Duisburg: Cellosuiten in faszinierendem Licht

Duisburg: Cellosuiten in faszinierendem Licht

Der 34 Jahre junge deutsch-französische Cellist Nicolas Altstaedt ist in der Saison 2016/17 "Artist in Residence" der Duisburger Philharmoniker. Zum Auftakt im ausverkauften Lehmbruck-Museum gab es einen Bach-Abend.

1982 als Sohn deutsch-französischer Eltern in Heidelberg geboren, gab es für Nicolas Altstaedt nie eine Alternative zum Musikerberuf: "Nachdem ich mit sechs Jahren zum ersten Mal ein Cello berührt hatte, wusste ich, dass ich mein Leben damit verbringen wollte." Er wurde einer der letzten Schüler des großen Boris Pergamenschikow, und mit dem Gewinn des "Credit Suisse Young Artist Award" 2010, durch den es zum Debüt mit den Wiener Philharmonikern unter Gustavo Dudamel kam, begann seine Weltkarriere. 2012 übertrug ihm Gidon Kremer die Leitung des von ihm gegründeten Kammermusikfestes im burgenländischen Lockenhaus, und nicht weit davon ist er seit 2015 Chefdirigent der Österreichisch-Ungarischen Haydn-Philharmonie Eisenstadt, deren Gründer Ádám Fischer zu den Düsseldorfer Symphonikern wechselte.

Als "Artist in Residence" (Gastkünstler) der Duisburger Philharmoniker in der laufenden Saison 2016/17 möchte Nicolas Altstaedt sich nach eigener Aussage "die großen Meilensteine der Literatur vornehmen." Zum Auftakt im ausverkauften Lehmbruck-Trakt im gleichnamigen Museum waren sämtliche sechs Sonaten für Violoncello solo vorgesehen, die Johann Sebastian Bach um 1720 komponierte. Da der Cellist vorher lange krank gewesen war, beschränkte er sich auf drei Suiten, nämlich die Nr. 1 G-Dur BWV 1007 und Nr. 2 d-Moll BWV 1008 sowie nach der Pause jene Suite Nr. 5 c-Moll BWV 1011, für welche die oberste Saite von a nach g heruntergestimmt werden muss. So dauerte der Abend nicht wie geplant drei Stunden, sondern hatte eine normale Konzertlänge.

Nicolas Altstaedt spielt Bach leicht und locker, sicherlich auch durch den kurzen Barockbogen, den er recht mittig anfasst, und dadurch, dass er bei seinem um 1760 von Giulio Cesare Gigli aus Rom gebauten Instrument den Stachel, mit dem ein Cello auf dem Boden verankert wird (eine Zutat späterer Zeiten) eingefahren lässt. Sein Bewusstsein für diese Musik ist insgesamt hoch, auch wenn manche Passagen etwas "vernuschelt" oder überhaupt vernachlässigt wirken. Zwischendurch las die Schauspielerin Katja Heinrich noch mehr als vorgesehen teils weltweise, teils mystische Gedichte deutscher Meister des 17. Jahrhunderts wie Simon Dach oder Andreas Gryphius.

Diese zeigen ein ungebrochen positives Menschenbild, das uns heute völlig fremd ist - umso berührender, wenn sie wie hier mit sanftem, menschenfreundlichen Nachdruck vorgetragen werden. Die differenzierte Lichtgestaltung, die im Lehmbruck-Trakt jetzt nach der Sanierung möglich ist, trug noch mehr zur seelentiefen Atmosphäre bei.

Die zweite Hälfte des Konzerts mit den drei anderen Cellosuiten von Bach wird im Frühjahr nachgeholt, die Karten bleiben gültig. Im siebten Philharmonischen Konzert am 15. und 16. Februar in der Philharmonie Mercatorhalle ist Nicolas Altstaedt erst einmal der Solist im Cellokonzert von Antonín Dvorák. Am 18. Februar kommt dann in der Salvatorkirche die Deutsche Erstaufführung "LOST" nach einem Film von Federico Fellini, der nicht gedreht wurde ("Die Reise des Giuseppe Mastorna"), zusammen mit dem Komponisten Hauschka am präparierten Klavier und einem Streicherensemble der Duisburger Philharmoniker.

Das achte Kammerkonzert am 7. Mai in der Philharmonie Mercatorhalle wird dann doch noch drei Stunden dauern, denn dann führt der Cellist zusammen mit seinem langjährigen Klavierpartner Alexander Lonquich sämtliche fünf Sonaten für Violoncello und Klavier von Ludwig van Beethoven auf. Karten zu diesen Konzerten gibt es am einfachsten unter der Telefon-Nummer 0203 / 283 62 100.

(hod)
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