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Duisburg: „Das ist Murks!“

Duisburg : „Das ist Murks!“

Anwohner des Bahnhofs in Friemersheim nutzten gestern einen Besuch von Stadtdirektor Peter Greulich, um ihren Frust über fehlenden Lärmschutz los zu werden. Selbst in der Nacht gibt’s keine Ruhe.

friemersheim Eigentlich war es ein erfreulicher Anlass, der gestern Stadtdirektor Peter Greulich nach Friemersheim führte: Die Einweihung des neuen Parkplatzes und der Fahrrad-Station am Bahnhof (Text unten). Doch was die Stadt und Bahnreisende freuen mag, lässt bei den Anwohnern die Wut wachsen. „Die ganz Planung war Murks“, meinten sie und stürzten sich mit ihren Sorgen auf den zweiten Mann in der Stadtspitze.

Wo jetzt der Parkplatz für 45 Autos und eine überdachte Abstellmöglichkeit für 145 Räder sind, waren früher Hecken und Bäume. Darunter auch „richtig dicke Dinger“, so eine Frau. Jedenfalls sei das Grün nicht nur Sicht- sondern auch Lärmschutz zur Bahnlinie hin gewesen. Jetzt dagegen steht zwischen dem neuen Parkplatz und den Gleisen lediglich ein harmloses Zäunchen. Warum dort keine Schallschutzmauer errichtet wurde, können die Anwohner nicht verstehen. Sie sehen sich nun einer mehrfachen Lärmkulisse ausgesetzt: Autos auf der Windmühlenstraße, Autos auf dem Parkplatz, dann Bahnlärm, und hinter der Bahnlinie die neue Südtangente (L473n).

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Logport-Güterzüge

„Wenn auf der L473nt erst die Lastwagen fahren, dann Gnade uns Gott“, sorgte sich Helga Lippert. Vor acht Jahren hat Familie Lippert an der Clarenbachstraße gebaut. Damals sei der Bahnlärm noch erträglich gewesen. Doch vor allem der Ausbau des Logports sei seit geraumer Zeit hörbar. „Im Sommer mal draußen zu sitzen, das geht gar nicht mehr“, stimmte Inge Höber in den Klagechor ein. Sie bewohnt ein Haus an der Windmühlenstraße. Und Fernsehen bei offenen Fenstern – „Da kriegt man die Hälfte nicht mit!“

Auch Siegfried Nix, der ein Haus direkt gegenüber vom Parkplatz besitzt, machte sich bei Peter Greulich Luft. „Bei uns stehen nur noch die Umzugswagen vor dem Haus. Die Leute ziehen aus, die Wohnungen neu zu vermieten ist fast unmöglich.“ Tagsüber sei der Bahnlärm schon schrecklich, doch nachts komme es noch dicker: „Dann rangieren hier die Logport-Züge. Versuchen sie da mal zu schlafen!“

Wer den „Murks“ zu verantworten hat – Peter Greulich konnte es nicht sagen. Die Stadt dürfe jedenfalls kein Geld für den gewünschten Schallschutz ausgeben, „wenn jemand anderes da ist, der dafür zuständig ist“. Zuständig wäre nach Lage der Dinge wohl die Bahn. Doch, so Greulich: „Es ist ausgesprochen schwierig mit dem Bahn-Lärmschutz.“ Ausschlaggebend seien genau festgelegte Lärmberechnungen; nur wenn diese bestimmte Grenzwerte überschreiten, gebe es eine Chance, dass etwas passiert. Das Leid von Bahn-Anwohner allein reicht nicht. denn geplagte Bahn-Anwohner, die gebe es an zu vielen Orten.

Immerhin versprach Greulich, schnell für eine Begrünung entlang der Windmühlenstraße zu sorgen. Zu hohe Erwartungen sollten die Anwohner an die Bäumchen, die da gepflanzt werden, allerdings nicht stellen, so Greulich: „Das wird eher eine psychologische Wirkung haben als echter Schallschutz sein.“

(RP)