Duisburg: Das Herzstück der Stadt zerstört

Duisburg : Das Herzstück der Stadt zerstört

Zum Jahrestag der Duisburger Bombennacht zeigt Kai Gottlob im Filmforum historische Filmaufnahmen aus den 20er-Jahren bis 1945.

Einige Zeitzeugen hatten große Mühe, die Treppe zum Filmforum-Saal hinaufzusteigen. Aber 70 Jahre nach der verheerenden Bombennacht vom 14. auf den 15. Oktober 1944 wollten sie sich nicht die Chance entgehen lassen, historische Filmaufnahmen aus jener Zeit zu sehen, in der sie selber noch Kinder oder Jugendliche waren.

Kai Gottlob, Geschäftsführer des Filmforums und Hüter einer einzigartigen filmhistorischen Sammlung, stellte zum traurigen Jahrestag einen Kinoabend unter dem Titel "Duisburg im Bombenkrieg" zusammen. Nicht nur die Generation der Alten füllte den Saal, auch viele Jüngere wollten Filme sehen, bei denen Lokalgeschichte lebendig wird. Der Andrang war so groß, dass schätzungsweise 50 Interessierte keine Eintrittskarten mehr bekamen.

"Die Filme, die Sie jetzt sehen, sind nicht fürs Kino gedreht worden", sagte eingangs Kai Gottlob. Auf eine ausgeklügelte Schnitttechnik musste man also verzichten. Auch auf eine Tonspur. Doch begleitete der bekannte Stummfilmpianist Joachim Bärenz die Filme live, wofür er vom Publikum viel Beifall bekam.

Gottlob präsentierte und erläuterte nicht nur die Trümmerfilme aus den Jahren 1942, 1944 und 1945, sondern zeigte auch ganz frühe Duisburg-Filme aus den 20er Jahren. Im Mittelpunkt stand dabei die alte Duisburger Innenstadt, bei der noch deutlich das Stadtbild zu erkennen ist, das im Jahr 1564 von Johannes Corputius aufgezeichnet worden war. Der so genannte Corputius-Plan befindet sich heute im Kultur- und Stadthistorischen Museum - und als dreidimensionales Bronzemodell auch vor diesem Museum.

Hatten diese ersten Filmaufnahmen noch den Charakter einer städtischen Idylle, so wirkten die Aufnahmen von sichtlich stolzen Nazis, die sich bereits kurz nach der Machtergreifung vor der Kamera in Pose warfen, beklemmend. Kaum zu glauben, aber wahr: Im selben Gebäude, das heute das Filmforum beherbergt, waren zeitweise deutsche Stuka-Piloten und später französische Kriegsgefangene untergebracht.

Nicht erst 1944, sondern bereits 1942 wurde Duisburg von zahlreichen Bomben getroffen. Filmaufnahmen von total zerstörten Gebäuden in Meiderich hatte einst Heinrich Ufermann gedreht. Dessen Familie überreichte dieses wichtige und erschütternde dokumentarische Material dem Filmforum. Die meisten Filmdokumente, die Kai Gottlob speziell für den Gedenkabend zusammengestellt hatte, wurden von anonymen Kameraleuten gedreht. Gefunden wurden die Filmrollen übrigens in den 60er Jahren im Hotel Duisburger Hof, wo sie eingemauert worden waren, weil das alte Filmmaterial hochentzündlich ist.

Dieser historische Filmschatz enthält zum Beispiel Aufnahmen von der ersten Flaggenparade der Amerikaner im März 1945 vor dem schwer beschädigten Stadttheater. Oder auch Bilder, die nach der schrecklichen Bombennacht vor 70 Jahren, der "Operation Hurricane", vom damaligen Stadtarchivar am Burgplatz gedreht worden waren. Der Rathausturm war weggesprengt worden, der Kameramann hatte eine unverstellte Sicht auf die Ruinen...

In dieser Bombennacht sei, so Kai Gottlob, das Herzstück der Stadt zerstört worden. Der aus heutiger stadtplanerischer Sicht katastrophale Wiederaufbau gab dem historischen Gesicht Duisburgs, das früher einer Hansestadt ähnelte, den Rest.

Der dokumentarische Filmabend "Duisburg im Bombenkrieg" wird am Sonntag, 2. November, 18 Uhr, im Filmforum wiederholt. Vorverkauf ab dem 24. Oktober.

(RP)
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