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Bundestagswahl 2021 in Duisburg: Rainer Holfeld kandidiert für die AfD

Bundestagskandidat Rainer Holfeld (Duisburg II) : Zu liberal für die AfD?

2013 ist Rainer Holfeld wegen des Kurses des damaligen Parteichefs Bernd Lucke in die AfD eingetreten. Und anders als sein Vorbild bis heute geblieben. Bei der Bundestagswahl tritt der Zahnarzt als Direktkandidat im Wahlkreis Duisburg I an.

Manchmal sagen Bekannte ihm, er sei eigentlich zu liberal für die AfD. Und irgendwie stimmt das bei Rainer Holfeld auch. Er gibt, anders als seine Partei, zu, dass es so etwas wie einen menschengemachten Klimawandel überhaupt gibt. Er ist zweifach gegen Covid-19 geimpft und könnte sogar mit kostenpflichtigen Tests für Ungeimpfte leben. Und er müsse bei mancher schrillen Äußerungen seiner Parteikollegen manchmal die Zähne zusammenbeißen, wie er sagt. Trotzdem tritt der Zahnarzt bei der Bundestagswahl wieder für die AfD an. Auf Platz 20 der NRW-Landesliste und als Direktkandidat für den Wahlkreis Duisburg I.

„2013 bis heute, ich halte durch. Beim Ironman habe ich auch bis zum Ziel durchgehalten“, sagt Holfeld zu seiner AfD-Mitgliedschaft. Bis zu seinem 55. Lebensjahr hatte der heute 63-Jährige aktiven Wettkampfsport betrieben, dann widmete er seine Freizeit zunehmend der Politik. In die AfD sei er eingetreten, weil ihm der Kurs des damaligen Parteivorsitzenden Bernd Lucke gut gefallen habe. Anders als er dann jedoch auch nach mehreren Rechtsrucken der Partei nicht wieder ausgetreten. „Von meinem Alter her bin ich dann schon etwas gesetzter“, sagt Holfeld.

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Und natürlich ist er nicht ohne Grund in der AfD. Mit deren Zielen könne er sich nach wie vor identifizieren, sagt Holfeld. Nicht nur die finanzpolitische Ausrichtung der Partei habe ihn von Anfang an überzeugt, auch ihre strikte Abrechnung mit manch anderer Ideologie. Bis 1989 hat Holfeld selbst an der „Zonen-Grenze“ gelebt und die Mauer erlebt. „Deswegen habe ich ein Problem mit Sozialismus“, sagt er. Auch mit der osteuropäischen Zuwanderung, beispielsweise nach Marxloh, ist Holfeld unzufrieden. Genauso wie mit der angestrebten Klimapolitik der Grünen. „Ich glaube nicht, dass die Windkraft die Energie der Atomkraftwerke ersetzen kann“, sagt er. Ohnehin sei beim Klimawandel China viel eher gefordert als Deutschland.

„Es ist unwahrscheinlich, dass ich zum Zuge käme“, sagt Holfeld über seine Chancen auf ein Bundestagsmandat. Wenn es doch funktionieren sollte, sehe er sich als „Bindeglied vom Bürger bis nach Berlin“. Als lokales Thema liegt ihm die Untertunnelung der A 59 am Herzen. Dort sieht er Düsseldorf mit der Untertunnelung des Rheinufers als Vorbild. „Duisburg ist durch die Autobahn halbiert“, sagt Holfeld. Außerdem wünsche er sich eine Reduzierung des LKW-Verkehrs in der Stadt.

Für seine Bundespartei wünscht sich Holfeld ein Ergebnis jenseits der Zehn-Prozent-Marke. „Und, dass wir stärker sind als die FDP“. In Holfelds Wahlkreis holte die AfD 2017 sogar 16,6 Prozent der Erststimmen. „Wir haben eine Stammwählerschaft“, sagt er. „Wer unser Programm einmal ansieht, sieht konträre Positionen zu den übrigen Parteien, die im Konkurrenzkampf sind.“ Für ihn sei es vor allem wichtig, direkte und indirekte Steuererhöhungen für die Bürger zu verhindern.

Die Wahl zwischen den drei realistisch denkbaren künftigen Bundeskanzlern Armin Laschet (CDU), Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) empfindet Holfeld als „Wahl zwischen Pest und Cholera“.Für einen selbsternannten Konservativen hat er im Zweifel jedoch eine eher überraschende Präferenz. Während es nach eigener Aussage mit Laschet so gar nichts anfangen könne, sieht es da bei Scholz etwas anders aus. „Der kann gut und sachlich reden, auch wenn es nicht stimmt“, sagt Holfeld. Da zwischen CDU und SPD eh kein Unterschied zu erkennen sei, ist ihm von den drei Kandidaten Scholz am liebsten. „Ich würde sagen, der macht den seriösesten Eindruck.“