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Corona-Chorkonzert in Duisburg gibt Hoffnung

Vier herausragende Werke zu Gehör gebracht : Corona-Chorkonzert gibt Hoffnung

Abstand zu halten ist naturgemäß eine hohe Hürde für einen Chor, denn teure Testungen oder aufwändige Quarantänen sind für die Rheinoper natürlich nicht drin.

Ein Chorkonzert in Zeiten von Corona erscheint fast unmöglich. Zeitweise galt Singen als „das gefährlichste Hobby der Welt“. Jetzt haben sich die Profis von der Deutschen Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg in ihrem Duisburger Haus erstmals wieder getraut.

Teure Testungen und aufwändige Quarantäne wie bei einigen „normalisierten“ Chorauftritten der vergangenen Wochen, etwa Joseph Haydns Oratorium „Die Schöpfung“ im Dortmunder Konzerthaus, kann die Rheinoper natürlich nicht leisten. Aber da seit einigen Wochen drei Meter Abstand in Singrichtung erlaubt sind, können hier insgesamt 24 Personen singen, also sechs in jeder der vier Stimmlagen Sopran, Alt, Tenor und Bass.

Zwischen den Werken wird ein großer Teil der Besetzung ausgetauscht, auch damit möglichst viele der Chormitglieder mitwirken können. Selbstverständlich ist auch das Publikum auf Abstand gesetzt und muss Mund-Nasen-Schutz tragen, bis das Konzert beginnt.

Auf dem Programm finden sich vier herausragende Chorwerke über das in diesen Zeiten naheliegende Thema „Hoffnung“. Am Beginn steht das vor etwa 150 Jahren entstandene „Schicksalslied“ op. 54 von Johannes Brahms auf ein Gedicht des vor 250 Jahren geborenen Friedrich Hölderlin über das Schicksal, das die Menschen hin- und herwirft. Hier ist es das tröstliche instrumentale Nachspiel, das Hoffnung gibt.

Der Orchesterpart erklingt an der Rheinoper jetzt in der Fassung für Klavier von Brahms selbst, die mehr ist als ein Klavierauszug und eine eigenständige künstlerische Qualität hat. Dann kommen die vor 90 Jahren uraufgeführte „Psalmensinfonie“ von Igor Strawinsky, der Orchesterpart in der Bearbeitung für zwei Klaviere von Dmitri Schostakowitsch, und „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen op. 36 für Orchester (1899) von Edward Elgar, für Chor a cappella arrangiert als „Lux aeterna“ (1994) von John Cameron. Den Abschluss bilden die flotten „Chichester Psalms“ (1965) von Leonard Bernstein in dessen eigener Kammerfassung mit Harfe, Orgel und Schlagwerk.

Bei der Premiere war den Sängerinnen und Sängern anzuhören, wie glücklich sie über ihr Comeback nach sieben Monaten Zwangspause waren. Chordirektor Gerhard Michalski hatte die vier ebenso anspruchsvollen wie attraktiven Kompositionen mit lustvoller Akribie einstudiert.

Auch Bernsteins Hürden der hebräischen Aussprache und der vertrackten Rhythmen werden gut gemeistert. Vorzügliche instrumentale Ergänzung liefern Laura Poe und Jason Tran (Klavier) sowie Verena Plettner (Harfe), Christian Dammann (Orgel) und Kersten Stahlbaum (Schlagwerk).

Es gibt noch Karten für die zweite und für Duisburg bereits letzte Vorstellung am Donnerstag, 19. November, um 19.30 Uhr, am einfachsten unter karten@theater-duisburg.de per E-Mail.

(hod)