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7000 Menschen in Duisburg evakuiert: Bombensprengung: Wenig Angst, viel Ärger

7000 Menschen in Duisburg evakuiert : Bombensprengung: Wenig Angst, viel Ärger

Nach der am Dienstagabend gesprengten Bombe im Duisburger Hafen herrscht vor allen Dingen eines: Ärger über die Probleme, die die Evakuierung gemacht hat. Andererseits ist es eine enorme Herausforderung, in wenigen Stunden Tausende von Menschen in Sicherheit zu bringen.

"Sie müssen hier schnellstens weg, momentan schweben Sie im Grunde genommen in Lebensgefahr" — eine klare Aussage von einem Mitarbeiter des Ordnungsamts direkt vor der Fundstelle der Bombe. Aufgrund eines gefährlichen Säurezünders musste das Überbleibsel aus dem zweiten Weltkrieg am Dienstagabend gesprengt werden, eine Entschärfung war unmöglich.

Rund acht Stunden wurde die Sprengung vorbereitet, insgesamt 700 Tonnen Sand für die Detonation herbeigeschafft, 7000 Menschen mussten aus der fast drei Kilometer umfassenden Gefahrenzone evakuiert werden. "Es rufen immer wieder Leute an, die uns sagen, dass Verwandte in der Evakuierungszone leben. Diesen Bitten müssen wir dann natürlich nachkommen", erklärte Frank Kopatschek, Sprecher der Stadt Duisburg, noch am Abend.

Wie wichtig eine gründliche Evavakuierung ist, zeigen die Fälle in München und in Viersen aus dem September: Dort mussten ebenfalls Bomben mit gefährlichem Säurezünder gesprengt werden - und dabei kam es zu erheblichen Schäden. Der Blindgänger in Duisburg war mit zehn Tonnen doppelt so groß, wei die Fliegerbombe in Viersen.

  • Fotos : Bombensprengung in Duisburg: Die Fundstelle Minuten danach
  • Fotos : Duisburg: Leergefegte Straßen in der Innenstadt
  • Fotos : Bombensprengung in Duisburg: Verkehrschaos 2012

"Die müssten mich schon mit dem Sofa raustragen"

Angst grassierte bei den Menschen vor Ort aber nicht, in Duisburg gibt es regelmäßig Bombenentschärfungen. Dafür machte sich vielerorts Ärger breit. "Das ist eine einzige Katastrophe, hier kommt man nirgendswo durch", echauffierte sich ein Passant an einer von vielen Sperrungen zu der Evakuierungszone. Von der Innenstadt Richtung Hafen ging nichts mehr.

Im Netz war von Angst ebenfalls wenig zu spüren. Der User "Assiniboine" erklärte nüchtern: "Ich wette von den Leuten im Umkreis der Bombe weigern sich jetzt schon wieder mindestens 50 Prozent einfach den Anweisungen zu folgen." Oder "Man! Ich hätte zum Weihnachtsmarkt gehen sollen", erklärt "Knuffel-Wladikachu", der anscheinend lieber live dabei sein wollte. "Vanny_Bunny" twitterte hingegen: "In Duisburg grad so: hallo hier wird eine Bombe entschärft, verlassen Sie Ihre Wohnung! Die müssten mich schon mit dem Sofa raustragen."

Einzelne Menschen aus Wohnungen geholt

Trotz reichlicher "Bombenerfahrung" kam es bei der Evakuierung immer wieder zu Problemen. So wartete eine 92-Jährige eine halbe Stunde vor ihrer Haustür auf einen Krankentransport. Ein Feuerwehrmann erklärte ihr schließlich, dass sie die rund drei Kilometer zur Sammelstelle zu Fuß zurücklegen müsse. Der Seniorin blieb nichts anderes übrig, als in die Wohnung zurückzukehren.

Allerdings verzögerte sich die Sprengung auch immer mehr, da die Einsatzkräfte zahlreichen Hinweisen nachgingen, dass sich noch Menschen in ihren Wohnungen aufhielten. Sie wurden dann ebenfalls zur Sammelstelle gebracht.

Um 22.20 Uhr konnte die Bombe gesprengt und die Sperrungen aufgehoben werden. Oberbürgermeister Sören Link zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf: "Das war sehr gute Arbeit. Großartig, Respekt."

Hier geht es zur Bilderstrecke: Duisburger Bombensprengung: Evakuierung des Altenheims

(rm/top/rm)