Frau nach Seminar in Düsseldorf infiziert Dritter Coronavirus-Fall in Duisburg – Apotheken mischen eigenes Desinfektionsmittel

Duisburg · Weil Kunden die Vorräte leer kaufen, wollen Apotheker in Duisburg nun selbst Desinfektionsmittel herstellen. Am Mittwochabend bestätigte die Stadt, dass sich eine Frau mit dem Coronavirus infiziert habe – es ist der dritte Fall in Duisburg.

 Menschen warten vor einer Apotheke in Gangelt im Kreis Heinsberg. Dort war der Coronavirus in NRW zuerst ausgebrochen.

Menschen warten vor einer Apotheke in Gangelt im Kreis Heinsberg. Dort war der Coronavirus in NRW zuerst ausgebrochen.

Foto: dpa/Oliver Berg

Die Stadt bestätigte am Mittwoch den dritten Fall des Coronavirus in Duisburg. Betroffen sei eine Frau, die sich in Düsseldorf bei einem Seminar angesteckt habe. Die Frau habe lediglich leichte Krankheitssymptome, ihr gesundheitlicher Zustand sei stabil. Es wurde häusliche Quarantäne angeordnet. Die Stadt ermittelt nun die Kontaktpersonen.

Die Angst, sich am Coronavirus anzustecken, hat einen regelrechten Ansturm auf die Duisburger Apotheken ausgelöst. „Solch einen Andrang habe ich noch nie erlebt, zum Teil kommen am Tag 50 Prozent mehr Kunden als üblich“, sagt Christoph Herrmann, Sprecher des Apothekerverbandes in Duisburg. Die meisten von ihnen würden besonders nach einem ganz bestimmten Produkt fragen: Desinfektionsmittel. Viele Regale seien deshalb nun leer, die Lager nur noch schlecht bestückt. Herrmann, der selbst drei Apotheken in der Stadt betreibt, hat deshalb beschlossen, Desinfektionsmittel selbst herzustellen. „Wir wollen in den kommenden Tagen rund 100 Liter produzieren“, sagt er.

Ob Herrmann und seine Kollegen dafür aber überhaupt genügend Zeit haben werden, ist fraglich. Die Filialen seien täglich voll. Der Apotheker kann nicht nachvollziehen, warum die mehr als 100 Corona-Fälle in NRW zu solch einer Panik geführt haben. „Hier in Duisburg leben derzeit soweit wir wissen keine Erkrankten. Es ist übertrieben, dass nun so viele Menschen glauben, sie müssten ständig die Hände desinfizieren.“ Viele hätten sich von der Angst anstecken lassen. Herrmann führt Wartelisten für alle, die trotzdem Desinfektionsmittel wollen – und fragt nach, wofür sie es überhaupt brauchen. Man versuche, den Kunden den Kauf der Fläschchen auszureden, wenn es nur darum gehe, sich vor dem Coronavirus zu schützen.

Herrmann arbeitet derweil an einem Notfallplan für den Fall, dass sich in Duisburg Dutzende oder gar Hunderte Menschen mit der vom Coronavirus ausgelösten Krankheit Covid-19 anstecken. „Wir müssten in der Apotheke dann vermutlich Schutzmasken tragen und Verdachtsfälle nur noch vor der Tür bedienen“, sagt der Apotheker. Der Plan sei aber eine reine Vorsichtsmaßnahme. „Die Angst der Menschen ist nicht begründet“, sagt Herrmann.

Auch die Corona-Fälle in China könnten sich auf den Betrieb der Apotheken in Duisburg auswirken: Zahlreiche Medikamente werden in Fernost produziert – und dort stehen viele Städte derzeit unter Quarantäne. Ob es deshalb zu Engpässen kommt, ist noch unklar. „Die Lieferketten sind lang. Wir werden die Auswirkungen erst in der zweiten Hälfte des Jahres spüren“, sagt Herrmann.

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