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Coronavirus in Duisburg: Bilanz der Gastronomen nach Lockerungen

Erste Bilanz nach Lockerungen in Duisburg : „Die Stimmung bei den Wirten ist mies“

Rund zwei Wochen nach Öffnung der Gastronomie ist die Lage weiter düster. Gäste kommen zwar wieder, doch viele Betriebe in Duisburg klagen über Einbußen. Nicht immer akzeptieren die Kunden die neue Normalität – und wollen etwa einen Tisch für eine Geburtstagsparty.

Sie dürfen wieder öffnen, doch die Probleme bleiben: Für Duisburger Restaurants ist die Corona-Krise auch nach den ersten Lockerungen weiterhin existenzbedrohend. „Die meisten Gaststätten machen derzeit nur noch rund halb so viel Umsatz wie vor Beginn der Krise“, sagt Marc Weber, Dehoga-Chef in Duisburg. Das habe eine NRW-weite Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands unter den Wirten ergeben. In Duisburg sei die Lage besonders dramatisch, weil Tagestouristen in der Regel eher nach Köln oder Düsseldorf fahren. „Die Stimmung ist mies, an einigen Tagen lohnt es sich für viele überhaupt nicht, die Küche aufzumachen“, sagt Weber, der selbst Gastronom ist und das Webster Brauhaus am Dellplatz betreibt.

In NRW dürfen Restaurants seit gut zwei Wochen wieder öffnen, müssen sich dabei aber an strenge Auflagen halten. Tische müssen mindestens 1,5 Meter voneinander entfernt stehen, die Zahl der Plätze ist deshalb stark reduziert. Außerdem müssten Gäste namentlich registriert werden, damit Infektionsketten im Zweifel nachverfolgt werden können. An einem Tisch sind aufgrund der geltenden Kontaktbeschränkungen maximal Angehörige aus zwei Haushalten erlaubt – also zwei Familien, Paare oder Einzelpersonen. Viele Gäste, so sagt Weber, schrecke es nun aber ab, auf den gewohnten Restaurantbesuch verzichten zu müssen.

Der Dehoga-Chef erzählt von einem Fall aus der vergangenen Woche. „Es rief jemand an, der einen Geburtstag bei uns feiern wollte und dafür nach einem Tisch verlangte. Es stellte sich dann aber heraus, dass seine Gäste aus insgesamt vier Haushalten kommen. Wir mussten dann absagen.“ Seltener treffe der Gastronom auch auf Kunden, die sich weigern, ihre persönlichen Daten anzugeben. „Die müssen wir dann leider wegschicken.“ Ob Kunden Fantasienamen aufschreiben, wie es jüngst etwa in Düsseldorfer und Krefelder Gaststätten passiert ist, kann Weber nicht sagen. „Wir können das nicht überprüfen ohne von jedem einen Personalausweis zu fordern – und wir sind eben auch keine Polizeibehörde“, sagt er.

Nur wie können die Wirte die Krise finanziell überstehen? Eine Corona-Gebühr, wie sie etwa in Städten wie Hamburg diskutiert wird, lehnt Weber ab. „Aber am Ende muss nun mal jemand die Zeche zahlen.“ Die meisten Hilfen der Landesregierung seien mittlerweile ausgelaufen, viele Betreiber stünden nach Wochen ohne Einnahmen nun mit weniger Kunden und dafür höheren Ausgaben für die Hygiene-Vorschriften da. Zum Teil seien auch im Einkauf die Preise gestiegen, zum Beispiel für frisches Gemüse. „Wir brauchen endlich eine Entscheidung darüber, wie lange der aktuelle Zustand noch anhalten wird“, sagt der Duisburger Dehoga-Chef. Besonders die Kontaktbeschränkung auf lediglich zwei Haushalte müsse nach seiner Meinung dringend überdacht werden. „Wenn Sie sich draußen auf den Straßen umschauen, ist diese Regel doch nicht mehr zeitgemäß.“

Marc Weber, Geschäftsführer im Brauhaus Webster am Dellplatz. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Weitaus schlimmer treffe die Krise aber derzeit Betriebe, die ausschließlich Catering anbieten, etwa zu Firmen-Events oder Messen. „Da wird man wohl über Monate ohne Einnahmen planen müssen – und das geht nicht“, sagt Weber. Auch Clubs und Diskotheken bräuchten eine Perspektive. Weber warnt: „Wenn jetzt nicht die richtigen Entscheidungen getroffen werden, wird Gastronomie-Branche nach der Krise eine völlig andere sein.“