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Duisburg: Das Land lässt die Polizei hängen

Duisburg : Das Land lässt die Polizei hängen

Unzumutbare Enge und große bauliche Mängel sind für Duisburgs Polizeibeamte ein großes Ärgernis. Von den in Aussicht gestellten Sanierungs- und Neubauarbeiten ist aber nichts zu sehen.

Ein halbes Jahr ist es her, dass Duisburgs Polizeipräsidentin Dr. Elke Bartels bald verkünden wollte, dass auf dem Grundstück der Polizeikaserne in Neudorf ein neues Gebäude für die Beamten gebaut wird. Einher ging diese Botschaft mit dem Hinweis, dass die Wachen in Meiderich und Homberg in eine gemeinsame, neu zu bauende Polizeiinspektion in Ruhrort zusammengeführt werden sollen - und das alles vor dem Hintergrund von Raumnot und baulichen Mängeln im Bestand. Sechs Monate später scheinen sich diese Hoffnungen zerschlagen zu haben. Nach dem aktuellen Stand gefragt, macht Bartels nicht viele Worte. "Wir warten darauf, dass der Landesbaubetrieb grünes Licht gibt."

Wortreicher sind da schon die Polizeibeamten, die mit den Mängeln täglich zu tun haben. Aus ihrer Sicht ist es skandalös, dass das Land nicht eiligst zur Tat schreitet. Denn die Probleme seien beim Innenministerium ebenso bekannt wie beim zuständigen Finanzministerium und seinem Landesbaubetrieb.

An der Fraunhoferstraße beispielsweise musste in den vergangenen Monaten zusätzlicher Raum für den vierten Zug geschaffen werden, den Duisburg wegen der vielfältigen Problemlagen bekommen hatte. Dabei war es schon vorher in der Polizeikaserne sehr, sehr eng. Aus diesem Grund hatte die Polizeipräsidentin auch angeregt, auf dem Gelände in Neudorf ein Verwaltungsgebäude zu errichten. Dafür hätten die nicht mehr benötigten und mit Asbest belasteten Pferdeställe abgerissen werden können. Gleichzeitig wäre die Möglichkeit gewesen, die Kfz-Werkstätten der Polizei zu sanieren, die es dringend nötig haben. Als Bartels vor sechs Jahren in Duisburg ihren Dienst antrat, hatte sie dies bereits angeregt, nachdem sie sich die Polizeiimmobilien angeschaut hatte. Die Signale aus dem Land waren damals noch positiv.

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Doch statt Geld zur Verfügung zu stellen, scheinen das Finanzministerium und der Landesbaubetrieb die Arbeiten nun nur noch heraus zu zögern, so der Eindruck einiger Duisburger Polizeigewerkschafter, die sich für die Interessen der dort tätigen Kollegen starkmachen. Das Finanzministerium soll dem Vernehmen nach nunmehr vom Innenministerium eine bis dato nicht gekannte "Kostenübernahmeerklärung" für die Planungskosten fordern. Diese kann das Innenministerium aus haushaltsrechtlichen Gründen aber gar nicht geben. Hier beißt sich die Katze in den Schwanz...

Um die Arbeitsbedingungen für die Beamten in den Wachen Hamborn, Meiderich und Homberg ist es auch nicht besser bestellt. "Wenn Sie hier in Hamborn den Schreibtischstuhl in eine Ecke stellen, rollt er ganz von alleine bis in die gegenüberliegende", erzählt dort ein Beamter, der oft genug miterlebt hat, dass sich Türen und Fenster nicht öffnen und schließen lassen, weil sich das gesamte Gebäude in Folge von Bergsenkungen immer stärker neigt. Ein Fall für die Bauaufsicht könnte auch die Wache in Meiderich sein. "So, wie die Kollegen da arbeiten müssen, ist das wirklich unzumutbar", heißt es aus Polizeikreisen. Das gleiche gelte für die Wache in Homberg, untergebracht in einem ehemaligen Ladenlokal.

Bei ihrer Amtsübernahme schien es nur die Frage von einem oder zwei Jahren zu sein, bis die offenbar überfälligen Arbeiten in den Polizeiimmobilien beginnen. Derzeit äußert selbst die ansonsten meist optimistische Präsidentin leichte Zweifel daran, dass sie diesen Start noch im aktiven Dienst erleben wird.

(RP)