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Corona-Krise Duisburg: Leben in der Stadt hat sich verändert - Analyse

Coronavirus : Duisburg manövriert sicher durch die Krise

Mehr Regeln, weniger Freiheiten, viel Solidarität: Das Coronavirus hat das öffentliche Leben in Duisburg durcheinandergewirbelt. Doch wie hat sich das Leben für die Duisburger konkret verändert? Und wie schlägt sich die Verwaltung? Eine Einordnung.

Und auf einmal war es da. Zunächst war das Coronavirus noch als chinesisches Problemchen belächelt, später dann vom Duisburger Hafen wegen seiner Auswirkungen auf die Partnerstadt Wuhan mit Sorge betrachtet worden. Spätestens am 29. Februar wurde es dann dann aber auch in Duisburg richtig ernst. An diesem Tag wurden die ersten beiden Verdachtsfälle in der Stadt bestätigt. Rund acht Wochen später zählen wir in Duisburg 806 bestätigte Fälle, von denen 589 bereits wieder genesen und 19 gestorben sind. Es sind vier Wochen, in denen sich das Leben der Duisburger in weiten Teilen verändert hat. Eine Bestandsaufnahme:

Wie macht sich die Stadtverwaltung? Die Verantwortlichen im Rathaus am Burgplatz haben in der Krise von Anfang an eine gute Figur gemacht. Das betrifft sowohl die Organisation des Krisenmanagements an sich sowie das Auftreten des Oberbürgermeisters und die Organisation von Testmöglichkeiten als auch mit kleinen Einschränkungen den gesamten Bereich der Kommunikation.

OB Link hat sich von Beginn an für eine härtere Umgangsart mit dem Virus entschieden als es andere seiner Amtskollegen getan haben. Duisburg hat das öffentliche Leben in weiten Teilen früher stillgelegt und zum Beispiel Veranstaltungen früher begrenzt als andere Städte. Zuletzt tat sich der OB überdies mit einer Forderung nach einheitlichen Regeln zur Maskenpflicht hervor. Vor allem aus ökonomischer Sicht mag es zwa Gegenargumente gegen eine so restriktive Vorgehensweise geben, sie trägt für den Teil der Bevölkerung, der großen Respekt vor dem Virus hat, aber auch zur Beruhigung bei. Sie schafft Vertrauen. Und dieser Umstand ist in einer solch beispiellosen Krise nicht hoch genug einzuschätzen.

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Was die Transparenz und die Krisenkommunikation angeht, gibt sich die Stadtverwaltung außerordentlich bemüht. Presse und Öffentlichkeit werden täglich mit Updates versorgt, außerdem gibt es inzwischen regelmäßige Videobotschaften des Oberbürgermeisters. Auch das sind vertrauensschaffende Maßnahmen. Die Beantwortung von Anfragen durch die Stadt könnte im Sinne einer transparenten Kommunikation allerdings etwas schneller und etwas sorgfältiger von der Hand gehen. Angesichts des zum Teil großen Nachfrageaufkommens, muss man dafür in diesen Tagen zwar Verständnis haben, Videobotschaften des OB und Pressemitteilungen der Stadt können aber weder kurz- noch langfristig ein Ersatz für kritische Berichterstattung sein.

Das Kontaktverbot und seine Auswirkungen auf die Stadtteile Das Kontaktverbot wird von den Duisburgern in weiten Teilen vorbildlich umgesetzt. Das ist auch der Eindruck, den einem die Stadtverwaltung auf Nachfrage bestätigt. Wenn das Ordnungsamt doch einmal Verstöße feststellt, zeigen sich die Erwischten wohl auch meistens einsichtig. Schwierigkeiten gab es in den vergangenen Wochen vor allem in Hochfeld und Marxloh. In diesen Bereichen hat die Verwaltung nach eigenen Angaben besonders viele Bußgelder aussprechen müssen.

Hart war das Schließungsgebot für den Einzelhandel vor allem für die Stadtteilzentren zum Beispiel in Großenbaum, Meiderich und Rheinhausen. Im Vergleich zur Innenstadt gibt es hier deutlich weniger Filialisten mit Möglichkeiten für größere Rücklagen.

Einschränkungen in Handel und Gastronomie Den Duisburger Einzelhandel hat es hart getroffen. IHK Duisburg und der Einzelhandelsverband befürchten erhebliche Umsatzrückgänge mit Auswirkungen bis hin zu Insolvenzen. Das gesamte Ausmaß der Krise wird wohl erst nach deren Ende absehbar sein. Dasselbe gilt für die Gastronomiebetriebe in Duisburg. Trotz staatlicher Soforthilfen haben in diesen Tagen viele Duisburger Gastronomen mit Existenzängsten zu tun. Die zum Teil kreativen Lösungen mit Lieferdiensten, Eisrutschen und Abholservice konnten das drohende Drama zwar etwas abfedern, alleine verhindern können es solche Maßnahmen aber nicht. Viele Gastronomen in Duisburg werden wohl nur eine Chance haben, wenn sie bald wieder öffenen dürfen. Und selbst in diesem Fall ist zumindest fraglich, ob dann auch so viele Gäste zum Essen kommen wie vor der Krise.

Der Verkehr Seit die Geschäfte wieder öffenen dürfen, hat der Berufsverkehr wieder etwas angezogen. Zwischenzeitlich bedeutete Corona für diejenigen, die nicht ins Homeoffice wechseln und trotzdem an ihren Arbeitsplatz fahren mussten, erfrischend freie Fahrt auf den Stadtautobahnen. Es gab wochenlang kaum nennenswerte Staus auf der A59 oder vor der A40-Wiegeanlage in Neuenkamp. Selbst im Kreuz Breitscheid galt über Wochen freie Fahrt.

Landschaftspark und Sechs-Seen-Platte Umgekehrte Welt. So schön die Natur dort auch ist: Während der Corona-Krise haben sich der Landschaftspark und die Sechs-Seen-Platte gerade bei schönem Wetter zu Orten entwickelt, die man am Wochenende wohl eher meiden sollte. Zumindest wenn man es mit dem Infektionsschutz ernst nimmt. Das Problem: In Ermangelung anderer Freizeitaktivitäten als Spazierengehen und Radfahren wird es dort bei gutem Wetter einfach zu voll. Ja, die Leute sind zwar auch dort bemüht, die Abstände einzuhalten, gerade samstagsmittags ist das zumindest an der Sechs-Seen-Platte wirklich schwierig. Wer auf seinen Spaziergang an Duisburgs wohl schönsten Orten nicht verzichten will, sollte auf Wochentage oder Morgen- und Abendstunden ausweichen.

Welle der Solidarität Dass die Duisburger in Krisen Seite an Seite stehen, ist spätestens seit den Arbeiterprotesten  der 80er Jahre klar. In diesen Tagen ist das Duisburger Füreinander aber wieder besonders gut zu beobachten. In allen Stadtteilen von Rahm über Baerl bis Walsum haben sich Nachbarschafts- und Gemeindeinitiativen gegründet, die zum Beispiel für besonders gefährdete ältere Menschen Einkäufe übernehmen. Außerdem bestellen viele bei den Gastronomen ihres Vertrauens Essen, um sie zu unterstützen oder spenden Geld für Hilfsinitiativen. Das sollte Mut machen. In Duisburg muss auch in diesen Tagen niemand einsam sein. Die Welle der Solidarität ist eine, auf der Duisburg sicher durch diese Krise manövrieren kann.