Bodelschwingh-Haus: Lavendel und Kräuterbeete statt Steinwüste

Bodelschwingh-Haus : Lavendel und Kräuterbeete statt Steinwüste

Eine grüne Idee ist Wirklichkeit geworden: Das Bodelschwingh-Haus in Rheinhausen hat jetzt einen neuen Garten, den „Campus Gehzeiten“.

Es duftet nach Lavendel. Die Geranien leuchten in bunten Farben. Bewohner bleiben mit ihrem Rollator stehen, streichen zart über die Blütenblätter. Dann gehen sie wenige Meter weiter und nehmen auf farbenfrohen Stühlen Platz. Es ist ein ganz besonderer Garten, der jetzt im evangelischen Bodelschwingh-Haus eröffnet wurde.

Alle 61 Bewohner des Pflegeheims kamen zusammen, um den Garten einzuweihen. „Campus Gehzeiten“ heißt der gut 50 Mal 80 Meter große Garten. „Nach einem Jahr Bauzeit können wir den Garten nun nutzen“, freute sich Einrichtungsleiterin Elisabeth Liß. Am Anfang stand eine Idee: „Lange haben wir in unserem Garten auf Rasengittersteine geguckt. Es gab kaum Grün, die Steine waren grau und holprig.“

Die Mitarbeiter und Bewohner waren sich einig: Aus dem Steinboden soll ein grünes Idyll werden. Das Spendenkonto „Garten“ wurde eröffnet. Mit der Seniorenstiftung der Sparkasse Duisburg fand sich schnell ein Sponsor. 86.000 Euro spendete die Sparkasse. Weitere Spenden kamen von der Volksbank, der Schäfersnolte-Gedächtnisstiftung, der Siegfried-Schlicht-Stiftung und der Firma Bongartz. Das Krefelder Gartenbau-Büro Frensch setzte die grüne Idee in die Tat um.

„Oft haben die Bewohner neugierig aus den Fenstern in den Innenhof geschaut“, so Liß. Dreizehn ausgestellte Bilder zeigten am Mittwoch, was hier noch kürzlich vor sich ging: Bagger packten die Erde um, es wurde gegraben, gestellt und gepflanzt.

Wer den Innenhof nun betritt, ist an einem Ort der Sinne zu Gast. Ein barrierefreier Rundweg führt vorbei an Lavendel, Hortensien, Lichtern und Bäumen. Bänke laden zum Verweilen ein. In Hochbeeten stehen Kräuter. „Die kann man pflücken, dran riechen. Unsere Kochgruppe freut sich schon, damit zu würzen“, erzählte Liß lächelnd.

Ein Highlight: die drei Stühle in Rot, Blau und Orange. „60 Prozent unserer Bewohner haben Demenz. Durch die Farben können sie sich beim Laufen Etappenziele setzen und sich orientieren.“ Zudem könne sich im Garten niemand verlaufen, denn der Weg beginnt am Eingang und endet dort wieder.

Bei der Eröffnung probierten auch die Nachbarn den Rundweg aus. „Das Quartier hat uns riesig geholfen. So haben die Nachbarn von der Blumenstraße Hortensien gespendet“, berichtet Liß. Die Nachbarn können den Garten besuchen und dort verweilen. Bezirksbürgermeisterin Astrid Hanske freute sich mit den Bewohnern: „Garten bedeutet Kindheitserinnerung. Hier ist nun ein Platz entstanden, der Ruhe bietet und ein schöner Treffpunkt ist.“ Bald soll noch ein großer gelber Schirm den Garten zieren, damit im Sommer alle ein schattiges Plätzchen haben.

(lw)
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