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Duisburg: Das Duisburger Pannen-Museum

Duisburg : Das Duisburger Pannen-Museum

Von Landesarchiv bis Eurogate – wenn in Duisburg Großes entstehen soll, geht das auffällig oft daneben. Besonders peinlich ist der Stadt aber der verpatzte Umbau des Museums Küppersmühle, denn den hat sie ganz allein vermurkst. Jetzt soll ein neuer Plan das Desaster beenden.

Von Landesarchiv bis Eurogate — wenn in Duisburg Großes entstehen soll, geht das auffällig oft daneben. Besonders peinlich ist der Stadt aber der verpatzte Umbau des Museums Küppersmühle, denn den hat sie ganz allein vermurkst. Jetzt soll ein neuer Plan das Desaster beenden.

Duisburg: Das Duisburger Pannen-Museum
Foto: Andreas PRobst

Für die Halbmillionenmetropole am westlichen Rand des Ruhrgebietes durfte es immer schon etwas mehr sein.

Als "das schönste Archivgebäude Deutschlands" kündigte im April 2010 der damalige NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) das neue Landesarchiv am Duisburger Innenhafen an, das inzwischen drei Staatsanwälte und 18 Fahnder des Landeskriminalamtes beschäftigt. Dieselben Beamten interessieren sich auch für den Bürokomplex Eurogate, den Star-Architekt Norman Foster ein paar Meter weiter bauen sollte.

Von dem als "Tor nach Europa" angekündigten Sichelbau ist aber auch nach über 15 Jahren Planung mangels Interessenten noch nichts zu sehen. Die ebenfalls benachbarte Küppersmühle sollte "zum bedeutendsten Ort zeitgenössischer deutscher Malerei" umgebaut werden, wie der Duisburger Kulturdezernent Karl Janssen versprach. Aber die Kosten liefen so dramatisch aus dem Ruder, dass derzeit niemand mehr in das Millionengrab investieren will.

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Was die Küppersmühle von den anderen Duisburger Bruchlandungen unterscheidet: Dieses Desaster ist hausgemacht. Anders als beim Landesarchiv und beim Eurogate kann die Stadt hier nicht auf Pannen beim Land oder auf dubiose Projektentwickler verweisen, deren Opfer Duisburg geworden sein will. Die Küppersmühle ist eindeutig das Ergebnis von haarsträubenden Versäumnissen der Stadt und ihrer Tochtergesellschaft Gebag, die für den Museumsbau verantwortlich ist.

Und sie ist ein Lehrstück für den verhängnisvollen Missbrauch einer städtischen Tochter, die eigentlich nur Wohnraum bereitstellen soll, die aber von den Stadtoberen mangels anderer Geldquellen immer wieder zu komplizierten Prestigeprojekten gedrängt wurde. Woran sie beinahe erstickte. Und auf diesem Weg Millionen an Steuergeld verbrannt hat. Selbst der Gebag-Aufsichtsratschef und Duisburger SPD-Ratsherr Friedel Prüßmann sagt: "Der Umbau der Küppersmühle hat die Gebag wohl doch überfordert."

Als die in der Mühle ausgestellte Kunstsammlung des Darmstädter Ehepaars Ströher aus allen Nähten platzte, präsentierten die Baseler Renommier-Architekten Herzog & de Meuron 2007 einen Ausbau-Plan: Das Museum sollte gekrönt werden durch einen riesigen Kubus mit 2000 Metern Ausstellungsfläche, aufgesetzt auf einen angrenzenden Getreidespeicher. Ursprünglicher Kostenplan: 30 Millionen Euro, zu tragen in gleichen Teilen von den Ströhers, dem Ruhrkonzern Evonik und Zuschüssen des Landes. Der Ursprungsvertrag sah den Übergang des Gebäudes in das Eigentum der Ströhers in späteren Jahren sowie die Übernahme sämtlicher Bau-Mehrkosten durch die Duisburger Gebag vor. Eröffnung sollte im Kulturhauptstadtjahr 2010 sein.

Inzwischen wurden nach Angaben der soeben gekündigten Gebag-Chefin Marianne Wolf-Kröger rund 36 Millionen Euro verbaut. Der Löwenanteil davon in einem riesigen Stahlgerüst, das den Kubus tragen soll, nun aber auf einem Acker nebenan vor sich hin rostet. Es wurde nämlich so stümperhaft zusammengeschweißt, dass es nach dem Urteil externer Gutachter nur noch Schrottwert hat. Und am Ende gar Menschenleben gefährdet hätte.

