Duisburg: Bürger wollen "Alte Feuerwache" retten

Duisburg: Bürger wollen "Alte Feuerwache" retten

Anwohner, Initiativen und Kunstschaffende wollen die Umsetzung des Soziokulturellen Zentrums vorantreiben und fordern von der Stadt: Die Alte Feuerwache muss in kommunaler Hand bleiben.

2,1 Millionen Euro Fördermittel des Landes und der EU soll Duisburg zurückzahlen - weil es kein Soziokulturelles Zentrum in der Alten Feuerwache in Duisburg-Hochfeld aufgebaut hat. Nun hat sich ein breites Bündnis aus Anwohnenden, Initiativen und Kunstschaffenden zusammengefunden, das dafür kämpfen möchte, dass die Alte Feuerwache in kommunaler Hand bleibt. In einer Pressemitteilung fordert es einen offenen und partizipativen Prozess für ein unabhängiges Soziokulturelles Zentrum in der Feuerwache.

Im Jahr 2004 bekam die Stadt für ein Soziokulturelles Zentrum unter dem Namen "Alte Feuerwache e.V." 2,9 Millionen Euro Fördermittel - 50 Prozent von der EU, 40 Prozent vom Land NRW und zehn Prozent kamen aus der kommunalen Kasse dazu. Ein Verein, der die nunmehr renovierte Feuerwache bewirtschaftete, ging in die Brüche. Danach wurde das Haus von einer GmbH betrieben. Ein Verstoß gegen die Fördermittelrichtlinien. Darum soll Duisburg gescheiterter Klage 2,1 Millionen an die Bezirksregierung Düsseldorf zurückzahlen.

Im September 2016 war eine von der Entwicklungsgesellschaft Duisburg (EG DU) initiierte Kooperation über die Nutzung der Feuerwache mit Aktiven des Stadtteils angelaufen, um die Rückzahlung der Fördermittel noch zu verhindern. Ein offener Beteiligungsprozess mit Ideenwerkstatt und gemeinsamer Konzeptentwicklung war das Ziel. Nach Bekanntgabe der Rückzahlungsverpflichtung Anfang Januar 2017 wurden die Gespräche aber auf Eis gelegt.

Nun, da die Stadt ohnehin das Geld zurückzahlen muss, könne die Alte Feuerwache auch das werden, wofür sie letztlich gedacht war, findet Christian Wagemann vom Verein Mustermensch. Die Aktiven wollen den Prozess jetzt selbst in die Hand nehmen und zeitnah die ursprünglich geplante Ideenwerkstatt für eine Zukunft der Feuerwache umsetzen. Gleichzeitig hoffen sie, dass die Stadt an der ursprünglichen Idee festhält und das Gebäude nicht etwa verkauft.

In einer Stellungnahme der Stadt heißt es: "Über die zukünftigen Nutzungsmöglichkeiten der Alten Feuerwache wird derzeit in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe unter Federführung des Stadtentwicklungsdezernates beraten." Die Stadteilakteure seien in die weitere Entwicklung um die künftige Nutzung der alten Feuerwache eingebunden.

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Die CDU, die die Stadt noch immer dafür kritisiert, dass sie es nicht geschafft hat, ein Konzept vorzulegen, das die Rückzahlung verhindern konnte, begrüßt das bürgerliche Engagement. Sie wünscht sich, dass die Stadt auf die Aktiven zugeht und gemeinschaftlich eine Lösung findet. Gleichzeitig mahnt die CDU aber auch, dass es eine belastbare Finanzierung geben müsse, die nicht zulasten des Duisburger Haushaltes geht.

Doch um über eine Finanzierung nachdenken und ein Konzept entwickeln zu können, müsse zunächst mal Transparenz geschaffen werden, bemängelt Wagemann von Mustermensch. "Um ein Konzept entwickeln zu können, müssen wir erst mal Zugang zur Alten Feuerwache bekommen und Informationen erhalten, wie sich beispielsweise Unterhaltskosten zusammensetzen", sagt Wagemann. Die Interessensgemeinschaft hofft dann auf finanzielle Unterstützung der Stadt und beruft sich dabei auf den kürzlich vom Rat verabschiedeten Kulturentwicklungsplan. Dort heißt es in den Handlungsempfehlungen: "Um in Duisburg wieder soziokulturelle und autonome Zentren zu ermöglichen, sind Initiativen hierzu finanziell und strukturell - z.B. durch die Bereitstellung leerstehender Immobilien - zu unterstützen." Genau jetzt biete die Alte Feuerwache die konkrete Möglichkeit für die Stadt, ihren Umsetzungswillen zu beweisen, sagt Wagemann.

In anderen Städten, wie etwa Oberhausen, sei das längst Alltag. "Dort sehen wir, dass offene kulturelle Begegnungsorte von den Kommunen gefördert werden. Nur Duisburg legt sozialen und kulturellen Initiativen seit Jahren Steine in den Weg", sagt Jonas Weber vom Verein Mustermensch. Vor allem, da ein soziokulturelles Zentrum die Stadt hinsichtlich der Integrationsarbeit erheblich unterstützen würde, sagt Wagemann. Sollte von der Stadt keine finanzielle Unterstützung kommen, so Wagemann, werde man prüfen, ob es andere Fördermöglichkeiten - etwa über die EU - gebe, die man nutzen könne.

Alle Interessierten, die sich ebenfalls für einen geförderten öffentlichen Raum für Kultur, Veranstaltungen und Zusammenarbeit einsetzen wollen, lädt der Initiativkreis zum nächsten offenen Treffen am 5. Februar um 14 Uhr (Raum 22) ins Internationale Zentrum (IZ), am Flachsmarkt 15 in Duisburg ein.

(RP)
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