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Bundestagswahl: Warum Duisburg die Regierung in Berlin nicht egal sein darf

Die Stadt der Nichtwähler : Warum Duisburg die Regierung in Berlin nicht egal sein darf

Die Wahlbeteiligung in Duisburg war in der Vergangenheit vielfach mit die geringste im Land. Das sollte sich ändern. Schließlich sollte den Duisburgern nicht egal sein, wer sie regiert. Die Wahlkampf-Bilanz in der Stadt fällt höchst unterschiedlich aus.

Olaf Scholz weiß, wie’s geht. Hätten Sie’s gewusst? Dreimal war der SPD-Kanzlerkandidat im Wahlkampf in Duisburg, einmal davon allerdings nur virtuell. Den ganz großen Auftritt auf der Bühne hat er dabei bewusst vermieden. Einmal stellte er sich per Videoschalte den Fragen interessierter Duisburger – da waren die Genossen fast unter sich. Dann war er zu Gast bei HKM, am Donnerstag dann bei Thyssenkrupp. Gespräche mit Arbeitern und Betriebsräten standen ebenso an wie eine Hochofenbesichtigung. Das nennt man dann wohl Motivierung der Stammwählerschaft.

Die CDU in Duisburg verzichtete ganz auf Bundesprominenz und war eher kleinteilig unterwegs. Armin Laschet und Co. machten einen Bogen um die Stadt, die schon mehr als 60 Jahre keinen Direktkandidaten mehr ins Parlament geschickt hat. Die Wahrscheinlichkeit, dass es diesmal wieder so kommt, liegt wohl bei nahezu 100 Prozent. Und dass es Thomas Mahlberg mit Listenplatz 28 doch noch schafft, hängt davon ab, wie weit die Landesliste „zieht“. Kurioserweise steigen seine Chancen, wenn die Christdemokraten insgesamt weniger Direktmandate gewinnen.

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Ganz anders sind die Duisburger Grünen den Wahlkampf angegangen. Mit Claudia Roth, Anton Hofreiter und nicht zuletzt Annalena Baerbock gingen sie auch personell in die volle Offensive. Am Samstag ist das grüne Spitzenduo Baerbock/Habeck dann auch noch einmal in Duisburgs südlicher Nachbarstadt vertreten. Ob all diese Auftritte dazu geeignet sind, noch immer Unentschlossene zur Wahl zu motivieren, bleibt abzuwarten.

In Duisburg haben rund 102.000 Menschen einen Briefwahlantrag gestellt. Das müsste am Sonntag eigentlich für eine Entzerrung in den Wahllokalen sorgen. Wenn Sie noch nicht gewählt haben: Tun Sie’s am Sonntag! Und sei es auch nur deshalb, weil Sie nicht möchten, dass Duisburg immer als Stadt der Nichtwähler in den Statistiken auftaucht. Als Stadt der politisch Uninteressierten, die resigniert und sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben. Ob es am Ende tatsächlich die jetzt vielfach beschworene ganz große „Richtungswahl“ wird, bleibt abzuwarten. Aber wir haben die Chance, mit unserer Stimme die Richtung mitzubestimmen. Gerade in einer Stadt wie Duisburg, die in vielerlei Hinsicht vom Bund abhängig ist, kann es nicht egal sein, welche Regierung in Berlin das Sagen hat. Zudem besteht die berechtigte Chance, dass Duisburg diesmal sogar mit fünf oder sechs Abgeordneten im Bundestag vertreten ist.