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Bundestagswahl in Duisburg: Mirze Edis kandidiert für die Linke

Linken-Bundestagskandidat Mirze Edis : Der Kämpfer

Mirze Edis wächst in den 80er-Jahren im heutigen Problemviertel Hochfeld auf. Als Kommunalpolitiker wird er später angefeindet, 2011 prügeln ihn Arbeitskollegen ins Krankenhaus. Nun will er für die Linkspartei in den Bundestag einziehen. Was treibt den 49-Jährigen an?

Mirze Edis ist einer dieser Politiker, den man auf den ersten Blick auch in einer anderen Partei verorten könnte. Doch ganz so einfach ist es mit dem Mann, der nun nach Berlin will, auch wieder nicht.

In den frühen 80er-Jahren wächst Edis in Hochfeld auf. Dem Stadtteil geht es damals noch weitaus besser. Man sei dort an einem Sonntag mit Schlips und Hut spazieren gegangen, nach der Messe am Morgen gingen die Familie mittags zusammen essen, erzählt Edis heute. Fünf Geschwister hat er, nur der Vater geht arbeiten. Und der schwärmt für die Altkanzler der SPD, Willy Brandt und Helmut Schmidt. Die türkische Community mochte Brandt. Bereits mit zwölf verkauft Edis am Stand eines befreundeten Händlers am Hochfelder Markt Obst und Gemüse. Schon damals ist ein Talent besonders wichtig: Die Kunst des Überzeugens. Eine eigene Geschichte erzählen.

Fast 40 Jahre später tritt Edis zur Bundestagswahl an, als Kandidat im Wahlkreis Duisburg I. Er möchte in der Hauptstadt etwas bewegen für Duisburg. Er tritt nicht für die SPD an, einst als Arbeiterpartei gegründet, sondern für die Linke. Und das hat einen Grund.

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Edis, 49 Jahre alt, traut den Sozialdemokraten nicht mehr zu, die Probleme der Arbeiter zu lösen. „Sören Link zum Beispiel ist ja auch kein typischer SPD-Bürgermeister, der vertritt teilweise auch CDU-Positionen“, sagt Edis. Es gehe nur darum, schwarze Zahlen zu schaffen, viele Stellen in der Verwaltung seien nicht besetzt oder gekürzt worden.

Bereits als 16-Jähriger wirft sich Mirze Edis in den Arbeiterkampf. Er beginnt eine Ausbildung bei den heutigen Hüttenwerken Krupp Mannesmann (HKM) und tritt der damaligen Föderation der Arbeitervereine, kurz Fidef, bei – eine Organisation überwiegend türkischstämmiger Arbeiter, die stark marxistisch orientiert war. Noch als Auszubildender wird Edis ein sogenannter Vertrauensmann und unterstützt andere Jugendlichen bei den neuen Herausforderungen in der Arbeitswelt.

Wenig überraschend ist da, dass sich Edis besonders für die Transformation der Industrie einsetzen will. Der Stahl müsse so schnell wie möglich „grün“ hergestellt werden – und die Arbeitsplätze in der Stadt sicher sein. Deshalb sei es richtig, dass Bund und Land nun mehrere Millionen nach Duisburg gegeben haben. „Schwierig wird es auch den Wasserstoff herzubekommen, da braucht man Pipelines und ich hab das Gefühl, die Grünen würden den Bau wahrscheinlich als Erste verhindern“, sagt Edis. Den Grünen wirft er vor, zwar Klimaschutz zu fordern, sich aber keine Gedanken zu machen, was aus den Arbeitsplätzen wird. „Allein bei HKM arbeiten mehr als 300 Menschen in der Kokerei. Was wird dann aus denen?“

Edis will in Hochfeld auch etwas gegen die niedrige Wahlbeteiligung tun. Zuletzt lag sie dort bei der Kommunalwahl bei weniger als zehn Prozent. Schuld sei der zunehmende Verfall von Hochfeld für den die Bürger die Politik verantwortlich machen. „Nichtwähler glauben keinen Versprechen mehr, sie wurden zu oft enttäuscht“, sagt Edis. Mittlerweile seien die Parks in Hochfeld vermüllt, öffentliche Toiletten gebe es kaum, Kultureinrichtungen schließen. „Dann sitzt man eben auf der Straße oder im Wettbüro.“

Edis will sich für den gesellschaftlichen Zusammenhang einsetzen, auch weil er persönlich bereits angegriffen wurde. 2011 wird er von drei Arbeitskollegen angegriffen, sie schlagen ihm mit einem Stuhl den Schädel ein. Seitdem gibt er weniger preis über sein Privatleben.

Politisch hat Mirze Edis bereits viel Erfahrung. Er war Stadtrat, saß in Ausschüssen, in der Bezirksvertretung Süd und er war stellvertretender Bezirksbürgermeister. Jetzt soll es die große Bühne sein. Ein Listenmandat hat Edis nicht. Aber das ist auch nicht so wichtig. Hauptsache er kämpft für seine Sache, betont er.