Duisburg: Das große Aufräumen im Duisburger Wald

Duisburg : Das große Aufräumen im Duisburger Wald

Der Duisburger Wald wurde vom Pfingststurm arg gebeutelt. Die RP hat sich mit Stadtförster Axel Freude dort einmal umgesehen.

Radfahrer, Jogger, Spaziergänger mit Kindern und selbst Senioren im Rollstuhl sind an diesem Vormittag bei schönstem Sommerwetter im Wald rund um die Sechs-Seen-Platte unterwegs. Ein ganz normaler Ferientag eben, könnte man meinen. Doch offiziell ist der Wald nach dem Sturm am Pfingstmontag immer noch gesperrt, und zwar bis zum 1. September. "Wir wollen aber Stellen nach und nach wieder freigeben, sobald wir dort die Gefahrenstellen beseitigt haben", sagt Stadtförster Axel Freude, der für den Waldbereich im Duisburger Süden zuständig ist.

Warum es im Wald immer noch so gefährlich ist, zeigt sich nach einem Blick in die Baumkronen. Dort lässt sich inzwischen anhand des vertrockneten Laubes genau erkennen, wo noch abgeknickten Äste lose in der Krone baumeln, nur gehalten von den intakten Zweigen. Jederzeit können diese Äste herunterstürzen und im schlimmsten Fall einen Spaziergänger treffen. "Ich hoffe wirklich nur, dass kein Mensch zu Schaden kommt", sagt Freude mit Blick auf die vielen Waldbesucher. Um diese von besonders gefährlichen Stellen fernzuhalten, haben die Forstmitarbeiter einige umgestürzte Bäume, die Waldwege blockieren, bisher noch liegen lassen.

An der Sechs-Seen-Platte steht ein großer Hubwagen, der mit zwei Mitarbeitern besetzt ist. Die kümmern sich um die Kronenschäden, fahren mit dem Korb in die Höhe und holen die abgebrochenen Äste heraus. "Am Montag brauchen wir Euch an der Monning", sagt Freude. Denn dort soll das nächste Teilstück ferigegeben werden. Insgesamt sechs Hektar Duisburger Wald sind durch Sturm am Pfingstmontag zerstört worden. Dabei sind 5000 Kubikmeter Holz angefallen, so viel wie sonst in eineinhalb Jahren.

Seit dem Tag nach dem Sturm sind Axel Freude, sein Kollege Stefan Jeschke sowie die Mitarbeiter Tag für Tag mit Aufräumarbeiten beschäftigt. Unterstützt werden sie von Fremdfirmen und großen Maschinen. Im Waldgebiet neben der Bissingheimer Straße im gleichnamigen Stadtteil hat der Sturm eine richtige Schneise geschlagen und vor allem Buchen, aber auch einige Nadelbäume wie Strohhalme umgeknickt. Dort ist derzeit der 18 Tonnen schwere Vollernter im Einsatz. Noch nicht mal eine Minute braucht die vollautomatische Maschine, um mit dem Greifarm den Baum am Stamm abzuschneiden, der Länge nach zu entasten und dann noch in handelsübliche Stücke zu zerteilen.

Axel Freude hat in diesem Sommer mehr zu tun als sonst. Die Aufräumarbeiten im Duisburger Wald werden noch einige Tage in Anspruch nehmen. Foto: Christoph Reichwein

"In diesem Gebiet werden wir Teile wieder neu bepflanzen", sagt Axel Freude, so wie schon am Rand des Waldstückes. Dort stehen junge Bäume ordentlich in Reihen neben- und hintereinander, zum Schutz sind sie mit am Stamm mit Hülsen ummantelt. Einige der umgestürzten Bäume sollen allerdings als Totholz liegen bleiben, um Tieren und Pflanzen als Lebensgrundlage zu dienen. Die Zeit, als Wälder noch wie aufgeräumt und frisch gefegt aussahen, sind in Duisburg längst vorbei. Und dann nicht nur, weil es inzwischen weniger Mitarbeiter gibt, sondern schon allein aus ökologischen Gründen.

Während es in Bissingheim vorwiegend jüngere Bäume getroffen hat, sind am Kaiserberg in der Nähe des Gottesdienst-Platzes eine Reihe von über 220 Jahre alten Buchen Opfer des Sturms geworden. "Das ist schon traurig", sagt Freude. Denn diese Bäume zeugten mit ihren Bombensplittereinschlägen noch von den beiden Weltkriegen, die sie überstanden haben. Auch die Industrialisierung hatten ihnen arg zugesetzt. "Aber in den letzten Jahren haben sie sich wieder erholt. Einige Jahren hätten sie noch gemacht", sagt Freude.

Jetzt gehören die alten Bäume auch zu den Bäumstämmen, die nach und nach an den Rändern der Waldwege aufgeschichtet und anschließend zum Verkauf abgefahren werden. Die kleineren Stämme, die sich nicht weiterverarbeiten lassen, werden zu Brennholz und am Forsthaus Curtius am Rehweg gesammelt und dort später auch an Einzelpersonen verkauft.

Die Sturmschäden aber werden Axel Freude und seine Kollgen noch einige Zeit in Anspruch nehmen, vor allem, weil die normale Waldarbeit ebenfalls weiter läuft. Wie umfangreich die Arbeit ist, lässt sich allein an einer Zahl erahnen: Die Wege durch den Duisburger Wald, für die die Förster zuständig sind sind 200 Kilometer lang.

(RP)
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