Clan-Kriminalität: In Duisburg gibt es 70 Clans mit rund 2800 Mitgliedern

Duisburg : „Clans haben höchste Priorität“

In Duisburg gibt es rund 70 kriminelle Clans mit etwa 2800 Mitgliedern. Die beiden „Staatsanwälte vor Ort“ haben gegen sie bereits 258 Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Duisburgs Polizeipräsidentin Elke Bartels hat den Kampf gegen kriminelle Clans zur Chefsache erklärt. „Das hat bei uns oberste Priorität“, sagte Bartels am Donnerstag bei der Vorstellung der vorläufigen Bilanz der beiden Sonderstaatsanwälte, die seit Juni 2018 in Marxloh ermitteln. Wegen Personalmangels im Duisburger Polizeipräsidium, der erst in ein paar Jahren behoben sein werde, müssten sich andere Bereiche der Bekämpfung der Clanstrukturen ein wenig unterordnen. „Manche müssen deshalb mit weniger Personal auskommen. Das ist eben so“, stellte Bartels klar.

Die beiden „Staatsanwälte vor Ort“ im Duisburger Norden spielen bei den Ermittlungen gegen die kriminellen Clans eine immer größere Rolle. Seit Beginn des Projekts vor rund acht Monaten haben sie in Duisburg insgesamt 258 Ermittlungsverfahren eingeleitet, 655.000 Euro eingezogen und 19 Haftbefehle erlassen – unter anderem wegen antisemitischen Äußerungen, Körperverletzungen, Geldwäsche und Verstößen gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz.

Die beiden Staatsanwälte neben regelmäßig an Einsätzen im Milieu teil und haben ihre Operationsbasis im Amtsgericht Duisburg-Hamborn. „Es geht insbesondere darum, mehr über die Strukturen der Familienverbände, ihrer einzelnen Mitglieder und deren Verflechtungen untereinander zu erfahren“, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Martin Fischer von der Generalstaatsanwaltschaft in Düsseldorf. Und das sei bereits in den wenigen Monaten gelungen. „Es liegen bereits jetzt schon deutlich bessere Erkenntnisse über einschlägige Familien vor“, so Fischer.

Die Ermittler gehen derzeit von rund 70 kriminellen Familienverbänden in Duisburg aus, denen man 2800 Mitglieder zurechnet. In Duisburg agieren die Clans im gesamten Stadtgebiet – hauptsächlich in Laar, Hochfeld und Marxloh. Bei ihnen handelt es sich laut eines internen Polizeiberichts vor allem um „Mardin-Kurden“, im Polizeijargon auch „Schein-Libanesen“ genannt, die zwischen 1975 und 1990 aus der Türkei ins Ruhrgebiet kamen. Dem Staat gelang es nie, sie abzuschieben, obwohl ihre Asylanträge regelmäßig abgelehnt wurden. Die Abschiebungen scheiterten, so steht es in dem Polizeibericht, an für ungültig erklärten Reisepässen. Einige von ihnen würden nun auch mit Clans aus Südosteuropa zusammenarbeiten.„Wir müssen verhindern, dass sich die Strukturen der Clans aus Rumänien und Bulgarien hier weiter festigen“, sagte NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU).

Nicht nur Polizei und Staatsanwaltschaft gehen verstärkt gegen Clanstrukturen vor. Unterstützung erhalten sie von unter anderem von der Agentur für Arbeit und dem Hauptzollamt Duisburg, dem Finanzamt und der Steuerfahndung Essen. Wegen der erfolgreichen Arbeit der beiden Staatsanwälte vor Ort in Duisburg ist das Projekt bereits auch in Essen und Langenfeld angelaufen.

(csh)
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