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Duisburg: Das Alter verändert den Anspruch

Duisburg : Das Alter verändert den Anspruch

Gestern stellten 50 Organisationen und Sozialverbände auf der Königstraße ihre Arbeit vor. Auf der "Seniorenmeile" ging es vor allem um das Leben im Alter. Doch was bedeutet es eigentlich älter zu werden? Die RP hat sich informiert.

Was bedeutet es eigentlich, älter zu werden, und ab wann ist man eigentlich alt? Was verändert sich für die Betroffenen und gibt es in der Stadt genügend Möglichkeiten, sich abzusichern und auch im Alter aktiv zu bleiben? Die RP hat sich gestern auf der Königstraße nach Antworten auf diese Fragen umgehört. Über 50 Stände verschiedener Sozialverbände und Organisationen informierten dort im Rahmen der "Seniorenmeile" über altersgerechte Angebote, bevor sie wegen des Gewitters ihre Zelte abbrechen mussten.

Anja Keil, Leiterin des zentralen Pflegedienstes der Caritas, glaubt nicht daran, dass der Begriff "Alter" zu definieren ist: "Es ist nicht so ohne weiteres möglich zu sagen, ob jemand nun alt ist oder nicht." Das hänge von den Personen im Einzelnen ab. "Es gibt 90-Jährige, die absolut fit sind und ihr Leben allein gestalten. Genauso gibt es aber Leute, die mit 60 schon pflegebedürftig sind."

Gleichwohl würden sich aber mit fortgeschrittenem Alter die Ansprüche an die Umwelt verändern. "Zum Altern gehört es, gebotene Hilfestellungen anzunehmen", sagte die Caritas-Sprecherin. "Man muss sicherstellen, dass jemand auf einen aufpasst, wenn man irgendwann alleine ist. Außerdem muss es Angebote geben, die einem helfen, aktiv und gesund zu bleiben."

Einen Mangel an derartigen Angeboten sieht sie nicht. "Die Angebote sind da", versicherte sie. "Die Wohlfahrtsverbände decken mittlerweile das gesamte Stadtgebiet damit ab. Das Problem ist nur, dass viele Betroffene einfach nicht darüber Bescheid wissen." Deshalb seien Aktionen wie die Seniorenmeile auch so außerordentlich wichtig.

Elfriede (79) und Gerhard Hermann (80) haben sich lange gegen den Begriff "Alt" gewährt. "Wir wollten lange nicht wahrhaben, dass wir jetzt zum alten Eisen gehören sollen", sagte die 79-Jährige und schaute auf ihren Gatten, der in einem Rollstuhl zur Seniorenmeile kam.

"Als mein Mann vor zwei Jahren einen Schlaganfall erlitt, war es uns dann aber schlagartig klar. Wir mussten uns eingestehen, dass wir Hilfe brauchen." Im Alter verändere sich alles. Man sehe nicht mehr so gut und man sei dankbar für jedes Gebäude mit barrierefreiem Zugang. "Mittlerweile sind wir dankbar, dass es die Angebote der Wohlfahrtsverbände gibt", so die Seniorin weiter. "So kann man aktiv bleiben und man ist ständig mit anderen in Kontakt — das belebt."

Ähnlich froh über die altersgerechten Angebote im Stadtgebiet war Elisa Sitter (92). "Ich fühle mich zwar noch nicht wirklich alt", sagte die pensionierte Lektorin der Rheinischen Post, "aber dankbar bin ich trotzdem." An den Angeboten für Menschen ihrer Altersklasse in der Stadt gäbe es absolut nichts auszusetzen. "Man muss nur interessiert sein. Das Angebot ist breit genug."

Auf die Frage, ob sie sich jemals alt fühlen werde, entgegnete die aktive Seniorin: "Wenn es nach mir geht, dann niemals. Man ist immer nur so alt, wie man es zulässt." Sie könne zwar nicht wissen was noch kommt, aber sie habe sich vorgenommen, das Beste aus der Zeit zu machen, die ihr noch bleibt. Ihr Geheimnis für Fitness im Alter: Jeden Tag nach draußen gehen, egal bei welchem Wetter. "Frische Luft belebt Körper und Geist", erläuterte die 92-Jährige. "Das Leben um mich herum gibt mir die Kraft, selbst weiter zu machen."

(RP/ac)