Duisburg: "Das rätselhafte Testament" vorgestellt

Duisburg: "Das rätselhafte Testament" vorgestellt

Als Roman wäre "Das rätselhafte Testament" eher unglaubwürdig. Aber das spannende Buch von Klaus-Peter Schmid ist ein reiner Tatsachenbericht. Jetzt las der langjährige Redakteur der Wochenzeitung "Die Zeit" daraus im Rahmen der Französischen Woche im Kuhlenwall-Karree. Es geht dabei im Kern um die ziemlich verrückte Liebesgeschichte zwischen der Möchtegern-Schauspielerin Jacqueline Heusch und dem Spion Herbert Ranft, im von den Deutschen besetzten Paris der 1940er Jahre. Und es geht um eine millionenschwere Erbschaft, die Madame Heusch 1984 dem Deutsch-Französischen Jugendwerk (DFW) zur Verwendung für Ziele der deutsch-französischen Verständigung überließ.

Der Deutsche stellte die 16 Jahre jüngere Französin als seine Sekretärin ein, von diesem Moment an waren sie ein Paar, hatten die Liebe ihres Lebens gefunden. Plötzlich war Herbert Ranft reich, die beiden lebten in einem von der Wehrmacht requirierten Luxus-Appartement voller Kunstwerke, er kaufte seiner ehrgeizigen Freundin sogar ein Theater, das aber wegen einer "skandalösen" Inszenierung von Jean Marais bald durch die Nazis geschlossen wurde. Nach der Befreiung kam Jacqueline Heusch wegen ihrer "collaboration horizontale" buchstäblich ungeschoren davon, Herbert Ranft floh nach Brasilien.

Schmids Buch fasziniert durch eine Fülle bestens recherchierter Details, kultureller und historischer Hintergründe. Zum Beispiel hatte der Hochstapler Ranft so viele verschiedene Identitäten angenommen, dass bei seinem Tod 1950 in einer Genfer Klinik selbst sein eigener Vater Schwierigkeiten hatte, den Behörden die Identität seines Sohnes zu beweisen. Die These von Klaus-Peter Schmid sieht so aus, dass Herbert Ranft sich als Mitglied der "Organisation Todt", die den Atlantikwall baute, am Schwarzmarkt bereichert hatte. Die Kunstwerke in "seiner" Pariser Wohnung gehörten deren jüdischen Besitzern. Jacqueline Heusch hat etwas vererbt, was ihr nicht gehörte.

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"Ich mache keinen Skandal daraus", sagte Schmid. Aber jenes Testament sieht er weniger als deutsch-französische Wiedergutmachung, sondern vielmehr als eine Art "moralische Geldwäsche".

(hod)
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