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Christoph Urban wird neuer Superintendent im evangelischen Kirchenkreis Duisburg

Was der neue Chef der evangelischen Kirche in Duisburg plant : Urban will Kirchenkreis „groß denken“

Als neuer Superintendent denkt der 42-Jährige über eine Neustrukturierung des evangelischen Kirchenkreises nach. Der müsse sich erweitern, sonst werde er zum „Fusionskandidaten“.

Der Mann hat sich viel vorgenommen. Und er scheut sich offensichtlich auch nicht, ganz dicke Bretter zu bohren. Die Rede ist von Dr. Christoph Urban (42), zurzeit Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Konz bei Trier. Die Synode des evangelischen Kirchenkreises Duisburg wählte den Theologen jetzt zum neuen Superintendenten. Er tritt am 1. Dezember die Nachfolge von Armin Schneider an, der dieses Amt 16 Jahre inne hatte. Erstmals wird der Superintendent im Hauptamt tätig sein.

Mit 58 von 90 abgegebenen Stimmen hatte sich Urban deutlich gegen seinen Mitbewerber, Pfarrer Rainer Kaspers von der Auferstehungsgemeinde Duisburg-Süd durchgesetzt. Dass sich das evangelische Kirchenparlament, die Synode, in Duisburg stets auch mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen und nicht nur mit Struktur- und Haushaltsfragen, findet Urban positiv. In seiner Vorstellungsrede hat er acht wesentliche Punkte seiner persönlichen Ziele im neuen Amt skizziert. Einer davon heißt wörtlich „Den Kirchenkreis groß denken“. Damit bezieht er sich auf die Sommersynode 2019, bei der es als Option bezeichnet wurde, dass die Grenzen des Kirchenkreises Duisburg mit der Stadt identisch sein sollten. Tatsächlich ist der Kirchenkreis deutlich kleiner, weil der linksrheinische Teil Duisburgs zum Kirchenkreis Moers und Walsum zum Kreis Dinslaken gehören (siehe Box). Urban plädiert daher dafür, den aktuellen Kirchenkreis entsprechend zu vergrößern. Ansonsten bestehe die Gefahr, dass der Kirchenkreis Duisburg zu einem Fusionskandidaten werden könne.

Armin Schneider sieht das ähnlich. Er weiß aber um die Schwierigkeit des Unterfangens. Schließlich war es auch viel Arbeit gewesen, die Kirchenkreise Duisburg-Nord und Duisburg-Süd zu vereinen. Nach 16 Jahren im Amt geht Schneider nun mit 65 Jahren in den Ruhestand. Die vergangenen 16 Jahre im Amt haben ihn geprägt. „Superintendent zu werden, stand nicht auf meinem Lebensplan“, sagte er mit einem Schmunzeln. Zu den Höhepunkten seiner Amtszeit zählt er die großen Tauffeiern im Landschaftspark Nord und in Großenbaum, die Kreiskirchentage am Innenhafen und am König-Heinrich-Platz, das Jubiläum 400 Jahre Reformierte Generalsynode und das Reformationsjubiläum 2017.

Andererseits hat der Kirchenkreis in den vergangenen 16 Jahren rund 20.000 Gemeindemitglieder verloren. Dessen ist sich auch sein Nachfolger bewusst. Er sieht die Kirche in einem „ständigen Anpassungsprozess“, der auch weitergehen müsse. Obwohl die Tätigkeit des hauptamtlichen Superintendenten sicher ein Fulltime-Job ist, gehört zur Aufgabenbeschreibung ein regelmäßiger Predigdienst, hauptsächlich in der Salvatorkirche.

Auch die Ökumene liegt Christoph Urban am Herzen. Bevor hier aber konkrete Projekte angegangen werden, suche er erstmal das Gespräch mit den Vertretern der katholischen Kirche in Duisburg. Die Kirche der Zukunft, so formulierte er es in seiner Vorstellungsrede, existiere nicht mehr in Reinform heute bekannter Kirchengemeinden und Einrichtungen. „Die Kirche der Zukunft wird in Kooperationen existieren, sei macht gemeinsame Sache mit anderen Konfessionen, Religionen, der Stadt, Zivilgesellschaft, Diakonie und Caritas“, so Urban. Genau das sei die Chance, weiterhin Kirche vor Ort zu sein. Und das ist ihm besonders wichtig.

Urban ist mit Pfarrerin Anna Peters verheiratet, mit er er sich in Konz eine Pfarrstelle teilt. Das Paar hat drei Kinder im Alter von neun, acht und fünf Jahren und plant, mittelfristig auch nach Duisburg umzuziehen.