A52-Sperrung: Chaos bleibt aus, Schleichwege verstopft

A52-Sperrung : Chaos bleibt aus, Schleichwege verstopft

Der Weg von Düsseldorf nach Essen wird für die Pendler zur Belastungsprobe. Viele Autofahrer probieren es mit Schleichwegen durch die Städte, davon rät der ADAC allerdings ab. Das erwartete große Chaos bleibt bisher aus.

Das Flackern Hunderter roter Lichter auf der Autobahn 3 ist schon von Weitem zu sehen. Die Bremslichter der Autos, die Stoßstange an Stoßstange stehen, lassen erahnen, was die Pendler hinter der Kurve im Autobahnkreuz Duisburg-Kaiserberg erwartet. Es ist der erste Morgen, an dem Autofahrer sich von ihrer alltäglichen Route über die A52 in Richtung Essen verabschieden müssen. Denn seit Sonntagabend ist die wichtige Verbindung über die Ruhrtalbrücke zwischen Düsseldorf und dem Ruhrgebiet gekappt. Mindestens bis Ende September müssen täglich rund 80.000 Pendler starke Nerven beweisen.

Die Sperrung der Autobahn 52, die am Montag auf einem zehneinhalb Kilometer langen Abschnitt zwischen Düsseldorf und Essen begonnen hat, wirkt sich sofort negativ auf den Verkehr in der Region aus. Auch wenn das ganz große Chaos auf den Verbindungen im Rheinland und Ruhrgebiet bisher ausbleibt, wird es auf den ausgewiesenen Umleitungen besonders am Kreuz Duisburg-Kaiserberg zum Teil sehr eng.

Bei einer Testfahrt im Berufsverkehr über eine empfohlene Umleitungen braucht man vom Nördlichen Zubringer in Düsseldorf bis zur Autobahnausfahrt Essen-Frillendorf 53 Minuten. Montagnachmittag im Berufsverkehr sind es 57 Minuten. Eine knappe halbe Stunde mehr, als der Weg über die gewohnte Route dauern würde. Immer wieder kommt es zu Verstopfungen, vor allem im Kreuz Duisburg-Kaiserberg, einem der verkehrsreichsten Knotenpunkte im Ruhrgebiet.

Auch auf dem Ruhrschnellweg (A40), der mitten durchs Kreuz führt, stehen die Autos an vielen Stellen. Es geht nur langsam voran. In Staumeldungen im Radio ist von stockendem Verkehr bis zu 15 Kilometer Länge die Rede, nach Schätzungen von Straßen NRW sollen es weniger gewesen sein. Zwischen Mülheim und Essen wird es teilweise richtig eng. Insgesamt spricht die Straßenmeisterei von einem gelungenen ersten Sperrungstag.

"Der erste Belastungstest war ermutigend", sagt Sprecher Bernd Löchter. Auch die zuständige Autobahnpolizei in Düsseldorf nennt den Verlauf "erfreulich — bis auf wenige Störungen". Während am Morgen die Autobahnen 52 und 3 stellenweise noch relativ leer sind, wird es auch dort im Feierabendverkehr voller. Auf der A3 bilden sich ab Nachmittag erste längere Staus, die aber auch durch einige andere Baustellen verursacht werden.

Zwischen den Kreuzen Breitscheid und Kaiserberg geht zu dieser Tageszeit kaum noch etwas. Der Verkehr kommt auf dem Abschnitt fast zum Erliegen. Einige Internetkartendienste und Routenplaner wie zum Beispiel "Google Maps" leiten die Nutzer trotzdem weiter über die gesperrte Autobahn 52 von Düsseldorf nach Essen. Andere Kartendienstleister wie der ADAC waren schneller und haben die Umwege bereits in ihren elektronischen Routenempfehlungen berücksichtigt.

Verkehrsexperten wollen nun die neue Situation analysieren. "Wir müssen jetzt genau beobachten, welche Strecken sich die Autofahrer langfristig suchen", sagt der Sprecher von Straßen NRW. Denn am Montag haben viele Autofahrer offenbar andere Routen genommen als die von Straßen NRW empfohlenen.

Das macht sich vor allem auf Schleichwegen in Mülheim und Essen bemerkbar. Auf der Bundesstraße 1 von Mülheim bis zur A 40 und auf Verbindungsstraßen im Essener Stadtteil Kettwig geht es zwischen 8 und 9 Uhr nur sehr mühsam voran. Die Polizei ist mit Motorradfahrern im Einsatz, um den Verkehr zu lenken. Zu chaotischen Verhältnissen oder mehr Unfällen kommt es aber nicht. "Wir haben diese Erfahrung auch schon bei der Vollsperrung des Ruhrschnellwegs in Essen im vergangenen Jahr gemacht: Die Leute fahren vorsichtig", sagt der Essener Polizeisprecher Peter Elke.

Der Automobilclub ADAC rät von Schleichwegen abseits der Autobahnen ab. "Ausweichrouten in städtische Gebiete bringen nur sehr wenig Zeitgewinn", sagt ADAC-Sprecherin Maxi Hartung. Ihre Empfehlung: Wer in den kommenden drei Monaten von Düsseldorf nach Essen muss, sollte den Tank immer mindestens halbvoll sowie ausreichend Kühlmittel im Kühler haben. Eine Flasche Wasser und ein wenig Obst sollten an Bord sein, für Kinder Sonnenschutz.

Der Kölner Verkehrspsychologe Ulrich Wetzels rät den betroffenen Autofahrern dazu, hinterm Steuer Ruhe zu bewahren und sich nicht über den Stau zu ärgern. "Der Stress verschärft die Situation unnötig, wenn man nicht nur nicht pünktlich ist, sondern sich auch noch darüber aufregt. Im Stau sollte man sich versuchen klarzumachen, dass man nicht schneller am Ziel ist, wenn man sich ärgert."

Hier geht es zur Bilderstrecke: A52: Die Ruhrtalbrücke ist gesperrt

(RP)
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