Die ausführenden Firmen sind laut Wolf-Kröger und Prüßmann inzwischen insolvent. Eine Versicherung, wie sie jeder private Häuslebauer üblicherweise gegen den Konkurs seiner Baufirma abschließt, hat die Gebag bei der Küppersmühle laut Wolf-Kröger nicht abgeschlossen. "Warum eine solche Versicherung nicht vorlag oder zumindest nicht greift, ist eine Frage, die die Vorstände beantworten müssten", sagt dazu SPD-Ratsherr Herbert Mettler, der von Anfang an zu den wenigen Kritikern des Bauprojektes gehörte.

Die Vorstände beantworten die Frage aber nicht. Die Ex-Gewerkschaftssekretärin Marianne Wolf-Kröger nicht, weil sie erst im Februar 2009 bei der Gebag angefangen hat. "Da waren die wesentlichen Weichen längst gestellt. Das Projekt stand immer unter der Federführung des Vorstandsvorsitzenden Dietmar Cremer", sagt sie. Sich und ihre Kündigung kurz vor Weihnachten sieht sie als "Bauernopfer des Aufsichtsrates". Um von anderen Missständen abzulenken: "Es gehört unter anderem zu den Fehlentwicklungen, dass ich meine Absicht, ein funktionierendes Risikomanagement oder Controlling bei der Gebag einzurichten, gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden nicht erreicht habe", sagt Wolf-Kröger.

Ihr Co-Chef, der Ex-Vorstandsvorsitzende Dietmar Cremer, hat sich inzwischen mit dem Aufsichtsrat auf einen Aufhebungsvertrag geeinigt und ist nicht erreichbar. Nach Informationen unserer Zeitung wurden ihm eine Abfindung von unter 100 000 Euro sowie jährliche Ruhestandsbezüge von deutlich über 200 000 Euro zugesprochen. Medienberichte, Wolf-Kröger habe eine siebenstellige Abfindungssumme gefordert, dementiert die Ex-Gebag-Chefin. Der vom Aufsichtsrat bestellte Interims-Chef Utz Brömmekamp, ein Unternehmensberater aus Düsseldorf, ist urlaubshalber nicht zu sprechen. Ohne ihn will auch die Gebag-Pressestelle "keinerlei Auskunft" erteilen, wie es derzeit am Telefon heißt.

Nicht nur, dass Duisburg auf einer 36 Millionen Euro schweren Bauruine sitzt und die Fertigstellung nach Plan weitere rund 30 Millionen verschlingen würde, wie Wolf-Kröger und der Duisburger FDP-Fraktionschef Wilhelm Bies übereinstimmend vorrechnen. Das Hauptproblem der Stadt ist: Sie hat inzwischen sämtliche Sponsoren verprellt. "Ich weiß nicht, wie oft ich bei Evonik und bei den Ströhers immer neue Millionenbeträge erbettelt habe", sagt Wolf-Kröger, "aber wenn die jetzt das Ergebnis sehen, ist doch klar, dass die keine Lust mehr haben."

Allein die Ströhers haben die Pannen bei der Küppersmühle inzwischen mit 26 Millionen Euro ausgeglichen. Evonik zahlte bislang vier Millonen und muss laut Vertrag pro Jahr eine weitere Million hinblättern. Obwohl sie laut einem Gebag-Aufsichtsratsbeschluss vom Juni 2009 nie mehr als 1,4 Millionen Euro hätte investieren dürfen, ist auch die Gebag mit sechs Millionen Euro dabei — plus 500 000 Euro Betriebskosten pro Jahr. Die erhofften Landeszuschüsse sind gar nicht erst geflossen, weil die Küppersmühle nicht rechtzeitig zum Kulturhauptstadtjahr fertig war.

Chefkontrolleur Prüßmann sagt: "Unser Ziel ist jetzt, dass die Sponsoren den Umbau nicht nur finanziell unterstützen, sondern die komplette Verantwortung für den Umbau übernehmen." Nach Informationen unserer Zeitung verhandelt Duisburg mit den Ströhers derzeit tatsächlich darüber. Die Ströhers, die von Anfang an gegen den teuren Plan der Baseler Edelarchitekten gewesen sein sollen, beraten derzeit Entwürfe für einen deutlich bescheideneren Anbau auf eigene Rechnung, der 34 Millionen Euro kosten soll. Nach Informationen unserer Zeitung liegen drei Pläne vor. Zu den Anbietern soll die Frankfurter Wayss & Freytag Ingenieurbau AG gehören. Die Ströhers sind dazu aber offenbar nur bereit, wenn die Stadt Duisburg das Vorhaben mit einer Patronatserklärung absichert. Also weitere Millionen für die Küppersmühle riskiert.

(RP/rl/AC)