Serie Innenansichten: Das Herzstück der Stadtbibliothek

Serie Innenansichten : Das Herzstück der Stadtbibliothek

Ein Team von 14 Lektoren soll für ein gepflegtes, aktuelles und kundenorientiertes Medienangebot sorgen. Diplombibliothekarin Isalind Schönemann liebt ihren Beruf, der viel abverlangt.

Meist arbeiten sie in Räumen, wo nur Befugte Zutritt haben: die Lektoren der Duisburger Stadtbibliothek. Isalind Schönemann ist Abteilungsleiterin in dem Team, das 17 Planstellen vorsieht, von denen zurzeit allerdings nur 14 besetzt sind.

Für die einen mag der Beruf eines Lektors ein Traum sein, für andere wäre er eine Zumutung. Isalind Schönemann liebt ihren Beruf, obwohl er viel abverlangt. Ihre Aufgabe umschreibt die Diplombibliothekarin so: "Wir sorgen für die Bereitstellung eines gepflegten, qualitativ ansprechenden, aktuellen und kundenorientierten Medienangebots, das einer Großstadt wie Duisburg angemessen ist."

Die Lektoren haben die Aufgabe, jene Bücher auszuwählen, die in den Bestand aufgenommen werden sollen. Da Buchregale endlich sind, müssen sie auch darüber entscheiden, welche Bücher beziehungsweise Medien herausgenommen werden. "Das Lektorat ist das Herzstück der Bibliothek", sagt Isalind Schönemann.

Die Medien in der Zentralbibliothek sind in 23 Sachgruppen unterteilt wie Heimatkunde, Geschichte, Psychologie, Literaturwissenschaft, Schöne Literatur, Technik und so weiter. Die Lektoren spezialisieren sich auf Sachgebiete, in denen sie eine hohe Kompetenz erwerben. Zur Alltagsarbeit der Lektoren gehört die "Marktsichtung".

Mit der Zeit wissen die spezialisierten Lektoren immer besser, welche Verlage und welche Autoren in ihrem Sachgebiet wichtig sind. Zur Marktsichtung gehört auch die Auswertung von Fachzeitschriften, Rezensionen und bibliografischen Diensten. "Wir müssen wissen, welche Trends es gibt und was aktuell diskutiert wird, damit die Leser bei uns auch das finden, was sie jetzt lesen wollen", so Isalind Schönemann.

Sie selber ist Spezialistin unter anderem für den Bereich Psychologie. "Ich darf zwar keine spezielle Therapie für einen ratsuchenden Kunden empfehlen, aber ich muss wissen, welche Therapieformen in welchen Büchern beschrieben sind."

Zur Kundenorientierung gehört auch Statistik. "Bei uns gibt es Hitlisten und Nietenlisten", berichtet die Bibliothekarin, die seit 1995 in Duisburg arbeitet. Bei Büchern, die häufig ausgeliehen und vorgemerkt werden, müsse man überlegen, ob noch weitere Exemplare bestellt werden sollen.

"Nieten" sind solche Bücher, die so gut wie nie ausgeliehen werden. Diese und natürlich die zerlesenen Bände werden entfernt oder landen im Büchertrödel. Allerdings würde man nicht einen einzelnen Band aus einer Freud-Gesamtausgabe aussortieren, nur weil dieser nicht mehr häufig nachgefragt wird. Jetzt, in den Wochen vor dem Umzug der Zentralbibliothek ins Stadtfenster, werden die "Nieten" von den Lektoren natürlich besonders argwöhnisch unter die Lupe genommen. Veraltete Ratgeber werden gewiss nicht mehr in Umzugskartons verpackt.

Die Lektoren arbeiten nicht stur in ihren Sachgebieten vor sich hin und bestellen nach Herzenslust Bücher. Vielmehr müssen auch Prioritäten gesetzt werden. Zusätzlich stellen die Lektoren auch Wunschlisten von Büchern für die mittlerweile 500 Buchpaten zusammen.

Diese Buchpaten kaufen in ausgewählten Buchhandlungen Bücher für die Stadtbibliothek. Wer möchte, kann sich als Buchpate im Band vermerken lassen. Auch hat er das Recht, das Buch als erster ausleihen zu dürfen. Seit einiger Zeit werden in der Zentralbibliothek "Themenmediatheken" aufgebaut, wo verschiedene Sachgebiete zusammenkommen können. Beispielsweise beim Thema "Umwelt".

Zur Aufgabe der Lektoren gehört es auch, auf Ereignisse wie Nobelpreisverleihungen, Jahrestage, Tod von prominenten Autoren schnell zu reagieren und besondere Medienpräsentation im Erdgeschoss der Zentralbibliothek einzurichten.

Eine Besonderheit der Duisburger Zentralbibliothek ist, dass die Lektoren nicht - wie in anderen großen Bibliotheken - nur in ihren Büros sitzen, sondern auch regelmäßig an Auskunftstischen für die Kunden da sind. Dieser Kontakt sei auch für die tägliche Lektorenarbeit nützlich. Sowohl die Ideen und Vorschläge von Lesern als auch deren Beschwerden würden ernst genommen. Das sei "typisch Duisburg".

(RP)