Duisburg: Bundestag: Dem Virus auf der Spur

Duisburg : Bundestag: Dem Virus auf der Spur

Was die Software-Hersteller im Business-Park Asterlagen zum Hackerangriff auf den Bundestag sagen und was sie privaten Smartphone-Nutzern raten.

Der Bundestag offline: Nach dem schweren Hackerangriff im Mai wurden die Computer am vergangenen Donnerstag abgeschaltet, gestern erfolgte der Neustart. Die Regierung musste ihr IT-System gründlich überarbeiten, damit es sauberer und sicherer wird. "Panda Security", ein Hersteller von Sicherheitssoftware, hatte bereits im Juni versucht, den Bundestag wachzurütteln - mit einer Anzeige auf der ersten Seite einer großen deutschen Boulevardzeitung.

Was darauf zu sehen war: rechts ein Foto von Angela Merkel, links daneben die Botschaft. "Eine Kanzlerin sollte dies anklicken dürfen", stand da geschrieben. Darunter: Ein Klickbutton über dem Namen des Softwareproduktes, für das Panda warb. Jan Lindner hatte die Werbung in der Zeitung platziert. Er ist Geschäftsführer der deutschen Panda-Niederlassung mit Sitz in Rheinhausen. Lindner ist zuständig für den Vertrieb der Software des spanischen Herstellers in Deutschland und Österreich. Er betont, dass sein Unternehmen weitaus weniger auf Werbung als andere Hersteller setze: "Wir investieren 25 Prozent des Umsatzes in Forschung und Entwicklung." Rund 450 Programmierer arbeiten in Spanien. "Wir holen sie meistens direkt von der Universität zu uns." Die IT-Spezialisten programmieren Software, die Computer weltweit schützen sollen. Auch in Deutschland, und hier - wenn es nach Lindner geht - den Bundestag. Dort sollen Teilstücke des Trojaners bereits seit Jahresbeginn eingegangen sein. Die Hacker sollen kleinere Datenmengen als Anhänge verschickt haben. Laut Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) wurde der eingeschleuste Trojaner aber erst bemerkt, als von Parlamentscomputern verdächtige Server angesteuert wurden. Der Bundestag will weitere Attacken jetzt mit der Generalüberholung seiner Computer verhindern. Doch nicht nur Regierungen wollen sich mit Software gegen Angriffe absichern, sondern auch Unternehmen und Privatkunden. Auch Smartphone-Nutzer seien gefährdet, so Lindner. Vor WhatsApp warnt er ausdrücklich: "Ich benutze es nicht, es gibt aber gute Alternativen dazu." Ziel eines Herstellers von Sicherheitssoftware wie Panda sei es aber nicht, WhatsApp zu verteufeln. Über die Preisgabe von persönlichen Informationen im Internet, zum Beispiel über soziale Medien, sagt Lindner: "Was einmal im Netz ist, bekomme ich nie wieder weg. Selbst, wenn es gelöscht wurde. Das muss jeder Anwender wissen."

(RP)