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Duisburg: Das "Wunder" von Hochfeld

Duisburg : Das "Wunder" von Hochfeld

Die Stimmung in Hochfeld ist weiter schlecht. Michael Willhardt, Vorsitzender des Vereins Zukunftsstadtteil, beklagt sich in einem offenen Brief an Innenminister Ralf Jäger (SPD) über die mangelnde Integration der Südosteuropäer.

"Das Wunder von Hochfeld" — so beschreibt Michael Willhardt die Situation im Stadtspiel in Anspielung auf das vielzitierte "Wunder von Marxloh". Doch während das "Wunder" im Norden der Stadt mit einem in gesellschaftlichem Konsens entstandenen Bau der Großmoschee wahr wurde, blieb ein solches in Hochfeld aus.

Der Verein "Zukunftsstadtteil" sieht das mit einer Mischung aus Sarkasmus und Zynismus; "Durch das Zusammenwirken aller Beteiligten wurden pragmatische Lösungen gefunden und die Integration von 2500 Roma aus Bulgarien kann als erfolgreich abgeschlossen gelten", schreibt Willhardt — und meint genau das Gegenteil.

Private Wohnungsvermieter hätten auch kleinere Wohnungen mit zehn bis 20 Matratzen ausgelegt und kassierten oftmals täglich zehn bis 15 Euro pro Matratze. Schriftliche Mietverträge gäbe es nicht. Dass die Müllkapazität der Wohnungen auf eine so große Zahl an Bewohnern nicht ausgelegt ist, überrascht nicht. Nach einem Beschluss der Bezirksvertretung sollen die betroffenen Bereiche in die höchste Reinigungsstufe der Wirtschaftsbetriebe neu eingeteilt werden.

Das bedeutet, dass sowohl die Straßenkehrmaschine als auch ein Bürgersteig-Reinigungstrupp mehrmals wöchentlich für Sauberkeit sorgt. Die entsprechenden Kosten gehen zulasten der Wohnungseigentümer, die zahlreiche Zuwanderer unter zum Teil menschenunwürdigen Zuständen in ihren Häusern einquartiert haben.

Das von der Stadt vorgelegte "integrierte Handlungskonzept" sagt aus, dass es keine schnelle Lösung für die Probleme geben wird. Um überleben zu können, gehen viele Zuwanderer der Schwarzarbeit nach. "An vielen Stellen in Hochfeld kann man beobachten, wie Südosteuropäer täglich in kleinen Gruppen mit Fahrzeugen mit oder ohne Firmenaufschrift zur Arbeit abgeholt werden", heißt es in dem Brief des Vereins an den Innenminister.

Der Lohn werde zum Teil über Mittelsmänner ausgezahlt und liege weit unterhalb von Beträgen, die als Mindestlohn angesehen werden könnten. Rund 130 junge Frauen hätten sich als gewerbliche Prostituierte bei der Stadt angemeldet, so Willhardt. Die Frustration unter den Hochfeldern wachse. Willhardts Fazit: "Wem diese ganze Folklore nicht gefällt — der kann ja wegziehen."

(RP/rl)