Duisburg Blick in den "Vorgarten" des Rathauses

Duisburg · Mit dem "Stadtfenster" hat Duisburg in zentraler Lage ein sehr attraktives Gebäude bekommen. Das Umfeld allerdings schreit förmlich danach, dass es aufpoliert wird.

 Das Stadtfenster an der Steinschen Gasse ist ein Hingucker. Seit gestern läuft die Übergabe an die Stadt, die hier ihre Stadtbibliothek und die VHS unterbringen wird.

Das Stadtfenster an der Steinschen Gasse ist ein Hingucker. Seit gestern läuft die Übergabe an die Stadt, die hier ihre Stadtbibliothek und die VHS unterbringen wird.

Foto: Reichwein

Seit gestern "erobert" sich die Stadt Stück für Stück das neue Domizil für ihre Stadtbibliothek und die Volkshochschule. Investor Fokus Development übergibt derzeit das Gebäude an der Ecke Steinsche Gasse/Münzstraße an den Mieter Stadt Duisburg. Es ist ein architektonisches Schmückstück in einer Ecke, die eher wenig optische Highlights bieten kann.

Wenig Qualität auf der Münzstraße

Das beginnt schon mit der Münzstraße. Sie wirkt bis zum Münzplatz schmuddelig und trostlos. Doch ebenso wie das Stadtfenster an dem einen Ende, so versucht die Eigentümerin des Knüllermarkts am anderen Ende, mit Aktionen und Deko diesem Straßenabschnitt etwas mehr Flair zu geben. Weiter in Richtung Schwanentor und Innenhafen wirken diese Bemühungen allerdings nicht. Und zwischen Stadtfenster und Knüllermarkt diktiert eher billig als Qualität das Angebot der Läden.

Provisorien und Plakate bestimmen den Weg Richtung Altstadt

 Zugekleisterte Zäune schirmen die Baugrube an der Steinsche Gasse ab, wo eigentlich längst ein Ärztehaus stehen sollte.

Zugekleisterte Zäune schirmen die Baugrube an der Steinsche Gasse ab, wo eigentlich längst ein Ärztehaus stehen sollte.

Foto: Reichwein

Am Stadtfenster vorbei in Richtung Altstadt führt der Weg nach wenigen hundert Metern an einem hässlichen, mit Plakaten zugeschmierten Zaun vorbei, hinter dem bereits die Baugrube für ein Ärztehaus ausgehoben worden war, das es aber nicht geben wird. Bekanntlich sprang der Investor ab und es gelang nicht, ein alternatives Bauvorhaben an Land zu ziehen und zu realisieren. Die dahinterliegende Altstadt ist durch das Baugelände von der Steinschen Gasse abgeschnitten. Die Interessengemeinschaft Altstadt hat inzwischen schon gefordert, die Grube zuzukippen und dort zumindest den ehemaligen (provisorischen) Parkplatz wieder anzulegen. Erreichbar ist das Viertel zwar auch über Münz- und Beekstraße, und damit über Wege, die genau so wenig attraktiv sind wie das eingezäunte Baugrundstücke.

Doch zurück zum Stadtfenster, von dem sich die Stadt erhofft, dass es sich positiv auf die künftige Entwicklung der Altstadt auswirkt. Als erste wird die Verwaltung der Volkshochschule ihre Räume in Betrieb nehmen. Bis allerdings auch die Kursteilnehmer hier lernen und lehren, werden noch einige Monate vergehen.

 Um die Pflege des Grundstücks der ehemaligen Berufsschule am Rathaus kümmert sich offensichtlich keiner.

Um die Pflege des Grundstücks der ehemaligen Berufsschule am Rathaus kümmert sich offensichtlich keiner.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Ebenso wie die heute noch nackten Räume der VHS müssen auch die der Stadtbibliothek noch "ausgeschmückt" werden. Es wird Monate dauern, bis alle Regale für die Bücher aufgebaut und eingeräumt, sämtliche technischen Geräte an ihrem Platz stehen und angeschlossen sind. Mit Sicherheit werden die Handwerker in den Obergeschossen noch arbeiten, wenn im Erdgeschoss längst die Drogeriekette Rossmann ihre Artikel verkauft. Das Ladenlokal sieht bereits jetzt so aus, als fehlten nur noch die Regale und die Waren.

 Hier zeigt die Innenstadt ihr eher trostloses Gesicht.

Hier zeigt die Innenstadt ihr eher trostloses Gesicht.

Foto: Christoph Reichwein (crei)

Stadtfenster soll strahlen

Die Strahlkraft des Stadtfensters ist an dieser Stelle der Innenstadt sehr von Nöten. Denn der "Vorgarten" des Rathauses hat derzeit wenig Attraktives zu bieten. In Sichtweite des neuen Domizils von Stadtbibliothek und VHS gammelt die ehemalige Berufsschule am Burgplatz vor sich hin. Seitdem die Bildungseinrichtung nach Neudorf umgezogen ist, hat sich offenbar keiner mehr um die Pflege des Grundstücks gekümmert. Überall sprießt das Unkraut, sind die Spuren Ausgrabungen am ehemaligen Mercatorhaus sichtbar.

Anwohner berichten, dass sie abends in das Gebäude Obdachlose gehen sehen, die dort ihre Nächte verbringen würden. Und, dass sich allerlei "Getier" auf dem Gelände tummelt. Dazu zählen Ratten, aber auch ein Fuchs, Kaninchen und ein Iltis wurden schon gesichtet. Direkt gegenüber im Rathaus wird unsere Stadtspitze sicherlich immer mal wieder auswärtige Besucher empfangen, denen der vergammelte Vorgarten nicht entgeht. Auf dem Schulgelände soll bekanntlich ein "MercatorQuartier" entstehen. Doch bislang konnte die Stadtspitze keinen Investor nennen, der den geplanten Neubau mit Wohnungen, Büros bzw. Geschäften in bester Innenstadtlage realisiert. Geplant ist, auch das alte Mercatorhaus wieder "auferstehen" zu lassen. Voraussetzung ist allerdings auch hier, dass sich ein Geldgeber findet.

(RP)