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Duisburg: Böse Komik in der Essener Inszenierung der "Top Dogs"

Duisburg : Böse Komik in der Essener Inszenierung der "Top Dogs"

Seit der Uraufführung 1996 in Zürich ist "Top Dogs" von Urs Widmer (1938-2014) ein großer Renner auf deutschsprachigen Schauspiel-Bühnen. Jetzt kam die allerletzte Vorstellung der seit zwei Jahren erfolgreichen Essener Produktion des Stückes als Gastspiel ins Duisburger Theater.

Es geht darin einmal nicht um die "Underdogs", sondern um die Entlassenen aus Führungsetagen, eben die "Top Dogs", die sich in einem Outplacementcenter, der "New Challenge Company" (NCC) wiederfinden, um sich möglichst schnell wieder in einer Spitzenposition als funktionierendes Mitglied der Wirtschaft und Gesellschaft zu platzieren.

Die bisherigen Entlasser finden sich in der ungewohnten Situation, nun erst einmal selbst auf der Straße zu stehen. Der Verlust des Arbeitsplatzes wird zunächst sogar der eigenen Familie verschwiegen, er wird zu einem Sieg über den ehemaligen Arbeitgeber umgedeutet oder einfach nicht wahrgenommen. Zwei Damen und fünf Herren sind abwechselnd Coaches und Klienten, müssen Rollenspiele und Psychomätzchen über sich ergehen lassen, mit entsprechend skurrilen Folgen. Da bleibt das Lachen oft im Halse stecken, wenn immer wieder Vergleiche aus Krieg und Sexualität herangezogen und übertrieben werden.

Christoph Roos hat in seiner grandiosen Inszenierung nicht nur die Firmen aus der Schweiz nach Deutschland verlegt und die Büro-Hardware von Telefon und Fax auf Tablets und Smartphones aktualisiert, sondern auch den zeitlosen Kern des Werks verdeutlicht. Vor allem hat er die böse Komik auf den Punkt gebracht, etwa wenn die Herrschaften auf ihren Sitzbällen eine recht lächerliche Figur machen oder einander mit Gehübungen durch den Kakao ziehen. Das ist wunderbares Futter für Schauspieler - Silvia Weiskopf als Julika Jenkins und Ines Krug als Susanne Wrage sowie Thomas Büchel als Dodo Deer, Jan Pröhl als Urs Bihler, Sven Seeburg als Hanspeter Müller, Axel Holst als E. Heinrich Krause und Thomas Meczele als Michael Neuenschwander sind eine Wucht.

Ganz groß wird diese Deutung von dem Moment an, wo die Menschen hinter den Managern zum Vorschein kommen, ihre Ängste, Sehnsüchte und Träume. Sind sie in Widmers Text tendenziell schon jenseits von Gut und Böse, weitgehend allem Menschlichen entfremdet, gibt der Regisseur ihnen die Humanität allmählich wieder, endgültig in der gemeinsamen Utopie einer friedlichen und nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft. Wundervoll auch das Ende: Frau Jenkins bekommt die Möglichkeit, ihre Karriere "in einer kleinen aufstrebenden Industriestadt in Südkorea, nahe der Grenze zu Nordkorea" fortzusetzen, verabschiedet sich von allen und verschwindet durch die Rückwand.

So viel gelacht und auch so genau zugehört wird im klassischen Schauspiel nicht immer. Die 100 Minuten vergingen wie im Flug und ließen sichtlich zufriedene Besucher zurück.

(RP)