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Bundestagswahl in Duisburg: Christian Leye kandidiert für die Linke

Linken-Bundestagskandidat Christian Leye : Der Chefstratege

2017 verpasst Christian Leye den Einzug in den NRW-Landtag, jetzt will der Landessprecher der Linken in den Bundestag. Und die Chancen für den 40-Jährigen stehen ganz gut. Über einen Mann, für den immer klar war, auf welcher Seite er stehen will.

Für Christian Leye geht es erstmal nicht so sehr darum, ob er es in den Bundestag schafft. Die Chancen auf ein Direktmandat sind verschwindend gering. Wichtiger ist da seine Partei, die Linke. Scheitert sie desaströs, scheitern alle ihre Kandidaten mit ihr – die Partei könnte in diesem Jahr aus dem Bundestag fliegen. Zumindest, wenn sie nicht mindestens fünf Prozent holt oder drei Direktmandate gewinnt. Es könnte ziemlich knapp werden, die Umfragen sehen die Linke derzeit bei sechs Prozent. Leye, 40, und Landessprecher in NRW, kennt dieses Szenario. Vor vier Jahren verpasste seine Partei knapp den Einzug in den Düsseldorfer Landtag.

Diesmal will man erfolgreich sein. Leye, der im Wahlkreisbüro der Bundestagsabgeordneten Sahra Wagenknecht arbeitet, ist optimistisch. An den Wahlkampfständen der Partei spürt er große Zustimmung, sagt er. „Die Menschen merken, dass die Ära Merkel nun zu Ende geht. Viele sind offen für neue Ansätze.“ Auf der Landesliste steht Leye auf Platz sechs, ein eigentlich sicherer Platz. „Wir wollen regieren“, sagt der 40-Jährige. Doch da komme es nun eben auf die SPD und die Grünen an.

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Leye ist ein Kind des Ruhrgebiets und wächst in den 80er Jahren in Bochum-Steinkuhl auf. Die Universität ist nicht weit, aber es leben auch viele Arbeiter im Ortsteil von Altenbochum. Leyes Vater ist Chemiker, die Mutter arbeitet in einem Büro, beide engagieren sich in ihren Unternehmen im Betriebsrat. Heute sagt Leye: „Es war immer klar, auf welcher Seite man steht.“

Spätestens am 11. September 2001 wird aus dem damals 20-Jährigen ein politischer Mensch. Terroristen entführen vier Flugzeuge und steuern zwei davon in das World Trade Center in New York, mehr als 3000 Menschen in den Vereinigten Staaten sterben. Die USA eröffnen den „Krieg gegen den Terror“ und greifen erst Afghanistan und dann den Irak an. Leye hält das damals wie heute für falsch. „Das waren politische Fehlentscheidungen, das haben ja auch die letzten Wochen wieder gezeigt.“ Er meint damit die erneute Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan.

In den Jahren nach 9/11 geht Leye oft auf die Straße und demonstriert, für Frieden und gegen die Agenda 2010 von Gerhard Schröder und die Studiengebühren in NRW. 2010 reicht Leye der Protest nicht mehr aus, er möchte sich in einer Partei organisieren. Im selben Jahr tritt er den Linken bei und wird Kreissprecher in Bochum. „Ich wollte keine Karteileiche sein sondern sofort was gestalten“, sagt er. Später wird er Beisitzer im Landesvorstand und tritt 2017 als Spitzenkandidaten für die Landtagswahl an. Das größte Problem in Deutschland sei die wachsende Ungleichheit, sagt Leye. „Allein in der Corona-Krise sind die Aldi-Erben fünf Milliarden Euro reicher geworden.“ Eine einfache Mitarbeiterin im Konzern, so rechnet der Linken-Politiker vor, müsste dafür 180.000 Jahre arbeiten geben. „Solche Zustände machen die Gesellschaft kaputt.“

Leye fordert deshalb, die Reichen härter zu besteuern. Los gehen soll es ab einem Vermögen von zwei Millionen Euro. Dann wäre je nach Wert eine Abgabe zwischen ein und drei Prozent erforderlich. Über die Steuerpolitik seiner Partei sagt Leye: „Die Masse der Menschen wird durch unser Konzept weniger belastet und trotzdem generieren wir Mehreinnahmen für den Staat“, sagt Leye.

Nach der Wahl wäre ihm eine Koalition mit der SPD und den Grünen am Liebsten. „Die Ziele der Grünen oder SPD sind nur mit der Linken durchsetzbar.“ Bedenken, etwa über die außenpolitischen Positionen seiner Partei, will Leye ausräumen. So müssten sich nicht die Linke rechtfertigen, warum sie gegen den Afghanistan-Krieg war, sondern die anderen Parteien, warum sie dafür waren. „Es hat schließlich alles nichts gebracht.“