werde bewertet, ob die Entwicklungen erfolgreich waren und ein marktfähiges Geschäftsmodell folgen kann. "Wenn Menschen auf der Schwelle zum Pflegeheim stehen und durch unsere Arbeit drei bis vier Jahre länger zu Hause leben könnten, dann hätten wir schon viel gewonnen."

(RP/ila)